49: Date the Beast

Das Date mit Nikki war für 20 Uhr angesetzt. Um 19 Uhr ging ich an der wartenden Schlange, die sich vor den Türstehern des Crossfire dicht an dicht drängte, vorbei und wäre auch fast ohne Probleme durch die Tür gekommen. Aber ein hühnenhafter Schrank von Kerl hielt mich am Arm fest. In seinem Ohr steckte ein Headset und in seiner freien Pranke hielt er ein Klemmbrett.
>>Nicht so schnell Kumpel.<< Grunzte er. >>Heute nur Stammgäste.<<
>>Ich bin verabredet.<< Sagte ich. Er kicherte kurze und stieß mich einen Schritt zurück.
>>Das sind sie alle.<<
Es passte mir gar nicht das dieser Affe mich mit seinen Pfoten angegrapscht hatte, aber ich wollte auch keinen Streit vom Zaun brechen.
>>Hör zu. Ich bin hier verabredet. Der Name ist Padit. Nikki Padit.<<
Der Schrank sah mich an, musterte mich und schüttelte den Kopf.
>>Ich kenne Nikki.<< Er tippte mit seinem Kugelschreiber auf das Klemmbrett. >>SIE steht auf der Liste. Und ich weiss das SIE einen anderen Typ bevorzugt. Also Kleiner. Netter Versuch, aber trotzdem kommst DU nur über MEINE Leiche hier rein. Jedenfalls nicht heute.<<
Ich überschlug das Angebot über seine Leiche ins Crossfire zu kommen. Aber wenn ich ihn jetzt umputzte würde eine Panik unter den Gästen ausbrechen, es würde zu einem Feuergefecht zwischen mir und den Securities kommen und die Bullen würden auftauchen. Die Vorstellung von der Polizei einkassiert, stundenlang verhört, ohne Ergebnisse laufengelassen, schließlich von Ray apokalyptisch zusammengeschissen zu werden und zu guter Letzt doch noch in der heruntergekommensten Klappsmühle des Landes zu landen waren keine erstrebenswerten Ziele.
Da ich nichts riskieren wollte, der Schrank aber offensichtlich die Grenzen seiner Kompetenz nicht kannte zog ich meinen Army-Ausweis aus der Tasche. Nach Name und Dienstgrad stand in dicken roten Lettern >EXECUTIVE SPECIALIST<. Dieser Ausweis war meine Rückversicherung falls bei einem Job etwas schief ging und die Polizei doch unverhoffter Weise auftauchte. Mit einem solchen Ausweis in der Tasche durfte man weder festgenommen, noch aufgehalten noch sonstwie belangt werden. Der Besitz dieses Ausweises ohne Angehörigkeit der Streitkräfte und das Fälschen dieser Ausweise stellten terroristische Akte dar und endeten im besten Fall mit 25 Jahren Zwangsarbeit.
Ich zeigte dem Türsteher meine vom Verteidigungsministerium ausgestellte >Du kommst aus dem Gefängnis frei< Karte. Er sah sie sich lange und eindringlich an, suchte nach einem Fehler der sie als Fälschung entlarvte und nickte, nachdem er sich davon überzeugt hatte das der Ausweis echt war, mit seinem Kopf. Ohne ein Wort zu sagen schob er mich durch den Eingang in den Club. Ich für meinen Teil nutzte lieber meine gedruckte Lizenz zum Scheissebauen als meine Neun Millimeter.
Ich war noch nie ein Fan von Clubs oder Diskotheken. Zu viele Menschen die einen anrempeln oder blöd von der Seite anmachen, zu teure Getränke die meistens noch gepanscht und schlecht gekühlt sind, dazu noch Musik die in voller Lautstärke auf einen eindröhnt wie ein Düsentriebwerk. Ausserdem spielen die meisten Clubs und Diskos diese Rap-R´N´B-Hip Hop- House- Electro- Pop-Dance- Scheisse. Meiner Meinung nach die Brechdurchfallerkrankungen der Musikindustrie. Na gut, meine Meinung zählt hier nicht, damals hörte ich fast ausschließlich Deathcore und HillBillyCountryRock.
Das Crossfire war ein dreigeschossiger Club. Unten Diskothek, in der Mitte Bar und im obersten Stockwerk gab es ein Restaurant.
Alles war in dunklen Violetttönen und sämtlichen Arten Schwarz gehalten. Matt, glänzend, mattglänzend und so weiter und so fort. Das Klientel des Crossfire setzte sich aus allen Subkategorien der "dunklen Szene" zusammen. Gothics in Ledermänteln und Korsetts, Wannabe-Satanisten mit angeschliffenen Eckzähnen und Implantaten aus Edelstahl und Hartplastik die sich für böse hielten weil sie auf Friedhöfen herumstreiften, Pentagramme um den Hals und auf T-Shirts trugen und hin und wieder das Blut streunender Katzen tranken. Ich kam mir in Jeans und Hemd vor wie Penner auf dem Opernball. Während Gothics im allgemeinen ganz verträgliche Typen mit etwas eigensinnigem Geschmäckern und Vorstellungen sind, verlief mein erstes Zusammentreffen mit Satanisten alles andere als verträglich. Aber das ist eine andere Geschichte. Wie dem auch sei, ich war im Crossfire ohne einen Schuss abzugeben und ohne stundenlang anzustehen. Erfolg auf ganzer Linie. Aus den Lautsprechern an den Wänden dröhnte etwas das ich als Melanlic bezeichnette. Lieder über Lust, Sehnsucht und das Leben als Außenseiter in einer Gesellschaft in der Dinge wie Tod, Verfall und Traurigkeit Tabus sind. Ach ja, wir leben in einer perfekten Werberealität in der niemand leidet und alle das bekommen was sie sich wünschen wenn sie nur fest genug daran glauben. Wir, die Generation aus Rockstarts und Selfmademillionären, die unabhängig von Herkunft und Glück mit beiden Händen aus den Vollen schöpfen können. Wenn man glaubt was einem die Werbung vormacht werden wir alle Frauenhelden weil wir das richtige Deo benutzen und wir werden das strahlenste Lächeln aller Zeiten haben weil wir unsere Zähne mit der richtigen Zahncreme putzen. Wir alle werden ausländische Sportwagen fahren, in Villen am Strand wohnen und Limonade in unerer Lieblingsgeschmacksrichtung pissen. Wahlweise still, medium oder spritzig.
Ich ging an die Bar holte mir ein Bier um meine Nervosität herunterzuspülen und sah alle fünf Sekunden auf die Uhr. Die Zeit wollte und wollte nicht vergehen.
Wenn man tut was ich zu der Zeit tat hat man immer ein Auge auf seiner Umgebung, ein Auge auf die Leute um einen herum und am besten noch ein Auge im Hinterkopf.
Mit meinem Bier stellte ich mich mit dem Rücken an die Wand der Disko und beobachtete die anderen Gäste aus dem Augenwinkel, immer wieder zog ich meinen Gürtel hoch um mich zu vergewissern das ich die Pit Bull nicht verloren hatte. Ich hatte aus der Sache im Falcon Education Center gelernt, und wenn man solange Waffen trägt wie ich, werden sie ein Teil der Garderobe. Wie eine Brieftasche oder der Schlüsselbund. Es ging soweit das ich in meinem Badezimmer ein M-16 neben der Kloschüssel stehen hatte. Geladen, gespannt und entsichert.
Langsam füllte sich das Crossfire, die ersten Kellnerinnen nahmen ihre Arbeit auf und verteilten blotrote Schnäpse in Reagenzgläsern an die Feierwütigen. Ich ließ die Finger davon, harter Alkohol und ich funktionierten recht gut miteinander wenn ich einen Job zu erledigen hatte, aber ich wollte Nikki nicht besoffen gegenüberstehen.
Nicht schon wieder.
Es wurde 20 Uhr. Keine Nikki. 20: 30. Keine Nikki. 21 Uhr. Immernoch keine Nikki. Ich dachte schon sie hätte mich etweder versetzt oder vergessen und wollte gerade gehen als mir jemand auf die Schulter tippte. Mit einer Hand am Griff der Pit Bull warf ich einen Blick über die Schulter und atmete erleichtert durch.
>>Ich hätte dir sagen sollen das ich das Restaurant gemeint hatte oder?<< Fragte Nikki. Sie trug ein rot-schwarzes Kleid das eine Handlänge über ihrem Knie endete und so tief eingeschnitten war das ich ihre Brüste als Halfter hätte nehmen können.
Ich nickte stumm.
>>Ich hoffe du hast noch nicht gegessen.<<
Ich schüttelte den Kopf. Nonverbale Komunikation at its best.
Wir fuhren mit dem kleinen versteckten Aufzug in die dritte Etage, das Restaurant, und suchten uns einen Tisch im hinteren Teil des Saals. Abseits der Hauptversorgungswege der Kellner und Kellnerinnen, dort wo die Musik nur gedämpft und unaufdringlich hinkam und blasses Dämmerlicht von schwarzen Kerzen schien. An den Wänden Kunstfotographien und signierte Skizzen von Szenegrößen deren Namen ich nicht kannte und inzwischen wieder vergessen habe. In Anbetracht der Lage und der Umgebung fühlte ich mich in meinen Klamotten unwohl. Russian-Night-Camo-Cargos und ein Fanshirt der Memphis Manhunters hätte viel besser gepasst. Blöd gelaufen.
Ich bestellte ein Bier, Nikki etwas das sich Devil´s Paintbrush nannte, im Wesentlichen aus Rotwein, Cola und Erdbeersirup bestand und das herliche Farbspiele ergab wenn man zuviel davon intus hatte und der Magen die Notbremse zog. Daher der Name.
>>Gefällt dir der Laden?<< Fragte sie und nippte an ihrem Getränk.
>>Doch schon. Etwas düster vielleicht, aber trotzdem nicht schlecht. Du bist öfter hier oder?<<
>>Wenn ich mich von meinen Pflichten als Vorzeigetochter irgendwie freimachen kann.<< Nikkis Finger glitten über den Rand ihres Glases. >>Meine Eltern würden mich ins Kloster stecken wenn sie wüssten das ich hier bin. Oder das ich solche Kleider habe.<<
>>Und wie umgehst du das sie es herausfinden?<< Das Licht der brennenden Kerze tanzte in meinem halbleeren Glas Heineken.
Nikki lächelte verschwörerisch. >>Durch ein dichtgewobenes Netz aus Gegeninformationene und treuergebener Unterstützer.<<
Ich verstand Bahnhof. Nikki merkte es und legte nach.
>>Meine Eltern denken das ich bei einer Freundin in der City. Falls sie dort anrufen um zu überprüfen das ich wirklich dort bin wird meine Freundin ihnen erzählen das wir zusammen in die Bibliothek in der Nähe des FEC gehen und ich bereits im Taxi warte. Für den Fall das das Telefon nochmal an diesem Abend klingelt lässt sie den Anrufbeantworter rangehen und wird den Leuten erzählen das wir bis zum frühen Morgen in der Bibliothek waren. Das Kleid<< Nikki stand auf und bot mir einen freien Blick auf den, eng an ihrem Körper liegenden, glänzenden Stoff. >>hängt in ihrem Schrank falls meine lieben Erzeuger au die Idee kommen etwas in meinem Schrank zu suchen das nicht da ist.<<
>>Clever.<< Ich nickte anerkennend und klatschte gesitteten Applaus. >>Klingt für mich wasserdicht. Deine Eltern scheinen schwere Brocken zu sein.<<
Nikki rollte mit den Augen und trank einen Schluck Baintbrush.
>>Wenn es nach ihnen ginge wüden sie mich im Geiste der 1950er Jahre erziehen. Als würde all das Geld auf unseren Konten mich dazu bewegen jeden Tag fünf Stunden Hausaufgaben zu machen, mich für wohltätige Zwecke einzusetzen,ein Instrument zu lernen, Leiterin der Cheerleadergruppe zu werden, mich von Jungs fernzuhalten, keinen Alkohol anzufassen und meine Hand am Kopfende meines Bettes festketten damit sie sich nachts nicht in meine Pyjamahose verirrt.<<
Ich lachte. Nikki war wirklich etwas Besonderes.
>>Was ist mit dir?<< Fragte Sie und sah dem Eiswürfel in ihrem Drink dabei zu wie er sich auflöste. >>Von dir weiss ich sogut wie gar nichts.<<
Ich zuckte mit den Schultern und beschloss so nahe wie möglich an der Wahrheit zu bleiben ohne zuviel zu erzählen.
>>Da gibt es nicht viel zu erzählen.<< Sagte ich und leerte mein Bier in einem großen Zug. >>Ich bin Vollwaise, habe keine Geschwister, werde von einer staatlichen Organisation mit einem Dach über dem Kopf versorgt und halte mich mit Jobs über Wasser die sonst niemand machen will.<<
Nikki nickte, sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schlürfte die letzte hoffnungslose Pfütze Devil´s durch den Strohhalm in ihrem Glas.
>>Vielleicht wäre ja eine Karriere beim Militär das Richtige für dich.<< Sagte sie schließlich und in meinem Kopf schlug der Drummer seine Trommeln. Dudumm-Tssssss.
>>Darüber habe ich auch schon nachgedacht.<< Sagte ich. >>Viel zu verlieren hab ich je nicht.<<
>>Außer deinem Leben und deiner Gesundheit.<< Der Kellner stellte unser Essen vor uns ab. Ein Steak von der Größe eines Kanalsdeckels für mich und Chili con Carne für Nikki. Die Soße war mehr gelb als rot und das Hackfleisch roch nach Pfefferspray.
>>Wäre schade drum.<< Sagte sie und begann ihr schmerzhaft scharfes Chili con Carne zu löffel. Mir standen schon vom Zusehen Schweißtropfen auf der Stirn. Entweder war Nikki ohne Geschmacksnerven geboren worden oder hatte einen Magen aus Beton. Ohne mit der Wimper zu zucken schluckte sie den Bissen in ihrem Mund hinunter und sah enttäuscht auf ihr Essen.
>>Stimmt etwas nicht?<< Fragte ich und schnitt mein Steak an und genoss den wundervolle Moment als das Blut und der Saft sich mit der Soße vermischten.
Nikki sah mich an und leckte ihren Löffel sauber. >>Zum Chili trink man eigentlich Tequila...<< Dachte sie laut. Ich sah sie an und sagte >>Ich glaube ich habe mich gerade in dich verliebt.<<
Sie lachte und bedeckte den Mund mit ihrem Handrücken weil sie dachte ich hätte einen Scherz gemacht.
Das hatte ich nicht.

48: Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten

Gerry verglich die Fotos der Vermisstenakten aus dem Polizeirevier mit den Fotos aus dem Briefumschlag den Mainard ihm gegeben hatte. Sein Magen brannte von starkem Kaffee und obwohl ihn die unerträgliche innere Unruhe eines Koffeinschocks schüttelte, fiel es ihm zunehmend schwerer seine Augen offen zu halten. Er wusste das sein zentrales Nervensystem verrücktspielte wenn er jetzt eine Warhammer einwarf. Warhammer und Koffein vertrugen sich weitaus schlechter als Warhammer und Alkohol. Und selbst das war eine unheilige Allianz.
Konnerly betrachtete die Landkarte Kanadas und kreiste die Orte, an denen die Vermissten vom Erdboden verschwunden waren mit rotem Filzstift ein. Es gab kein erkennbares Muster. Normalerweise zogen Serienkiller ihre blutige Spur von einem Ende des Landes bis zum anderen oder suchen sich Opfer im Umkreis zu ihrem Wohnort. Von 52 Vermissten hatten es bedauernswerte vier geschafft als mieserabel zusammengeschusterte Statuen zu enden. Ein reichlich beschissenes Ende... wenn es soetwas wie ein gutes Ende überhaupt gab.
Doch hier gab es kein Muster, weder bei den Orten noch bei den Opfern. Dieser Kerl tauchte auf, schlug zu und verschwand wieder nur um irgendwo nach ein paar Wochen oder Monaten wieder aufzutauchen und zuzuschlagen.
>>Scheisse.<< Dachte Gerry und trank seine Tasse leer. >>Hätte ich gewusst das ich mich mal mit solchen Arschlöchern rumschlagen muss wäre ich Postbote geworden.<<
Gerade als er seine letzte Zigarette der Packung angezündet hatte klingelte das Telefon auf dem Nachttisch neben dem Bett.
>>Robby Rolands Road Kill Cafe. You kill it, we grill it.<<
>>Deine Witze waren auch schon besser Gerry.<< Meagen gähnte gut hörbar.
>>Oh Meg. Was gibt´s?<<
>>Zwei Sachen. Was willst du zuerst die gute Nachricht oder die schlechte Nachricht?<<
Gerry sah an die Zimmerdecke, nickte anerkennend und zeigte Gott an den er nicht glaubte den Daumen. >>Der war gut.<<
>>Wie bitte?<< Fragte Meg.
>>Gib mir die schlechte Nachricht zuerst, danach kann es nrnoch besser werden.<<
Meagen atmete tief ein, hielt kurz die Luft an und überlegte wie sie ihrem Arbeitgeber wohl eine Nachricht übermitteln konnte ohne das er sich aufregte. Jedoch kam sie zu dem Schluss das, egal wie sie es sagte, Gerrys Rest des Tages versaut sein würde.
>>Erinnerst du dich an Chelsea DeLaure?<<
>>War das nicht die mit dem Stalker im Nacken?<<
>>Genau die meine ich. Sie ist tot.<<
>>Tot?<< Fragte Gerry und ließ sich auf die Bettkante fallen.
>>Ich fürchte ja. Der Kerl hat sie gestern Abend nach der Arbeit abgefangen und erstochen.<<
>>Erstochen?<<
>>Ja. Er muss ihr aufgelauert haben. Hat sie elfmal mit einem Küchenmesser getroffen.<<
>>Aufgelauert?<<
>>Gerry du solltest nicht alles mit einer Frage beantworten. Das wirkt dumm.<<
>>Dumm?<<
Einen Moment lang herrschte Stille. Gerry sah auf den Boden. Langsam nickte er.
>>Ich dachte nur du solltest es wissen. Tut mir leid.<<
>>Okay Meagen. Ruf Dishka an, sie soll ein Team losschicken das sich diesen Kerl schnappt und dann sollen sie ihn begraben.<<
>>Dishka anrufen, Kerl schnappen, umlegen und begraben.<< Wiederholte Meagen pflichtbewusst.
>>Von umlegen habe ich nichts gesagt.<< Verbesserte Gerry. >>Nur vom begraben.<<
>>Wenn du es so haben willst.<<
>>Und was ist die gute Nachricht?<<
>>Heute Morgen hat jemand für dich angerufen. Warte ich hab den Zettel hier irgendwo... ah da ist er ... eine Nadine Braeburn. Sie möchte das du sie anrufst.<<
>>Nummer?<< Fragte Konnerly, etwas zu freudig.
>>Vorwahl von Boise und dann 555- 6427-22341. Ich weiss gar nicht was mich mehr wundert. Das du andere Frauen ausser mir und Dishka kennst oder das sie dich nicht für einen hasszerfressenen Kotzbrocken halten und wollen das du anrufst.<<
>>Meagen?<<
>>Ja Gerry?<<
>>Ich steh drauf wenn du ordinär wirst.<<

Gerry beendete das Gespräch und wählte die Nummer die Meagen an ihn weitergeleitet hatte.
Siebenmal klingelte das Telefon, achtmal, neunmal. Beim zehnten mal nahm Nadine den Hörer ab.
>>Ha... hallo?<< Ihre Stimme klang ängstlich. Genau wie an dem Morgen an dem Gerry sie aus dem Sinfull Inferno abgeholt hatte. Nein nicht ganz, dieses mal klang sie sogar noch ängstlicher.
>>Hi, hier ist Gerry. Du wolltest das ich anrufe.<<
>>Hallo Gerry.<< Ihre ohnehin dünne Stimme schrumpfte noch mehr zusammen. >>Ich hatte gehofft du würdest nicht anrufen.<<
>>Was ist los Nadine?<<
>>Hier ist jemand der mit dir reden will.<<
Nadine übergab den Hörer. Ihr schluchtzen klang leise und meilenweit weg.
>>Doktor Robert Levingston.<<
Gerrys Finger verkrampften sich um den Hörer in seiner Hand. KILL-KILL-KILL-KILL. Wieder blitzten die Worte vor Konnerlys innerem Auge auf.
>>Na dich brauche ich jetzt unbedingt...<< Murrte Gerry.
>>Ich wusste gar nicht das wir inzwischen per Du sind. Wir sollten doch eher den standesgemäßen Abstand wahren. Ich möchte das Sie mich Doktor Levingston nennen.<<
>>Fick dich Rob. Was willst du von mir?<<
>>Nun,<< Robert lächelte triumphierend. >>ich wollte Sie nur wissen lassen das ich die letzten zwölf Stunden damit zugebracht habe Ihre Bekannte zu schänden. Und zwar auf jede erdenkliche Art. Ich kann Ihnen sagen, sie ist richtig gut.<<
>>Arschloch wenn du Selbstmord begehen willst gibt es einfachere Methoden...<<
>>Aber aber Mister Konnerly.<< Robert lachte. >>Wir sind doch nicht etwa eifersüchtig?<<
>>WIR sind gewöhnheitsmäßiger Gewalttäter mit einem Wandschrank voller Waffen, einem ausgeprägten Alkoholproblem und einem Auto das es in sechs Stunden nach Boise schafft. Du solltest dir also die Frage stellen ob es gute Idee war dieses Gespräch zu führen.<<
>>Sie erheitern mich Mister Konnerly. Denken Sie wirklich das Sie mich auf diese Weise einschüchtern können? Ich weiss wer Sie sind. Sie sind ein Mörder der Frauen und Kinder umbringt.<<
>>Hin und wieder kommt das vor.<<
>>Aber wissen Sie was? All das ist bedeutungslos. Egal wieviele Waffen sie haben oder wieviele Menschen sie ermorden. Das ändert nichts an der Tatsache das ich, sobald der Hörer in meiner Hand wieder auf der Gabel liegt, diese bezaubernde junge Dame an meiner Seite genauso weiterschänden werde wie ich es die gesamte letzte Nacht getan habe.<<
>>Rob. Ich bin nächste Woche wieder in Boise. Was hälst du davon wenn du dann in mein Büro kommst und mir all diese netten Sachen ins Gesicht sagst? Es wäre doch viel befriedigender den Ausdruck in meinem Gesicht zu sehen wenn du mir von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehst.<<
>>Halten Sie mich wirklich für so dumm Mister Konnerly? Sie unterschätzen mich.<<
>>Nein Rob. Das siehst du falsch. DU unterschätzt MICH.<<
>>Leben Sie wohl, Mister Konnerly.<<
Die Leitung knackte und das Gespräch war beendet.
Dishka mochte sich um Chelseas Stalker kümmern, aber um persönliche Sachen kümmerte Gerry sich selbst.
Meagen hatte recht behalten. Gerrys Laune war, soweit das noch möglich war, tiefer gesunken.

47: Field Agent Testa

Gerry blieb noch lange in diesem Diner sitzen und sah sich wieder und wieder die Fotos an die Mainard ihm gegeben hatte. Konnerly hatte bereits Leute aufgespürt die untergetaucht waren. Leute die der Mafia Geld geschuldet hatten. Für gewöhnlich gab es Anhaltspunkte an denen er ansetzen konnte um zu finden wer nicht gefunden werden wollte. Aber dieses mal gab es nichts. Gerry musste bei Null anfangen.
Wieder sah er sich die Bilder an und konzentrierte sich auf die Hintergründe. Lagerhallen und Keller. Wenn dieser Kerl wirklich Menschen in Stillleben verarbeitete brauchte er einen Platz an dem er ungestört war und niemand die Schreie der Opfer hören konnte. Nicht viel worauf man aufbauen konnte, aber der einzige Hinweis den es gab. Dieser Typ schien keinem erkennbaren Muster zu folgen. Männer und Frauen jeder Hautfarbe, jeden Alters und jeden Körperbaus. Ein Cross-Killer.
Auch wenn es an den Haaren herbeigezogen war, Gerry beschloss sich mit den Personen zu beschäftigen die diesem Irren zum Opfer gefallen waren. Konnerly zahlte sein Frühstück, stieg in seinen Wagen und fuhr zur örtlichen Polizeiwache. Gerry warf einen Blick auf die Uhr im Amaturenbrett des Suburban. 8Uhr 20. Früh am Morgen war es leichter den >Field Agent< durchzuziehen. Eine Taktik die ein erhebliches Maß an Dreistigkeit und Selbstvertrauen erforderte.
Und ein wenig schauspielerisches Talent.
Konnerly tauschte sein Schulterhalfter gegen ein Plastikhalfter das er an einem Clip an seinem Gürtel über seiner Niere rug und tauschte seine geliebte Beretta 93R gegen die von ihm verhasste Glock 17, die vorgeschriebene Waffe der Agenten im Außendienst, aus der Metallkiste im Kofferraum. Als letztes Detail band er sich eine dunkelblaue Krawatte um den Hals mit der er seinen letzten unfreiwilligen Fahrgast geknebelt hatte. Die Speichelflecken hoben sich deutlich von der billigen, fusseligen Baumwolle. Gerry hatte den >Field Agent< bereits ein paar mal aus dem Hut gezaubert und wusste das es auf das Tempo ankam die Sache durchzuziehen. Rein, raus, fertig. Keine unnötigen Spielereien, so verlockend sie auch waren.
Konnerly ging über die Straße, marschierte Zielgerichtet die sieben Stufen der Treppe hinauf und schob die verglaste Tür der Polizeiwache auf. Das hecktische Klicken der Schreibmaschinen und das schrille Klingeln der altmodischen Wählscheibentelefone mischte sich mit dem typischen Geruch eines Polizeireviers nach Kaffee, Schweiß und chemisch gewaschenen Uniformen.
Er sah an die schwarze Plastiktafel an der in schrägen weißen Steckbuchstaben die Namen der jeweiligen Bereichsleider standen. Wichtige Details um sich nicht an den entscheidenden Punkten zu verraten.
>>Chief Inspector Calvin Hall. Detective John Eversmann im zweiten Stock. Officer Warren Lorne in der Aservatenkammer.<<
Ein paar fleißige Polizisten hoben kurz den Blick als sich Gerry einen Kaffee aus dem Automaten neben der Tür zur Herrentoilette holte und eine Zigarette am Aschenbecher neben dem Automaten rauchte. Der Trick dabei war es so auszusehen als gehöre man dazu. Als würde man jeden Tag in ein Polizeirevier gehen um dort Kaffee zu trinken und einfach seinen Job erledigen.
Als der Becher leer und der Zigarettenfilter im Aschenbecher ausgedrückt war ging Konnerly die breiten Treppen in den zweiten Stock hinauf und suchte die Namen an den Türen ab. Hinter den verschlossenen Türen tippten geschäftige Finger auf klackernden Schreibmaschinen.
Das Büro von J. Eversmann lag ungünstig am Ende eines langen Flures zwischen einem Warteraum und der Abstellkammer des Hausmeisters.
Eine einfache, billige Sperrholztür mit einem trüben Milchglasfenster und abgegriffenen matten Klinken.
Gerry war angespannt aber ruhig. Nervosität führte dazu das man wichtige Details vergaß oder Namen durcheinander warf.
Gerry klopfte zweimal kurz und heftig gegen die Tür und betrat das Büro ohne auf eine Antwort zu warten. Arroganz war ein nicht von der Hand zu weisender Charakterzug aller Field Agents die Konnerly bereits getroffen hatte, und das waren weit mehr als ihm lieb war.
Als erstes fielen ihm die heillos und ohne erkennbares Muster aufeinander gestapelten Akten auf dem Schreibtisch ins Auge. So hoch und breit das man den Officer dahinter kaum erkennen konnte, aus manchen Akten hingen bereits einige einzelne Blätter, andere wurden von dicken Gummibändern zusammengehalten.
>>Guten Morgen.<< Sagte Gerry und erschrak als der Officer von seinem Sthul aufstand. John war ein ungewöhnlicher Name für eine Frau.
Sie sah müde aus. Ihr blonder Zopf begann bereits seine Form zu verlieren, unter ihren Augen, die sie nur mit Mühe offen halten konnte, zeichneten sich dunke Ränder, auf dem letzten freien ihres Schreibtisches klebten schwarze Kaffeeflecken. Sie sah aus als wolle sie jeden Moment aus den Schuhen kippen um auf dem Boden ihres Büros ein langes Nickerchen zu machen. Trotzdem war sie attraktiv, etwa mitte Zwanzig, kleiner als Konnerly und rechts sportlich für einen Schreibtischjob. Außerdem war sie hoffnungslos übermüdet und dem Anscheinnach erst kurz von der Akademie in den Dienst gekommen. Perfekte Vorraussetzungen.
>>Agent Brand Testa.<< Stellte sich Konnerly vor. >>Federal Bureau of Investigation.<<
>>Officer Eversmann.<< Sie hob müde die Hand. >>Nennen Sie mich Joan.<< Sie schüttelten einander die Hände.
>>Ich dachte mir schon das sie zu feminin wirken um ein John zu sein.<<
Joan blinzelte länger als gewöhnlich und seufzte entnervt. Herrgott sie war zu müde um sich jetzt auchnoch damit zu befassen.
>>Ein blöder Witz der Kollegen.<< Murrte sie und streckte ihre Arme. >>Mindestens dreimal in der Wochen tauschen sie die Steckbuchstaben an der Wand aus und machen so aus Joan John.<<
>>Ein echter Brüller.<< Nickte Konnerly und drehte seinen verspannten Nacken um den Anschein zu erwecken ebenfalls übermüdet zu sein.
>>Oh ja. Die finden das unglaublich komisch.<< Joan rieb sich die Augen. >>Was kann ich für Sie tun Agent Testa?<<
Gerry hielt sich an einen Trick den er in der Zeit der selektiven Exekutionen gelernt hatte um Zielobjekte aufzuspüren. Bleib so nahe wie möglich an der Wahrheit ohne dich sebst zu verraten. Wenn man sich komplizierte Geschichten ausdachte erhöhte man damit das Risiko unglaubwürdig zu sein.
>>Sie leiten die Stelle für vermisste Personen?<< Fragte er.
>>Ich versuche es.<< Joan schüttelte den Kopf. >>Aber Sie sehen ja wie es hier aussieht. Und gestern kam noch der Chief Inspector auf die gloreiche Idee mich die Fälle eines Kollegen übernehmen zu lassen der die nächsten drei Monate krankgeschrieben ist weil er sich auf dem Schießstand eine Kugel durch den Fuß gejagd hat.<<
>>Wie hat er das denn geschafft?<<
>>Eine sehr gute Frage.<< Officer Eversmann legte den Kopf auf den Schreibtisch. >>Wie kann ich ihnen helfen?<<
>>Ich fürchte indem Sie noch etwas mehr Arbeit bekommen. Ich brauche Einsicht in die Vermisstenkartei.<<
Joan hob den Kopf. >>Seit wann beschäftigt sich das amerikanische FBI mit verschwundenen Kanadiern?<<
>>Wir haben einen Cross Killer im Bundesstaat Washington und ein paar seiner Opfer tauchen nicht in unseren Karteien auf. Deswegen hat man mich hierher geschickt, um zu sehen ob wir ein paar Gesichter zu den Leichen zuordnen können.<<
Officer Eversmann hob mit geschlossenen Augen die Hand und zeigte mit dem Finger auf einen Schlüssel der an einem Haken neber der Tür hing.
>>Das Büro gleich gegenüber. Der Kopierer braucht etwas Zeit um warm zu werden.<<
Gerry nahm den Schlüssel an sich.
>>Agent Testa?<< Fragte Joan.
>>Ja Officer?<<
>>Wecken Sie mich wenn Sie fertig sind?<<
>>Natürlich Joan.<<
Officer Eversmann schob ihren Arm unter ihren Kopf, schloss die müden Augen und schlief ein.
Konnerly hoffte das sie nicht auf die Idee kam ihn nach seinem FBI-Ausweis zu fragen.
Er würde sie nur ungern töten.

46: Was tun?

Es war einmal ein geiles Weib
das bereits im Mutterleib
sich so geschickt zu drehen wusste
das Papa beide ficken musste.

Was der alte William Shakespeare wohl dazu sagen würde?

Sean konnte nicht mit Sicherheit sagen wie langer er bereits in der versifften Kabine einer heruntergekommenen Tankstellentoilette saß. Ein paar Stunden. Gleich nachdem Leons mühsam zusammengekaufte, und aufeinander abgestimmte, Inneneinrichtung in einem mächtigen Feuerball auf die Straße geschleudert wurde, hatte sich der Assistent hierher verzogen, die Tür abgeschlossen und abgewartet.
>>Dieses mal kriegen sie uns dran.<< Wimmerte er mit tränenerstickter Stimme. >>Dieses mal sind wir geliefert.<<
>>Einen Scheiß sind wir.<< Gähnte Remus. >>Reg dich endlich ab.<<
>>Die Polizei ist sicherlich schon bei Leon und sichert die Spuren. Wir sind am Ende.<<
>>Welche Spuren?<< Fragte Remus und klang als würde er lächeln.
>>Ich hab das Messer angefasst, und den Herd, meine Fingerabdrücke sind in der ganzen Wohnung verteilt.<< Sean wischte sich eine Träne aus den Augen. >>Die werden uns in den Knast stecken, lebenslang in den Knast.<<
>>Hallo-hooo.<< Langsam fing Sean an Remus zu nerven. >>Schonmal was von 85 Qubikmetern Gas gehört? Die sind bis Ostern damit beschäftigt die Schwuchtel zusammenzufegen.<<
>>Und was das Feuer nicht zerstört hat wird vom Löschwasser weggespült. Das Löschwasser spült weg was das Feuer nicht zerstört hat.<< Romulus schien zu nicken. >>Selbst wenn sie deine Fingerabdrücke finden, du bist in keiner Kartei registriert. Du bist in keiner Kartei registriert, selbst wenn sie deine Fingerabdrücke finden.<<
>>Die werden gar nichts finden. Höchstens Trümmer und Asche.<<
>>Aber was ist mit dem Barkeeper?<< Fragte Sean ein wenig zuversichtlicher.
>>Denkst du der führt Buch darüber wer wen in seiner Kneipe abschleppt? Der hat dich bereits vergessen als du zur Tür raus bist. Und nehmen wir einmal an die Bullen fragen tatsächlich nach. Wie soll er dich beschreiben? Ein mittelgroßer dunkelhaariger Mann mittleren Alters mit Brille. Das engt den Kreis der Verdächtigen nicht gerade ein.<<
Sean schnaubte seine Nase in eine Handvoll Toilettenpapier, wo die Stimmen recht hatten, hatten sie eben recht.
>>Meint ihr, wir sind aus dem Schneider?<< Wagte er sich, vorsichtig optimistisch, zu fragen.
>>Noch nicht ganz.<< Warf Remus ein. >>Was ist mit Francis? Der Kerl ist wie ein Bluthund, der wittert auf tausend Meter wenn du Scheiße gebaut hast.<<
>>Das Beste wird sein es einfach zu gestehen und die Strafe auf uns zu nehmen. Einfach zu gestehen und die Strafe auf uns zu nehmen wird das Beste sein.<<
>>Sag Bruder, säufst du? Francis wird uns vierteilen, wenn dir Glück haben.<<
>>Aber wir können den Doktor nicht anlügen.<< Sean kratzte sein Ohr.
>>Wer hat denn was von lügen gesagt? Wir sagen einfach nichts und warten was passiert.<<
>>Das ist das Selbe wie zu lügen. Zu lügen ist wie das Selbe.<<
>>Aber irgendwas müssen wir tun. Der Doktor wird fuchsteufelswild.<<
Lange Zeit saßen Sean und die Stimmen auf der Toilette. Es müsste eine Lösung für dieses Problem geben. Eine halbe Stunde verging bis ausgerechnet Remus die rettende Idee hatte.
>>Ich hab´s!<< Jubelte die böse Stimme. >>Schlag mich hart und nenn mich Sally, ich hab´s!<<
>>Was hast du zu bieten Sally? Sally, hast du was zu bieten?<<
>>Wir bringen Quentin diesen Irren.<< Remus wartete auf Applaus. >>Dann KANN er gar nicht wütend auf uns sein.<<
>>Welchen Irren?<< Fragte Sean verwirrt.
>>Diesen Söldner! Bin ich denn nurnoch von schwachsinnigen umgeben?<<
>>Wer im Glashaus sitzt...<<
>>Sollte sich im Dunkeln umziehen, ja ja ja ich weiss Romulus.<<
Sean wog Remus´Argument ab. Francis war niemand bei dem eine gute Tat eine Schlechte ausglich. Obwohl die Strafe um einiges leichter ausfallen würde, wenn er dem Doktor den Söldner präsentierte.
>>Ganz ehrlich. Wie schlimm kann es denn noch kommen? Wir stecken schon bis zum Hals in der Gülle, jetzt müssen wir entweder anfangen zu schwimmen oder wir saufen ab.<<
>>Die Idee an sich ist ja nicht schlecht. Schlecht ist die Idee an sich nicht.<<
>>Die Frage ist nur, und da liegt der Hund begraben, wie machen wir uns diesen Raufbold geständig? Ich glaube nicht das wir ihn in einer Bar aufreissen können.<<
>>Unwahrscheinlich Remus. Romulus? Fällt dir vielleicht etwas ein?<<
>>Leider nichts genaues. Nichts genaues leider. Aber was immer es ist, wir werden es nicht in einer Tankstellentoiletten finden. Wir werden es nicht auf einer Tankstellentoilette finden, was immer es auch ist.<<
>>Romulus hat Recht, machen wir Jagd auf dieses Schweinchen.<<

45: Such dir ´ne Nutte

>>Such dir ´ne Nutte.<< Hawk trank sein Bier aus und warf die Flasche so fest es konnte in die Nacht. Irgendwo in einer Gasse, zwischen streunden Katzen und überfüllter Müllcontainern, zerplatzte sie auf nassem Asphalt. Hawk hatte nicht viele komische Angewohnheiten, einmal von seinem übermenschlichen Kaffeekonsum und seiner stoischen Gelassenheit abgesehen war das Wegschleudern seiner leeren Bierflaschen die einzige Angewohnheit die irgendwie auffiel. Ich war 19 und der dritte Mann in einem Scharfschützenteam das aus Hawk, dem Schützen, Bacon dem Aufklärer und mir, dem Nahverteidiger bestand. Wir waren ein Urban Sniping Squad, eine Scharfschützengruppe für Aktionen in stark bebautem Gebiet. Unser Codename war Sewer Rat, weil wir unsere Positionen zum größten Teil durch Abwasserkanäle erreichten die bis zum bersten mit dem gefüllt waren womit Abwasserkanäle nunmal gefüllt sind. Wer auch immer gesagt hat es gäbe keine undankbaren Aufgaben war noch nie bei starkem Regen in einem Abwasserkanal. Bacon war jemand der viel und vor allem lange schlief weswegen er uns auf dem Dach des leerstehenden Hotels keine Gesellschaft leistete um mit uns Hawks 200ten Abschuss zu feiern.
Ich weiss nicht mehr wie wir auf das Thema gekommen sind, jedenfalls hatte ich ganz nebenbei erwähnt das ich noch Jungfrau war. Oder Jungmann. Oder wie man diesen Zustand, auch nennt. Ich persönlich hatte kein Problem damit, deshalb verstand ich auch nicht warum alle anderen redeten als wäre es eine Krankheit.
>>Bei ´ner Nutte gibt es keine Probleme.<< Hawk fischte eine weitere Flasche Beck´s aus dem Kasten. Ich zuckte mit den Schultern und spuckte vom Dach.
>>Wo kriegen wir jetzt ´ne Nutte her?<< Fragte ich Hawk der immernoch in die leeren Straßen Kabuls sah.
>>Heute nicht. Vielleicht morgen oder im Laufe der Woche. Brauchst dich um nichts zu kümmern, ich erledige das für dich.<< Hawk machte die Sachen richtig die Otis immer versaut hatte, er war ein guter Soldat UND ein guter Freund. Einen Moment lang fragte ich mich aus welchem Hut Hawk hier, mitten in Afghanistan, eine Hure zaubern wollte. Hawk war ein cleverer Bursche aber Wundern konnte selbst er nicht.
>>Aber erwarte nicht diesen Hardcorescheiß den du aus den Pornos kennst. Ich kenne zahllose Frauen und keine Einzige von ihnen nimmt einen Schwanz in den Mund der gerade noch in ihrem Arsch steckte. Außerdem spendier ich dir ´ne Flasche Jack Daniel´s wenn es länger dauert als fünf Minuten.<<
>>So kurz?<< Fragte ich Hawk.
>>Vielleicht sogar noch kürzer, vielleicht kriegst du ihn auch gar nicht erst hoch.<<
>>Du verarschst mich.<<
>>Nein Mann. Hast du >Der Soldat James Ryan< gesehen? Den Kriegsfilm?<<
>>Ja, hab ich gesehen.<<
>>Dein Schwanz ist wie einer der Soldaten in den Landungsboten.<< Hawk streckte sich müde, er rieb sich den Schlaf aus den Augen, stellte sich auf die Brüstung und pinkelte, gelassen als wäre es vollkommen normal, 42 Stockwerke tief. >>Sie wurden geboren, sind aufgewachsen, waren auf der Schule, wurden in die Armee eingezogen, wurden trainiert und ausgebildet, schippern zu Tausenden über den gesamten Atlantik um Europa zu befreien, steigen voller Tatendrang und Hoffnungen in das Landungsbot und werden, kaum das die Rampe herunter gelassen wird, niedergemäht. Das ganze Training und all die Vorbereitung waren am Ende ... und dann haben sie nicht einmal am Gefecht teilgenommen.<< Er zeigte mit seinen Fingern auf mich, so als würde er eine Pistole halten, und machte ein ratterndes Geräusch.
>>Das erfüllt mich nicht gerade mit Zuversicht.<< Gestand ich und leerte mein Bier.
>>Deswegen ist eine Nutte für den ersten Versuch auch am besten geeignet. Egal wie schlecht du bist, du brauchst sie hinterher nie wieder zu sehen.<<
In meinen Augen machte das Sinn.
>>Gerry, ich will dir jetzt nicht den Mut nehmen. Aber ich will dich auch nicht in offene Messer laufen lassen. Wenn du willst versuch ich was für dich zu organisieren. Wenn nicht, dann lass ich es sein und dieses Gespräch hat nie stattgefunden.<<
Das Komische an der Sache war, dass ich wirklich Bedenken hatte. Ich hatte bis dahin 211 Menschen getötet, das größte dem Menschen bekannte Tabu gebrochen, ohne das ich mir noch große Gedanken darum machte. Durchladen, zielen, abdrücken. Ganz einfach.
Aber als es darum ging zu tun was Menschen seit Anbeginn ihrer Entstehung tun um das Fortbestehen ihrer Art zu erhalten, bekam ich kalte Füße. Seltsam wie das Leben so spielen kann.
Ich trank meine Flasche aus und nickte.
Hawks Flasche platzte auf der Straße unter uns.


Während meiner Zeit in der Army bin ich so ziemlich alles gefahren was einen Motor hat, vom Moped bis hin zum 65-Tonnen-Kampfpanzer. Am meisten Spaß machte das Fahren mit M809 Trucks, was zum Großteil an der eingebauten Klimaanlage und dem CD-Radio lag. An diesem Tag übernahm ich die Tour für einen ausgefallenen Fahrer und lieferte eine Ladung Munition nach Masar-I-Sharif. Sechs Stunden hin, vier Stunden Pause, sechs Stunden zurück, quer durch einen der gefährlichsten Landstriche der Welt. Kein Beschuss. Keine Sprengfalle. Nicht einmal ein lumpiger Stein der vom Straßenrand auf mich geworfen wurde. Fast schon langweilig.
Wiederzurück im Camp parkte ich den Laster im Fuhrpark, ging zum Essen und gönnte mir eine lange, heiße Dusche. Den Rest des Abends wollte ich allein in meinem Wohncontainer verbringen, mit einem SixPack Fosters, einer MaxiBox Marlboro und dem neuesten Auswurf der HBO-Hollywood-Realität im kleinen Fernseher über der Tür für den ich ungelogen 15 verschiedene Formulare unterschreiben musste. Con Air und Face/off hatte ich bereits geschafft und gerade als Nicolas Cage als Yuri Orlov seine erste Uzi-Maschinenpistole in Lord Of War verkaufte klopfte es an meiner Tür.
>>Ist offen!<< Rief ich da ich Hawk oder Bacon erwartete.
Sie war irgendwas zwischen 26 und 29, keine Traumfrau aber auch nicht unansehnlich, vielleicht 1,75 groß und 60 oder 65 Kilo schwer, sie hätte noch ein paar Punkte herausschlagen können hätte sie eine andere Frisur gehabt als diesen nichtssagenden 08/15-Militärhaarschnitt, Ohren und Nacken frei damit der Helm auch richtig passt. Am wunderlichsten war allerdings das sie in einer britischen Uniform steckte.
>>Hi.<< Sagte sie und ließ sich selbst hinein. >>Ich bin Paula.<< Anscheinend erwartete sie eine Reaktion. Als von meiner Seite aus nur ein fragender Blick kam schob sie nach >>Hawk sagt du wärst gestresst und bräuchtest eine Massage.<<
Ääääääääh... was?
>>Komm.<< Sagte Sie. >>Setz dich aufs Bett.<<
Tja, Scheiße. Wenn du an einen Unfallort kommst und der Rettungssanitäter dir sagt du sollst den Infusionsbeutel halten dann widersprichst du nicht. Also setzte ich mich auf mein Bett und Paula begann meine Schultern zu massieren. Und das tat sie auch wirklich gut. Nach ein paar Minuten lag ich auf meinem dienstlich gelieferten United States Army- Standartbett und sah Paula dabei zu wie sie sich nach und nach aus ihrer Uniform schälte. Bluse, Stiefel, T-Shirt, BH, Hose, Slip und Socken. Da stand eine nackte Frau vor mir und was passierte (ich richte jeden eigenhändig mit einem Kopfschuss hin der jetzt lacht)? Mein Penis streikte. Schlaff wie eine gekochte Spaghetti. Ladehemmung. Systemfehler. Kolbenfresser. BlueScreen.
Paula kroch zu mir aufs Bett, öffnete meine Gürtelschnalle, zog den Reißverschluss meiner Hose hinunter und griff in meine Unterhose. Sie massierte meinen Schwanz bis er eine ausreichende Härte hatte und setzte sich auf mich. Sie war warm und weich, aber trocken wie ein Sandkasten im Hochsommer. Sie ritt mich unter übertriebenem Stöhnen und Hecheln. Ich bezweifle das sie jeh einen Oscar für ihre Darbietungen bekommen hat. Je länger es dauerte, desto feuchter wurde sie und desto leichter ging die Sache von statten. Nach ein paar Minuten zum warm werden wechselten wir in die Missionarsstellung. Die ganze Zeit fragte ich mich >>Und das ist es? Darum machen alle so einen Aufriss?<< Ich war irgendwie enttäuscht. Möglicherweise hatte ich zuviel erwartet oder ich war durch den Dauerkonsum von Hardcorepornos zu abgestumpft um die Wahrheit zu erkennen. Als Paula wieder ging fühlte ich mich... kein Stück anders als zuvor. Kein.... verschissenes .... bisschen... anders. Im Nachhinein betrachtet hatte ich vielleicht die falsche Partnerin oder die falschen Gründe oder vielleicht war ich im Töten einfach besser als im Ficken, aber mein erster Sex war alles andere als der krönende Abschluss der Mannwerdung den uns die Medien versprechen. Nicht das ich es bereue, ich hatte nur eben etwas anderes erwartet.

44: Das seelenlose Biest

>>Ist allerdings nicht kugelsicher.<<
Nadines Worte und die Erinnerung daran wie sich das Höschen ausgezogen hatte, hatte Gerry lang genug wachgehalten bis es zu spät war um noch echten Schlaf zu finden. Nachdem er zwei Stunden unruhig in seinem Hotelbett vor im Halbschlaf vor sich hingedämmert hatte riss der Radiowecker Konnerly endgültig aus der Nachtruhe. Nachdem er geduscht und sich einen frischen Satz Sachen angezogen hatte war er ohne Ziel durch den leere,, kalten Morgen in Saint Judas gestreift. Allein auf menschenleeren Straßen durch die Dunkelheit zu laufen hatte ihn nur kurz abgelenkt bis der Hunger die Oberhand gewann und Gerry in ein unscheinbares Diner im Stadtpark einkehren ließ. Müde und immer noch angetrunken trank er seine dritte Tasse wässrigen Kaffees und las die Speisekarte um fünften mal. Obwohl er hungrig war hatte Konnerly keine Lust zu essen, aber vor ihm lag ein langer Tag und wenn er schon auf Serienkillerjagd gehen sollte, dann wollte er zumindest etwas anderes im Magen haben als Tullamond Dew.
>>Sie sehen furchtbar aus.<< Quentin schien wie aus dem Nichts auf dem Stuhl neben Gerry aufgetaucht zu sein.
>>Sie sind auch nicht gerade Miss September.<< Gähnte Konnerly und sah auf den Boden seines Kaffeebechers. >>Verfolgen Sie mich?<<
>>Logisches Denken.<< Francis hob seine Hand um die Kellnerin heranzuwinken. >>Sie waren heute Morgen nicht im Hotel, ich habe angerufen, das Hotelrestaurant öffnet erst um sieben und die einzige Möglichkeit davor etwas zu essen zu bekommen ist die Exxon-Tankstelle hinter der Stadtgrenze oder dieses Diner.<<
Gerry warf einen Blick auf seine Uhr. Zehn nach sechs, Zeit den Tag zu beginnen.
>>Ich gehe mal davon aus das Sie nicht nur hier sind um mit mir zu frühstücken.<< Gerry klopfte eine Zigarette aus der Packung.
>>Oh, ich würde schon gern mit Ihnen frühstücken.<< Francis griff nach der zweiten Speisekarte im kleinen Metallstände in der Tischmitte. >>Vielleicht lernen wir uns dabei etwas besser kennen. Möglichweise werden wir ja Freunde.<<
Gerry ließ sein Feuerzeug aufschnappen, das Zischen der Zigarettenspitze in der Flamme klang wohlig vertraut. Er nahm einen tiefen Lungen und stieß den Rauch durch die Nasenlöcher.
>>Hören Sie Mainard.<< Streckte sich, unter seiner Schulter blitzte der schwarze Griff der Beretta unter seiner linken Schulter. >>Ich bin keiner Ihrer Darsteller. Ich bin nicht Ihr Partner und am allerwenigsten bin ich Ihr Freund. Sie bezahlen mich dafür etwas zu tun und ich tue es. Wenn der Job erledigt ist bin ich weg, und falls Sie sich nochmal an mich wenden dann haben Sie entweder einen Auftrag für mich oder ein Gratisabo auf Lebenszeit.<<
Der Doktor war erstaunt darüber wie der kleine Söldner mit seinem Auftraggeber redete. Entweder war nicht ansatzweise so gut wie er es von sich behauptete, oder noch besser.
>>Sie sind sehr direkt Mister Konnerly.<< Bemerkte Francis und legte die Speisekarte vor sich auf den Tisch. >>Leider sind Sie wenig diplomatisch.<<
>>Wenn Sie jemanden wollen der diplomatisch ist, holen Sie sich einen Diplomaten.<< Gerry kratzte seinen Nacken. >>Wenn Sie jemanden wollen der die Sache zuende bringt bin ich der richtige Mann für den Job.<<
>>Obwohl Sie noch recht jung sind.<< Warf Quentin ein.
>>Entscheidend ist die Erfahrung, nicht das Alter.<<
>>Kommt Erfahrung nicht mit dem Alter?<<
>>Nicht zwangsläufig. Erfahrung bekommt man dadurch das man etwas tut, die richtigen Schlüsse zieht und beim nächsten mal Fehler vermeidet.<<
>>Denken Sie sie haben genug Erfahrung um sich dieser Aufgabe zu stellen? Immerhin ist derjenige der die Bilder geschossen hat ein finsterer Geselle.<<
Gerry schnippte seine Zigarettenasche in den Aschenbecher neben dem Salzstreuer. >>Finster?<< Fragte er müde. >>Dieser Kerl ist ein durchgedrehter Irrer mit medizinischen Kenntnissen und einem Satz veralteter Stahlklingen die er entweder aus einem Krankenhaus geklaut oder für 6 Dollar auf dem Flohmarkt gekauft hat. Finster. Arschgeleckt. Ich habe in Brazilien einem schwangeren Teenager mit einem Teppichmesser den Kopf abgeschnitten weil man 15 Dollar darauf gewettet hat das ich es nicht tun würde.<< Konnerly zog an seiner Zigarette. >>Sie sprechen also nicht mit Mutter Theresa. Ich bringe Ihnen diesen Kerl. Was Sie dann mit ihm machen ist nicht mein Problem. Hacken Sie ihn in Stücke oder ficken Sie ihn in den Arsch. Ist mir vollkommen egal.<<
Francis Schläfen pochten, er spürte kalten Schweiß seinen Rücken hinunterlaufen. Er dankte der Fügung des Schicksals dafür das dieser Unmensch seinen Weg gekreuzt hatte. Gottes Wege sind sonderbar. Denn jetzt erkannte der Doktor das es nicht nur ein Gefallen für die Menschheit wäre diesen Barbaren in ein Kunstwerk zu verwandeln. Gefallen kann man jemandem tun, oder auch nicht. Nein. Es war eine Notwendigkeit. Strafe und Lohn zugleich. Die Wiedergutmachung für all die Gräultaten dieses Monsters namens Gerry Konnerly. Ein schwangeres Mädchen, ein voller Lebensfreude, mit Plänen und einem Namen für das ungeborene Kind. Sie schreit und schlägt panisch um sich. Tränen laufen über ihr vor Todesangst und Schmerz verzerrtes Gesicht während der Dämon die Klinge durch ihren Hals marodiert. Francis fragte sich was für ein Mensch zu soetwas fähig wäre. Nein. Ein Mensch könnte soetwas nicht über sich bringen. Konnerly war ein Ungeheuer das aufgehalten werden musste. Und Doktor Quentin Francis würde die ehrenvolle Aufgabe übernehmen und den Drachen, das seelenlose Biest, mit Freuden erschlagen.

43: Winters grobe Hand

>>Dass Winters grobe Hand dir nicht entstelle den Sommer, eh du ihn noch destiliert.
Mach ein Gefäß voll, such dir eine Stelle als Schatzraum, wo sich Schönheit nicht verliert.

Ein Einsatz, den man nicht für Wucher hält, lasst die, die Zinsen geben glücklich strahlen, sie brächten gern ein zweites Disch zur Welt und würden zehn Mal zehn für eins dir zahlen.

Viel glücklicher als du wärst Du-mal-Zehn.
Dein zweites Ich, wär´s zehn von diesen Zehn.
Was kann der Tod dann tun? Musst du auch gehn, du bleibst noch zehnfach auf der Welt bestehn.

Sei nicht so eigensüchtig, lass beim Sterben.
Nicht nur die Würmer deine Schönheit erben.<<

Stille herrschte im, von flackerndem Kaminfeuer erfüllten, Salon. Bedächtiges Schweigen. Anerkennendes Nicken.
Nadine strich ihr schwarzes Kleid zurecht und setzte sich. Sie führte ihr Glas an die Lippen um ihre trockene Kehle an zu feuchten. Auf Roberts Gesicht war keine Regung zu erkennen. Nadine fragte sich ob sie einen Fehler gemacht hatte. Nein. Ausgeschlossen. Sie waren das Sonett so oft durchgegangen. Endlose male hatte er Nadine rezitieren lassen, sie manchmal mitten in der Nacht geweckt und abgefragt bs jede Silbe, jedes Komma, jede Pause und die Betonung tief in ihrem Gedächtniss festsaßen. Trotzdem sah Robert nicht zufrieden aus.
>>Nun Professor Levingston,<< Professor Michaels, ein arroganter, vom Leben gelangweilter Lehrer für Architektur und Wirtschaft nippte an seinem Glas Bunnahabain. >>ich bin positiv überrascht. Sie bereichern unseren kleinen Treffen immer wieder. Sagen Sie, sind alle jungen Damen aus Boise so gebildet?<<
>>Leider hatte ich während meiner Zeit als Professor nur sehr wenige Studenten die sich auch nur ansatztweise so für Lyrik engagieren wie meine Begleitung, und nicht eine Einzige die dem Auge so schmeichelt.<<
>>Haben Sie den Keim für das Interesse dieser bezaubernden Dame gesäht Professor Levingston?<< Fragte Professor Ranchet, ein näselnder dürrer Brite mit nospheratischen Gesichtszügen.
>>Professor Ranchet, ich kann behaupten einigen Samen in dieser jungen Dame gesäht zu haben. Leider wäscht sie ihn immer wieder aus sich heraus.<<
Die Männer lachten vornehm, die Frauen sahen verschämt auf den reich gedeckten Tisch.
Nadine streckte ihren schmerzenden Rücken. Die Stühle mochten antik sein, bequem waren sie deswegen nicht. Es war ungewohnt ein Kleid zu tragen, selbst wenn es aus schwarzem Satin war und sich ihrem Körper wie eine zweite Haut anpasste. Egal wie teuer es war, es fühlte sich an als stecke sie in einer Zwangsjacke.
>>Habe ich etwas falsch gemacht?<< Flüsterte sie. Robert warf ihr einen kalten Blick zu.
>>Darüber unterhalten wir uns später.<< Flüsterte er. >> Mach dich schonmal auf was gefasst.<<
>>Miss Braeburn.<< Wandte sich Misses Michaels and Nadine. >>Darf ich fragen was Sie beruflich machen?<<
>>Nun,<< Nadine tupfte sich den Mund mit der Serviette neben ihrem Teller ab. >>Ich bin<<
>>Die beste Studentin die die Boise Marriot Universität jeh gesehen hat.<< Schnitt ihr Robert das Wort ab.
Nadine sah Robert an. Sein gebieterischer Gesichtsausdruck ließ ihr einen kalten Schauer über den nicht verhüllten Rücken laufen. Sie schwieg und ließ die sechs Gänge des ausgedehnten Essens über sich ergehen. Männer die über Geschichten lachten bei denen Nadine die Pointe nicht verstand. Frauen die sich darüber unterhielten wie toll es doch ist einen Mann mit gehobenem Einkommen zu haben. Gespräche über Wertpapiere und festverzinsliche Einlagen. Nichts von Interesse.

Als das Essen für beendet erklärt wurde schlich Nadine, wie auf den Planken eines in Seenot geratenen Schiffes, die Treppen zu ihrem Zimmer hinauf. Ihr Herz setzte kurz aus als sie Robert nackt mit dem Rücken zu Tür stehen sah. In der einen Hand ein Glas Scoth, in der Anderen seinen zur Schlaufe gebunden Ledergürtel. Der Henker stand bereit und jetzt wares an ihr den Kopf auf den Richtklotz zu legen. Nadine hatte Robert verärgert. Und wenn er verärgert war, wurde er grausam.
Im Mondlicht besah sie den Körper des Professors und stellte fest das es keinen Quadratzentimer seiner Haut gab den ihre Finger noch nicht gefühlt und den ihre Zunge noch nicht geschmeckt hatte.
>>Schließ die Tür.<< Sagte er kalt ohne sie an zu sehen.
Widerspruch war zwecklos. So oder so würde sie ihre Strafe für etwas bekommen, von dem sie nicht einmal wusste was es war. So etwa muss sich eine Hexe vor dem Tribunal gefühlt haben.
Die Tür fiel ins Schloss und der Schlüssel wurde gedreht. Robert nahm einen Schluck aus dem Glas.
>>Was ist denn los? Was habe ich<<
>>Zieh das Kleid aus.<< Wieder sah er sie nicht an.
>>Wie bitte?<< Wagte sie sich zu fragen.
>>Zieh das Kleid aus.<< Er trank das Glas leer und stellte es auf den Nachttisch.. >>Bauerntrampel tragen keine Kleider.<<
Nadine schob die Träger ihres Kleides von den Schultern, lautlos glitt es zu boden.
>>Auf die Knie.<< Befahl Robert. >>Wie es sich für einen Bauerntrampel gehört.<<
Nadine kniete nieder. Was auch immer Robert vorhatte, er würde sie nicht ins Gesicht schlagen. Nicht dort wo man es sehen konnte.
Er drehte sich um, durchquerte das Zimmer und legte ihr seinen Gürtel um den Hals. Für einen Moment hatte sie das Gefühl zu ersticken. Was das der Plan?
Eine harte Erektion baute sich zwischen Roberts Beinen auf. Der Gürtel um Nadines Hals schnürte ihr auch noch das letzte Bisschen Luft, verzweifelt versucht sie zu atmen.
Gerade als Nadine das Gefühl hatte ohnmächtig zu werden löste Robert den Gürtel. Nadine riss den Mund auf um ihre Lungen zu füllen. Zwei Atemzüge gelangen ihr, dann stieß Robert seinen Penis in ihren Mund und zog den Gürtel wieder zu.
>>Zitiere.<< Befahl er.
Nadine verstand nicht. Mit fragendem Blick sah sie zu ihm hinauf. Robert zog den Gürtel enger.
>>Zitiere!<< Befahl er. >>Oder ich erwürge dich hier und jetzt...<<
Sie hatte die Wahl.

>>Dass Winters grobe Hand dir nicht entstelle den Sommer, eh du ihn destiliert...<<

42: Der schlimmste Abend meines Lebens

Weil ich ein schlechter Mensch bin und für meine Taten garantiert in die Hölle komme gibt das Karma, Gott, Jesus, die Trunksucht oder alle zusammen mir von Zeit zu Zeit einen Vorgeschmack wie es wohl als Hofnarr in der ewigen Verdammnis sein wird.
Vielleicht wirst du dich an manchen Stellen dieses Kapitels fragen ob ich mir das alles nur ausgedacht habe. Das habe ich NICHT, ich schwöre das alles wirklich so passiert ist. Hier also der wohl schlimmste Abend meines bisherigen Lebens. Ungeschönt und ungeschnitten.

Ich sollte mich in Hamburg mit einem Informanten treffen der, wie es nunmal die Aufgabe eines Informanten war, Informationen für mich hatte. Termin und Treffpunkt wurden abgemacht und ich setzte mich in ein Zivilflugzeug das mich nach Berlin brachte, von dort aus fuhr ich mit der Bahn nach Hamburg. Flug und Zugreise waren unspektakulär, langweilig und ohne erwähnenswerte Höhepunkte. Lustig wurde es erst als ich am hamburger Hauptbahnhof ausstieg.
Der hamburger Hauptbahnhof ist recht modern und relativ Übersichtlich. Allerdings auch chronisch mit Leuten überfüllt für die mir im Gefecht die Patrone zu schade wäre. Menschen aus aller Herren Länder drängen sich auf den Bahnsteigen und durch die Hallen. Kaum hatte ich einen Fuß aus dem Zug gesetzt bereute ich bereits meine Dienstwaffe nicht mitgenommen zu haben. Im Nachhinein betrachtet war das eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Ich verließ die Halle und suchte mir ein Taxi. Das Unheil nahm seinen Anfang. Deutschland ist ein sehr tolerantes Land, besonders wenn es um das Vergeben von Taxilizenzen geht. Mein Fahrer war ein kahler, älterer Iraker mit unaussprechlichem Namen, weshalb ich ihn einfach Saddam nenne.
Ich packte meine Reisetasche in Saddams Taxi und setzte mich auf den Beifahrersitz.
Saddam: Wohin du wolle?
Ich: Brennerstraße.
Saddam sah mich an als hätte ich gerade seiner Hausziege einen geblasen.
Saddam: Wohin?
Ich: Brennerstraße.
Saddam: Bremer Straße?
Ich (leicht genervt): BRENNERSTRASSE!
Saddam sah mich immernoch mit dem Ziegenfelatiogesichtsausdruck an. Er verstand kein verdammtes Wort. Weder auf englisch, noch auf deutsch.
Saddam: Wie? Bre...
Ich (noch genervter): BRENNERSTRASSE! B-R-E-N-N-E-R-S-T-R-A-S-S-E!
Saddam: Wieviele N?
Ich (noch etwas genervter): Du willst mich doch verarschen oder?
Saddam: Nix verarsche. Wie heisst Straße?
Das musste ein Witz sein. Ich hatte ihm die verschissene Straße BUCHSTABIERT, was hätte ich sonst tun sollen? Ihm das Wort als Ausdruckstanz verständlich machen? Ich gab ihm den Zettel auf dem der Straßenname stand. Saddam betrachtete das Papier wie ein Analphabet die Gebrauchsanweisung für ein Nuklear-U-boot. Nach einer Minute holte er einen Stadtplan aus der Seitentasche seines Taxis und breitete ihn groß und breit aus. Das durfte nicht wahr sein.
Saddam studierte die Karte zehn Minuten lang... so gut er konnte. Ich sehte mich nach meiner Knarre.
Endlich kam mein neuer irakischer Freund in die Hufe, stellte das Taxameter an und fuhr los. Aus dem Radio plärrten in voller Lautstärke die Greatest Hits der Al Quaida Medienkommission. Es klang als würde man ein Schwein mit einer Gitarrenseite erdrosseln. Kein Witz.
Nach etwas mehr als 25 Minuten waren wir endlich in der Brennerstraße. Erfolg! Saddam setzte mich vor einer unscheinbaren Pension ab, kassierte sein Fahrgeld und wollte gerade auf das Gas treten. Ich knallte meine Faust gegen seine Heckscheibe. Um ehrlich zu sein wollte ich das Ding zerstrümmern.
Saddam zuckte zusammen. Ich riss die Hintertür auf, packte meine Tasche und knallte die Tür zu das das gesamte Taxi wackelte. Er tippte sich an den Kopf und ich zeigte ihm den Mittelfinger.

Im Hotel angekommen klingelte ich das kleine Glöckchen auf dem Rezeptionstresen und ein Araber in billigem Anzug tauchte auf. Ich war gerade einmal 45 Minuten in Deutschland und hatte sogut wie keinen Deutschen gesehen. Zumindest sprach dieser Araber englisch.
Araber: Guten Tag, Sie wünschen?
Ich: Ich habe ein Zimmer für eine Nacht reserviert. Der Name ist Konnerly.
Der Araber suchte in einem Stapel Papiere und schüttelte den Kopf.
Araber: Mir liegt keine Reservierung vor.
An dieser Stelle war mir bereits klar das irgend ein kosmischer Scherz ablief.
Ich: Sehen Sie nochmal nach. Ich habe ein Einbettzimmer für eine Nacht reserviert.
Der Araber sah nocheinmal nach und zog einen Zettel heraus.
Araber: Sie haben zwar reserviert, aber wir haben das Zimmer bereits an jemand anderes übergeben.
Ich: Und wozu sollte ich dann diese Scheißreservierung machen?
Araber: Sie waren nicht rechtzeitig hier. Wenn Sie sich verspäten ohne sich zu melden können wir Zimmer an andere Gäste abgeben. Pech gehabt.
Ich spielte mit dem Gedanken diesem Penner seinen Schädel mit dem Glöckchen auf dem Tresen ein zu schlagen.
Araber: Aber wir können Ihnen ein anderes Zimmer anbieten... für den doppelten Preis.
Ich: Sagen Sie mal, sind wir hier auf dem Bazar von Bagdad? Wenn das so ist gebe ich ihnen zehn Kamele und einen funkelnagelneuen Toaster für das Zimmer.
Araber: Machen Sie sich über meine Herkunft lustig?
Ich (mit 240 Ruhepuls): Mir ist scheissegal wo Sie herkommen! Geben Sie mir das verdammte Zimmer.
Der Araber gab mir einen Zimmerschlüssel und ließ mich ein Anmeldeformular ausfüllen. Ich hätte mich auch gleich nackt auf einen Kopierer der Sunitischen Volksfront legen können gegen die gerade amerikanische Militäraktionen liefen. Ich log das sich die Balken bogen. Drauf geschissen, soll Abdul mir erstmal beweisen das ich nicht Geroge Lincoln aus Bumfuck Alabama bin.
Mein Zimmer befand sich im dritten Stock der Pension. Ein großes Bett, ein kleines Badezimmer, Fernseher und Telefon. Sah aus wie jedes andere Hotelzimmer das ich je gesehen habe.
Um mich zu beruhigen kippte ich eines der Biere die ich im Bahnhof gekauft hatte. Um Zeit zu sparen tat ich das unter der Dusche.
Nachdem ich mich umgezogen und ein weiteres Bier gekippt hatte fasste ich den Endschluss mir die Stadt an zu shene. Wann kommt man als Amerikaner schonmal nach Hamburg? Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch die naive Hoffnung das der Tag nicht schlimmer werden konnte. Ich lag falsch. So unglaublich, absolut, unwahrscheinlich falsch.
Entweder hat die Natur sich mit mir einen Scherz erlaubt oder meine Mutter hat in der Schwangerschaft Klebstoff geschnüffelt, jedenfalls ist mein Orientierungssin sehr sehr sehr schlecht. Wenn ich irgendwo fremd bin brauche ich immer mindestens einen Monat und vier Stadtpläne um mich zurecht zu finden. Ich war gerade einmal seint eineinhalb Stunden in Hamburg und hatte keine Karte.
Ich ging aus meinem Hotel und irrte ziellos durch das Viertel. Nach zehn Minuten hatte ich mich verlaufen wie Hänsel und Gretel im Wald. Ich wäre nicht ich wenn ich logisch gehandelt hätte, mich in ein Taxi setzen und zurück in die Pension fahren. Bullshit! Ich bin Gerry Konnerly und habe einen Ruf zu verlieren!
Ich marschierte in eine Eckkneipe die Murphys Pub hieß, setzte mich an die Bar und bestellte ein großes Bier das mir tatsächlich von einem Chinesen serviert wurde. Ein Amerikaner geht in einer irischen Kneipe in Deutschland etwas trinken und bekommt es von einem Chinesen serviert. So könnte ein guter Witz anfangen.
Der Kerl der neben mir saß war ein Kerl um die 50 der als Ingeneur in London gearbeitet hatte und deswegen recht gut englisch sprach. Wir kamen ins Gespräch. Er war echt okay und gab mir ein paar Runden Doppelkorn aus. So vesumpfte ich drei Stunden in der Kneipe. Als ich die Bar wieder verließ war es dunkel und ich bereits recht fürstlich abgefüllt. Es war an der Zeit zurück in die Pension zu gehen. Und genau das hätte ich tun sollen. Von jugendlichem Leichtsinn gepackt entschloss ich mich in eine andere Bar zu gehen und zu tun was ich am besten konnte. Gesagt getan, Ziel erkannt, klar zum Gefecht, Attacke.
Ich torkelte also in die nächste Bar, setzte mich an die Theke und bestellte ein Bier. Der Barkeeper war ein Schrank mit blondierten Haarspitzen und einem grässlichen roten Hawaiihemd auf dem (ich schwöre) weiße Palmen und Flamingos augderuckt waren.
Ich trank mein Bier und lauschte dieser komischen Schlagermusik in der ein alterndes Abrissgrundstück von Frau darüber jammert das ihr Kerl sie nicht mehr besteigt.
Der Barkeeper stellte ein kleines Glas vor mich und kippte es mit Wodka voll.
Ich: Wie komme ich denn zu der Ehre?
Barkeeper (zeigt auf den Nachbartisch): Der ist von dem Gentleman dort drüben.
Ich drehte meinen Kopf in die richtung in die der Barkeeper zeigte. Ob du es glaubst oder nicht, am Tisch saß ein gestylter Mittzwanziger in einem Anzug und zwinkerte mir zu. Ich dankte ihm für den Drink, kippte den Wodka und stellte das Glas ab. Ich sah nach rechts. Da saß ein Kerl der mich anschwulte... Hamburg ist eine große Stadt, das kann passieren. Ich sah nach links, zwei Männer küssten sich... eine große Stadt... das kann passieren. Ich sah hinter mich auf den Fernseher. Ein Kerl in Matrosenanzug hatte den Schwanz eines anderen Kerls bis zu den Eiern im Mund. Irgendwas lief apokalyptisch falsch.
Ich pfeifte den Barkeeper in seinem scheußlichen Hemd heran.
Ich: Sag mal... was ist das hier für eine Kneipe.
Barkeeper: Eine Gay-Bar. Hast du das nicht gewusst?
Zehen Sekunden lang herrschte eisiges Schweigen.
Ich: Darf ich mal telefonieren?
Der Barkeeper schob mir das Telefon. Um ehrlich zu sein weiss ich nicht warum, wohl weil ich die ganze Situation so unreal fand das ich jemanden daran teilhaben lassen musste aber ich rief meinen Armykumpel Hawk an. Scheiss auf die Zeitverschiebung. Gerry Konnerly sitzt in einer Schwulenbar, das musste die Welt erfahren. Alkohol und tragikomische Ereignisse sind eine unheilige Allianz.
Es klingelte geschlagene zweiunddreißig mal bis Hawk endlich ans Telefon ging.
Ich: Hawk das glaubst du mir nie. Ich sitze sternhagelvoll in einer Gay-Kneipe in Deutschland.
Fünf Sekunden Schweigen vergingen. Zehen. Fünfzehn. Zwanzig. Dann polterte etwas am anderen Ende der Leitung. Hawk war vor Lachen aus dem Bett gefallen.
Hawk: Du sitzt WO?!
Ich (ernst als hinge mein Leben davon ab... oder zumindest meine Arschjungfräulichkeit): In einer Gay-Kneipe in Hamburg. Ich bin voll wie eine Wanne und weiss echt nicht wie ich heil aus dieser Sache rauskomme.
Hawk lachte Tränen. Schön wenn man sich auf seine Kameraden verlassen kann oder? Sein einziger Tipp bestand in den Worten: Egal was passiert, lass nichts fallen.
Herzlichen Dank du Arschloch. Ich hoffe du bekommst Muskelschwund!
Ich rettete die Situation dadurch das ich mein Bier austrank, mich höflich bedankte und machte das ich aus dieser Kneipe verschwinde. Tucker Max mag zwar der unangefochtene König der skurilen Erlebnisse sein, doch in dieser Nacht rüttelte ich gehörig an seinem Thron.
Ich war sturzbesoffen und gerade nochmal mit heilem Anus davongekommen, sah doppelt, wusste absolut nicht wo ich war und sollte mich am nächten Morgen mit einem Informaten treffen. Für jeden Anderen wäre hier der Punkt erreicht gewesen sich geschlagen zu geben. Doch nicht für Gerry Konnerly. Nein! Wo andere denken nicht tiefer sinken zu können greife ich nach der Schaufel.
Irgendwie schaffte ich es auf den Fußweg einer größeren Straße. Und in die nächste Kneipe. Ja, du liest richtig.
Die Barkeeperin war eine freundliche Frau um die 30... vielleicht 35 aus dem dem ehemaligen Jugoslavien. Ihr Name war... egal. Ich setzte mich zum dritten mal an diesem Abend an einen Tresen und bestellte Bier. Während ich diese Zeilen schreibe stelle ich mir die Frage ob ich ein Alkoholproblem habe. Sie war nett und nicht unansehnlich. Leider saß ihr ein eiskalter Kerl im Nacken unter dessen T-Shirt sich eine tschechische Pistole Model CZ83 abzeichnete. Ich vermisste meine Schrotflinte schmerzlich.
Nachdem ich mein Bier ausgetrunken hatte und endlich einsah das ich zu besoffen war um mich noch weiter in der Stadt herum zu treiben beschloss ich endlich in die Pension zurück zu gehen. Die Pension von der ich nicht wusste wo sie war.
Ich lief die Straße einmal entlang. Sexshops, Pornokinos, Kioske dicht an dicht. Ein Mädchen sprach mich in gebrochenem englisch an. Über einem Laden leuchtete ein blaues Neonschild. >>Nightshop<<. An diesem Abend hatte sich alles gegen mich verschworen, selbst mein Gehirn hatte sich diesem Plan verschrieben. Ich wollte noch ein Bier. Also ging ich in diesem Shop in dem mich sofort propangasflaschengroße Gummipimmel und aufbalsbare Sexpuppen angrinsten.
Ich (voller Überzeugung brüllend): DOOOOSEEEENBIIIIIIIIEEEEEEEER!
Abgetakelte Verkäuferin: Eine Tür weiter.
Offensichtlich hatte sie Erfahrung mit sturztrunkenen Amerikanern.
Ich wankte aus dem Nightshop und musste überlegen aus welcher Richtung ich gekommen war als mich die erste Nutte ansprach und somit den Grundstein zu einem meiner Lieblingsspiele legte. Dem Nuttenprellen. Aber dazu später mehr.
Nutte: Blaseficke? Du? Blaseficke? 30 Euro?
Ich: Neeeeeee lssmassssein.
Mit diesen Worten ließ ich sie stehen und wankte die Straße entlang. Nach 50 Meten kam die nächste Nutte auf mich zu. Sie war ein ungeformter Haufen zu szark geschminkter Scheiße mit aufdringlichem Parfüm.
Hässliche Nutte: Hey Kleiner. Willst nicht mitkommen? Kriegst alles was du willst für nur 50 Euro.
Ich: Moooooument. Die Andere wollte nur 30 und die sah wesentlich besser aus.
Hässliche Nutte: Verpiss dich du Arschloch.
Ich torkelte bis vor einen türkischen Nachtkiosk und kotzte großzügig in einen Mülleimer bis mir die Tränen liefen. Es fühlte sich an als würde sich alles was ich jeh gegessen hatte in diesem Moment einen Weg aus meinem Körper suchen. Ich habe bereits einige Abstürze erlebt, aber diese Aktion schafft es auf Platz zwei meiner persönlichen Höhepunkte. Auf Platz eins liegt immernoch die Flasche Jim Beam mit dem ich meine Chancen bei Nadine weggespült hatte.

Am nächten Morgen erwachte ich in voller Bekleidung in meinem Hotelzimmer, alle Viere von mir gestreckt und mit einem Kater der mit Worten nicht zu beschreiben ist. Mir fehlt bis heute mindestens eine Stunde in der ich es geschafft hatte zurück in die Pension zu kommen. Ich will nicht wissen was ich getan habe. Nein. Ich will es nicht wissen.
Ich quälte mich aus dem Bett, kotzte, duschte, kotzte noch einmal und packte meine Sachen um mich mit dem Informanten zu treffen. Wenn Geilheit die böse Schwester der Trunkenheit ist, ist der Kater das ungewollte Stiefkind. Mir ging es richtig dreckig und ich hatte genug Restalkohol im Blut um allein deswegen schon als unzurechnungsfähig zu gelten. Wenn ich etwas tue, dann richtig.
Ich traf mich mit Klaus, dem Informanten und er sagte ganz genau >>Morgen am Hafen von New York. Pacific Sunshine mit Heroin in einem Container mit der Aufschrift DK996A4.<< Sprach er und war verschwunden. Nicht mehr, nicht weniger. Hätte er es mir nicht am Telefon sagen können? Hatte ich das alles wirklich nur deswegen durchmachen müssen? Warum hasste Gott mich nur so?
Ich fragte die Verkäuferin nach dem kürzesten Weg zum Bahnhof und kotzte ihr fast in den Laden als sie sagte das ich einfach nur die Straße bis ganz zum Ende hinunter gehen müsse. Die Straße auf der ich die wohl schlimmste Nacht meines bisherigen Lebens verbracht hatte. Die Pointe fand ich allerdings in meiner Jackentasche als ich meine Brieftaschen ziehen wollte um eine Fahrkarte zu bezahlen um zum Flughafen nach Berlin zurück zu fahren. Ich stand an einem Serviceschalter der Deutschen Bahn und zog vor aller Leute Augen eine rosafarbene Gummimuschi aus der Jacke. Was um alles in der Welt hatte ich in der Stunde die mir in meiner Erinnerung fehlt angestellt?


Nachtrag: Sobald ich wieder in den Staaten war holte ich einen Kontoauszug meiner Bank um herauszufinden was mich dieser dunkelste aller Tage wohl gekostet hatte. Natürlich hatte ich die Gummifotze mit meiner Kredikart bezahl. Die nächsten Monate erinnerten mich meine Kontoauszüge an dieses Trauma an dem ich um 21 Uhr 34 nicht mehr wusste was ich tat.
Das Leben ist grausam.

41: Der Hasstank

Stellen wir uns den menschlichen Körper wie eine Maschine vor. Das Herz ist die Hauptpumpe, das Gehirn die Steuereinheit, Venen und Aterien transportieren das notwendige Öl und der Magen dient als Treibstofftank. Wenn auch nur eines dieser Teile fehlt läuft die Menschmaschine nicht, der Mensch stirbt, die Maschine fällt aus. Zusätzlich zu Herzpumpe, Lungenlüftung, Gehirnsteuerung und Magenkanister bekommt jeder Mensch einen zusätzlichen Tank der einzig und allein eine Aufgabe hat. Bei Menschen die in einer funktionierenden Familie oder einer glücklichen Beziehung leben dient dieser Tank dazu Zuneigung (man kann es auch Liebe nennen) zu an seine Mitmenschen ab zu geben oder auf zu nehmen. Der Pegel steigt sobald man Zuneigung bekommt, der Pegel fällt wenn man Zuneigung gibt. Soweit, so verständlich. Der Haken an diesem Tank ist allerdings der, das der Tank, wenn er nicht gefüllt wird, eine andere Funktion einnimmt. Er füllt sich mit dem angestauten Neid, der Frustration, der erlebten Zurückweisung und all den negativen Erfahrungen die eine menschliche Seele belasten. So wird aus dem Zuneigungstank der Hasstank. Ein mit Leitungen und Ventilen versehener Kanister, randvoll mit einer klebrigen, schwarzen, extrem entflammbaren Flüssigkeit. Konzentriertem, reinen Hass.
Nach einer Weile, wenn der Tank bereits bis zum Bersten gefüllt ist, beginnt die Flüssigkeit zu kochen und zu brodeln. Ist die Belastungsgrenze erreicht, explodiert erst der Tank, und anschließend der Mensch.

Für gewöhnlich ließ Gerry seinen kochenden Hass ab wenn er sich im Einsatz am Feind austobte. Wenn er Knochen brechen, Gegner töten, Sachen in die Luft jagen und Feuer legen konnte. War kein Feind in der Nähe musste er den Tank irgendwie kühlen bevor er in die Luft flog und Unbeteiligte zu Schaden kamen. Niemand heuerte einen Söldner an der sich nicht unter Kontrolle hatte. Alkohol hatte sich als ideales Kühlmittel erwiesen. An normalen Tagen, wenn nur wenig Kühlung nötig war, reichte Bier. Doch seit er die Tür seines Hotelzimmers hinter sich abgeschlossen hatte spürte er es in sich rumoren. Mit jedem Herzschlag näherte sich der Hasstank dem Siedepunkt.
Das Seelenleben eines erwachsenen Mannes der unzählige male getötet hatte, in den tausende Dollar für militärisches Training investiert worden waren, der furchtbare Dinge gesehen und getan hatte ohne sich schlecht zu fühlen, war von einem kitschigen roten Papierstern im Wert von einem Cent erschüttert worden.
Er kippte die bernsteinfarbene Pfütze am Boden seines Whiskyglases hinunter. Eine schlechte Wahl wie er jetzt, nach einem Viertel der Flasche Tullamond Dew feststellte. Whisky erinnerte ihn an Nadine und Nikki. Allerdings gab es kaum eine Spirituose die ihn nicht an etwas schlechtes erinnerte. Allerhöchstens Ouzo. Allerdings braucht es keine schlechten Erinnerungen um Ouzo zum Kotzen zu finden.
An Tagen wie diesen war es das Beste sich der Welt zu entziehen, die Waffen möglichst weit unter dem Doppelbett zu verstauen und sich mit Mister Al Cohol zu unterhalten bis man seine Toilette umarmte und lautstark nach KUUUUUUUURT rief.
Eine Augenblick lang überlegte er im Büro an zu rufen. Aber wozu? Selbst Konnerly konnte sich nur um einen Job nach dem anderen kümmern.
Lustlos zappte er durch das Fernsehprogramm ohne etwas zu suchen und ohne etwas zu finden. Er spürte den Hasstank in sich brodeln, kippte einen Whisky und zog die Beretta aus dem Halfter unter seiner Schulter. Modell 93 R, 9mm Automatik, Made in Italy. Wieviele Leben hatte er damit ausgelöst. 50? 60? Mehr? Söhne, Brüder, Väter, Töchter, Schwestern, Mütter. Menschen mit Familie. Menschen die von irgendwem irgendwo vermisst wurden. Würde jemand Gerry vermissen wenn er sich jetzt in den Kopf schoss? Meagen müsste sich einen neuen Arbeitsplatz suchen. Dishka einen neuen Vollstrecker. In spätestens sechs, möglicherweise sieben, Wochen hätten sie Konnerly ersetzt und vergessen. Gerry wusste das niemand jemals nach ihm suchen würde. Also was soll´s? Als Söldner gehörte es zum Berufsrisko getötet zu werden. Schließlich war es genau das was auch Konnerly tat. Töten oder getötet werden. Niemand steht morgens mit der Gewissheit auf den Abend nicht mehr zu erleben.Von den Insassen der Todeszellen einmal abgesehen. Das letzte Frühstück, der letzte Kuss bevor man die Haustür verlässt, das letzte mal das Lieblingslied im Radio. Erlebnisse, Erinnerungen, Pläne. Alles was man war, was man ist, was man sein will kann in einem Sekundenbruchteil an Bedeutung verlieren. Egal ob man einen tragischen Unfall hat, seinem Sein selbst ein Ende setzt oder von einem Anderen ins Nirvana befördert wird. Am Ende bleibt von einem Menschen nicht mehr übrig als mehr oder minder betrauertes verrotendes Fleisch oder ein Häuflein Asche.
Gerrys Gedanken kreisten um Nikki, Stepahny und Nadine. Was sie wohl gerade machten?
Nikki hatte zweifellos Karriere gemacht, vielleicht sogar die Firma ihres Vaters übernommen und die letzten... wie lange war es jetzt her... acht Jahre damit zugebracht den Namen ihrer Familie rein zu waschen. Oder sie war bereits verheiratet und Mutter. Möglicherweise wurde sie jeden Morgen von trippelnden kleinen Kinderfüßen geweckt. Kinderfüße die sich weigerten in die Schule zu gehen, ihren Frühstückstoast auf zu essen, ihre Spielsachen auf zu räumen. Verbrachte sie ihre Tage hinter einem Schreibtisch oder an einer Wiege? Gerry kippte ein Glas Whisky.
Was war aus Stephany geworden? Ging sie noch zu den Vioballspielen die sie immer so gern gesehen hatte? Hatte sie endlich einen passenden Job gefunden? Ging es ihr gut oder ging es ihr dreckig? Verziehen hatte sie Konnerly wohl immernoch nicht. Und selbst wenn, hätte sie sich bei ihm gemeldet? Unwahrscheinlich. Nicht nach dem Ausdruck ihrer Augen. Nicht nach dem Schrecken und der Enttäuschung die Gerry ihr angetan hatte. Ob glücklich oder nicht, es war Fakt das sie sich nie wieder mit Konnerly abgeben würde.
Last but no least Nadine. Gerry kühlte den berstenden Hasstank in seinem Innern mit einem weiteren Glas Tullamond Dew. Konnerly fragte sich ob es an ihm lag. Ob ein Teil seines Gehirns falsch verdrahtet war, der Teil der ihn dazu trieb sich selbst die Beine zu stellen. Wand Nadine sich gerade unter diesem drahtigen alten Literaten? Gerry war ohnehin nicht gebildet genug um ihrem Anspruch zu genügen. Er war ein guter Killer und Söldner. Kaltblütig und skrupellos. Aber Nadine wollte niemanden der auf Kommando tötet ohne Fragen zu stellen. Sie wollte jemanden der sich mit den wohlklingenden Worten längst toter Schriftstellern auskannte. Jemanden mit dem sie tiefgreifende Gespräche über Literatur und Geschichte führen konnte. Und sojemanden hatte sie gefunden. Schön für Nadine, schlecht für Gerry, Hass für den Tank.
Und nun lag Konnerly, allein und betrunken, auf seinem viel zu großen, viel zu leeren Bett und zielte mit seiner Pistole auf den blassen Nachrichtensprecher im Fernseher. Sein Daumen legte die Sicherung der Beretta um, der sichere weiße Punkt auf dem Verschluss wich dem scharfen Roten. Gerry benutzte beide Hände, zielte auf den Kopf des Mannes der neutral und monoton die aktuellen Meldungen vom Teleprompter ablas. Konnerly zog den Abzug langsam über den ersten Widerstand hinaus auf den Zweiten. Millimeter um Millimeter erkämpfte sich Gerrys Zeigefinger seinen Weg zur Handfläche... noch ein bisschen mehr... noch ein bisschen mehr...klick.
>>Glück gehabt Mister Anchorman.<< Grinste Gerry den Nachrichtensprecher an.
>>Nächstes mal ist das Ding geladen.<<

40: Anders als geplant

Es war von erheblicher Bedeutung das das Material lange genug am Leben blieb um seine Wandlung zu verfolgen. Dem Rohstoff sollte bewusst sein was mit ihm geschah, das er kein Opfer war sondern Teil eines Ganzen. Sean hatte dem Doktor bei so vielen Werken geholfen, nur ein kleiner Beitrag aber immerhin ein Beitrag. Allerdings, so musste Sean sich in Leons Wohnung eingestehen, war sein Talent nicht gerade ausgeprägt. Etwas war schief gelaufen.
>>Hör auf zu bluten.<< Flehte Sean mit tränenerstickter Stimme. >>Herr im Himmel, hör doch endlich auf zu bluten.<< Sean warf das blutige Küchenhandtuch in die Spüle und riss panisch die Schränke neben dem altmodischen Gasherd auf um ein neues Handtuch zu finden.
>>Sieh es ein Seaniboy.<< Remus kicherte. >>Der ist hinüber.<<
>>Halt den Mund Remus.<<
>>Ex und hop. Aus die Maus. Finito. Platt. Bekämpft. Oder, wie wir es sagen, tot wie ein Türnagel.<<
>>Sei still!<< Sean fand ein kitschiges weißes Handtuch auf dem grüne Frösche aufgedruckt waren und presste es mit beiden Händen auf den klaffenden Schnitt auf der Innenseite von Leons Bein. Durch einen dummen Fehler hatte er in die Oberschenkelaterie seines Rohstoffs geschnitten.
>>Hör endlich auf zu bluten. Bitte. Bitte hör auf zu bluten...<<
>>Hör auf Sean. Sean hör auf.<< Romulus klang niedergeschlagen, er hätte Sean einen kleinen Erfolg gegönnt. >>Das bringt nichts mehr. Nichts bringt das mehr. Leon ist sogut wie tot. Sogut wie tot ist Leon.<<
Leon zitterte als würde er frieren, kalter Schweiß lief von seinem blassblauen Gesicht und tropfte in die Blutlache die sich über den gesamten, weiß gekachelten, Küchenboden ausbreitete.
>>And another one´s gone, and another one´s gone. Another one bites the dust.<<
>>Das ist weder der richtige Ort noch der richtige Zeitpunkt. Weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort ist das.<<
>>Wie wäre statt dessen mit Killing me softly? Oder Hands of a dying man? Nein, nein, ich hab´s. What what in the butt.<<
>>Jetzt haltet beide den Rand!<< Befahl Sean und band das Handtuck um Leons Bein. Als hätte jemand sein Flehen erhört stoppte die Blutung.
>>Was...<< Murmelte der Rohstoff. >>Was hast du getan?<< Er warf den Kopf zur Seite und sah Sean in die Augen. >>Du hast mich... du hast mich umgebracht. Du... hast...mich... umgebracht.<<
Der Assistent strich über Leons schweißverklebtes Haar. Vielleicht war es möglich das Blut irgendwie vom Boden auf zu saugen und wieder in den Körper des Materials zu bekommen. War es nicht genau das was sie in den Krankenhäusern machten? Blut in Körper zu pumpen?
>>Alles wird gut Leon.<< Hauchte Sean zärtlich. >>Alles wird gut.<<
Das Material war dem Tod näher als dem Leben, soviel war Sean klar. Leon hatte mehr Blut verloren als der Assistent es je zuvor bei den Arbeiten des Doktors gesehen hatte.
>>Was sollen wir nur tun?<< Fragte er die Stimmen.
>>Wenn du jetzt einen Krankenwagen rufst überlebt er vielleicht. Vielleicht überlebt er wenn du jetzt einen Krankenwagen rufst.<<
>>Tolle Idee du Genie.<< Blaffte Remus seinen Bruder an. >>Was meinst du wohl was die Sanitäter tun wenn sie die Sauerei hier sehen? Die rufen sofort die Bullen und dann spielen wir bis zum Ende aller Tage das Bückstück.<<
>>Du hast nicht zufällig eine bessere Idee? Eine bessere Idee hast du nicht zufällig?<<
>>Und ob ich die habe.<< Remus ließ Sean nach dem Hackmesser neben der Kaffeemaschine greifen. Mir einem kräftigen Hieb spaltete er Leons Schädel vom von der Nasenspitze bis in das Holz der Tischplatte.
>>Problem Nummer eins gelöst.<< Lachte Remus, stolz auf sein Werk.
Seans Knie gaben nach, er klatschte auf den Hintern in die schleimige rote Flut.
>>Wieder einmal sehr elegant. Sehr elegant wieder einmal.<<
>>Danke danke, Kein Applaus.<<
Sean schlang die Arme um die Beine. Wie ein verängstigtes Kind wippte er vor und zurück.
>>Das geschieht alles nicht wirklich.<< Wimmerte er wie ein Mantra. >>Das geschieht alles nicht wirklich. Das geschieht alles nicht wirklich. Das geschieht alles nicht wirklich.<<
>>Leider geschieht das alles wirklich.<< Romulus bedauerte keine Arme zu haben die er um den armen Sean hätte legen können. >>Das alles geschieht wirklich, leider.<<
>>Das war nicht so geplant, das war nicht so geplant, das war nicht so geplant, das war nicht so geplant...<<
Der Assistent hatte sooft seinem Meister zusehen dürfen. Hatte er denn gar nichts gelernt? Wie war es soweit gekommen? Dabei lagen zwischen den gemeinsamen Getränken mit Leon und dieser Katastrophe gerade einmal drei läppische Stunden. Sean erwischte sich bei der unartigen Frage ob Doktor Francis je mit solchen Problemen hatte kämpfen müssen.
Natürlich nicht! Wie konnte er es wagen die Fähigkeiten seines Meisters infrage zu stellen. Francis war ein von Gott persönlich erwähltes Naturtalent. Perfekt in allem was er tat und unangefochten in seinen selbstlosen Taten.
>>Ich unterbreche ja die Kuschelstunde nur ungern.<< Räusperte sich Remus. >>Aber wir sollten uns etwas einfallen lassen um die Schweinerei hier zu besietigen. Es dauert nicht mehr lange und die ganze Suppe fängt an zu stinken.<< So leid es Sean und Romulus auch tat, Remus hatte recht.
Eher früher als später würde das Blut gerinnen und Heerscharen von Fliegen anlocken, ganz zu schweigen davon einen vor Schweiß, Blut, Hirnwasser und Urin triefenden Leichnahm unbemerkt aus dem Haus zu bekommen und irgendwo ungesehen zu entsorgen.
>>Das haben wir jetzt davon. Davon haben wir das jetzt. Wenn du das nächste mal die Kontrolle an dich reisst denke einen Schritt weiter. Denke einen Schritt weiter wenn du das nächste mal die Kontrolle an dich reisst.<<
>>Pisst du mir jetzt ans Bein weil ich als Einziger hier Initiative ergriffen habe?<<
>>Ich pisse dir ans Bein weil du nicht zuende gedacht hast. Weil du nicht zuende gedacht hast pisse ich dir ans Bein.<<
>>Das war alles nicht so geplant. Das war alles nicht so geplant. Das war alles nicht so geplant...<<
Remus stöhnte. Ein Königreich für einen eigenen Körper. Einen Körper um mit dem Kopf schütteln zu können.
>>Ich sehe schon...<< Die böse Stimme hatte eine Idee. >>Ohne mich seid ihr aufgeschmissen.<<
>>Was... was hast du vor?<< Wagte sich Sean zu fragen als er den alten Gasherd von der Wand schob.
>>Das wirst du sehen wenn es fertig ist.<<

39: Zweite Meinung

Für jeden Menschen gibt es eine Grenze die festlegt was er bereit ist zu tun. Bei dem einen ist diese Grenze sehr hoch angelegt, selbst der Gedanke daran etwas unrechtes zu tun ist ihm zuwider. Es gibt aber auch Menschen die im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Allerdings gibt es auch bei ihnen eine Hemmschwelle, den letzten Rest eines moralischen Gewissens. Um Gerrys moralische Grenze zu finden musste man schon sehr lange und sehr genau suchen damit man die dünne Linie nicht übersah. Es gab nur wenig das er nicht bereits getan, noch weniger das er nicht bereits gesehen und fast nichts das er nicht bereit war zu tun, solange der Preis stimmte. Geld, selbst in der Welt nach Tag X ein leidiges Thema. Im Gegensatz zu Gerry >>Gecko<< Konnerly gab es allerdings auch noch Menschen die nicht aus purer Profitgier ihrem Tun nachgingen. Einer dieser Menschen war Doktor Ibana Suarez, eine hochdekorierte ehemalige Militärärztin die trotz der grausamen Dinge die sie im Krieg gesehen hatte ihren Glauben an die Menschheit nicht aufgegeben hatte. Jeden Tag freute sie sich auf die Arbeit in der chronisch unterbesetzten Unfallklinik in der Stadt. Ibana liebte das Gefühl kranken Menschen helfen zu können. Am liebsten waren ihr die Tage an denen die Notaufnahme aus allen Nähten platzte, Tage an denen sie sich bis zur völligen Erschöpfung für ihre Patienten aufopfern konnte. Tage wie dieser.
>>Also Katelin.<< Ibanes wischte dem kleinen Mädchen, dessen Arm in einem frischen Gips steckte, eine Träne von der Wange. >>In den nächsten Wochen kein Sport und keine Schwimmbadbesuche. Wenn du wiederkommst nehmen wir dir den Gips wieder ab und dann sehen wir ob dein Arm wieder in einem Stück ist.<<
Katelin lächelte tapfer, nickte und würde ihren Daddy bitten den blöden Baum im Garten zu fällen von dem sie gefallen war.
>>Danke Doktor Ibana.<<
>>Das ist doch mein Job Katelin.<<
Ibana begleitete ihre kleine Patientin bis in den Warteraum auf dem kranke Menschen darauf warteten von Suarez behandelt zu werden.
>>Wer ist der Nächste?<< Fragte Ibana Carol, die ergraute Sprechstundenhilfe. >>Mister Shulz.<<
>>Oh je.<< Suarez schüttelte halb stöhnend halb hauchend den Kopf. Mister Alfons Shulz hatte die letzten 93 Lebensjahre damit verbracht die Schulmedizin vor etliche Rätzel zu stellen. Er rauchte seit 80 Jahren drei Päckchen filterlose Zigaretten am Tag, aß ausschließlich rotes Fleisch und trank, seit seiner Pensionierung, bereits morgens Brandy. Trotz dieser Misshandlung seiner selbst sah er aus wie 65, war auf den geistigen Stand eines 45jährigen und fühlte sich wie 25.
>>Also Mister Shulz.<< Ibana zeigte auf den freien Stuhl neben ihrem Schreibtisch. >>Wo drückt der Schuh.<<
Alfons nahm Platz und lächelte ein gütiges Altmännerlächeln. >>Doktor, der Grund der mich zu Ihnen führt ist etwas... wie soll ich sagen... delikat.<<
>>Nichts menschliches ist mir fremd Mister Shulz. Mir können Sie es sagen.<<
Alfons errötete und sah auf seine Füße. Er rang eine Weile mit sich, fasst sich aber dann ein Herz.
>>Es geht um meinen...meinen... Sie können sich denken was ich meine.<<
Ibana konnte sich trotz aller Professionalität ein neckisches Schmunzeln nicht verkneifen.
>>Aha.<< Nickte Suarez. >>Es ist also nicht der Schuh der drückt.<<
>>So ist es.<< Alfons hüstelte in seine Faust. >>Ich bin seit 70 Jahren mit meiner Frau verheiratet und ich liebe sie immernoch wie am ersten Tag. Wir haben schwere Zeiten zusammen überstanden und für mich geht die Sonne mit ihr auf und wieder unter.<< Shulz warf einen hastigen Blick über die Schulter um sich zu vergewissern das die Bürotür geschlossen war.
>>Seit einer Weile... wissen Sie... gibt es ein paar Probleme. Im Schlafzimmer.<<
>>Sprechen Sie ruhig weiter Alfons.<<
>>Nun, seit ein paar Monaten kann ich nicht mehr so... so oft wie früher.<<
Ibana war erstaunt. >>Sie haben immernoch Sex?<<
>>Wir lieben uns.<< Alfons sah aus dem Fenster. >>Allerdings schaffe ich es nurnoch zweimal...<<
>>Zweimal im Monat ist vollkommen in Ordnung, es wundert mich das Sie es überhaupt noch schaffen.<<
Alfons sah Ibana verwundert an. >>Doktor Suarez, ich spreche hier von zweimal in der Nacht.<<
Es gab viel das Ibana durch den Kopf ging, aber alles was sie dazu sagte war. >>Respekt.<<
>>Wo liegt dann das Problem?<< Fragte Sie nachdem sie ihre Fassung wiedererlangt hatte.
>>Das Problem ist das...<<
>>Hey Moment mal!<< Hallte Carols Stimme ins Büro. >>Sie können nicht einfach da reinspazieren.<<
Die Tür wurde aufgerissen, Konnerly betrat das Büro und warf die Tür hinter sich so hart zu das das Foto auf Ibanas Schreibtisch umfiel.
Ibana und Alfons sahen sich kurz an. Suarez schnaubte wütend und erhob sich von ihrem Stuhl.
>>Was fällt Ihnen eigentlich ein so einfach in mein Büro zu marschieren?<<
>>Hätte ich einen Termin machen sollen?<< Fragte Gerry.
>>Auf jeden Fall sollten Sie sich ins Wartezimmer setzen und warten bis man Sie aufruft!<<
>>Ich bin nicht hier um mich behandeln zu lassen.<<
>>Junger Mann.<< Alfons erhob sich. >>Im Gegensatz zu Ihnen bin ich hier um mich behandeln zu lassen.<<
>>Meinen Sie das sich das noch lohnt?<< Fragte Konnerly. >>Raus hier.<<
Ibana sah Alfons an. >>Warten Sie bitte draussen Mister Shulz. Sagen Sie Carol das sie die Polizei rufen soll.<<
Shulz richtete seinen Hemdkragen und schritt stolz aus dem Büro. Er hielt kurz inne und warf Gerry seinen missbilligenden Blick zu.
>>Zu meiner Zeit wussten die jungen Leute noch wie man sich Erwachsenen gegenüber benimmt.<<
>>Zu Ihrer Zeit gab es nur zwei Erwachsene.<< Antwortete Konnerly. Beleidigt und gekränkt verließ Alfons das Büro. Wutschnaubend sah Ibana Gerry an.
>>Was zum Kranich wollen Sie das sie so in mein Büro einfallen?<<
>>Plan A, Sie sehen sich fünf Minuten meine Fotos an und sagen mir was Sie wissen. Plan B, Sie quietschen mich weiter voll und müssen die nächsten drei Wochen die Gehirne Ihrer Patienten von der Zimmerdecke kratzen. Sie wählen.<<
Ibana war geradezu schockiert, hatte jedoch keinen Zweifel daran das Plan B für diesen Kerl wirklich existierte.
>>Zeigen Sie mir Ihre blöden Fotos.<< Fauchte Suarez. Konnerly warf ihr den Briefumschlag, den sein Auftraggeber ihm gegeben hatte, auf den Schreibtisch. Sie sah sich die Fotos an, runzelte bei jedem Bild die Stirn und schüttelte angewidert den Kopf. >>Was soll ich Ihnen dazu sagen? Suchen Sie sich einen Psychologen oder andere Hobbies Sie krankes Schwein.<<
>>Erstens sind diese Bilder nicht von mir, und zweitens sollten Sie ihr Schandmaul im Zaum halten sonst steckt gleich ein Fuß darin.<<
>>Und wozu zeigen Sie mir diesen Mist dann?<<
>>Weil ich wissen will ob es gesund ist sich darauf einen runterzuholen.<< Grunzte Konnerly.
>> Ich will wissen wer zu solchen Schnitten fähig ist. Was können Sie mir über die Schnitte sagen? Wer hat diese Leute so zugerichtet?<<
Ibana nahm eine Lupe aus der Schublade unter dem Stapel mit den Krankenscheinen. Dieser Kerl hatte es geschafft innerhalb einer Minute den ersten Platz auf Ibanas Leutedieichnienieniewiedersehenwill-Liste zu besetzen.
Sie sah sich diese schrecklichen Bilder noch einmal genauer an. Furchtbar zu was manche Leute fähig sind.

38: Übung macht den Meister

Wer war dein Idol als Kind? Wem wolltest du nacheifern. In wessen Fußstapfen wolltest du treten? Einem Musiker? Einem Filmstar? Einem Erfinder? Einem Comichelden? Oder jemand alltäglichem? Wolltest du als Polizist die Unschuldigen schützen und die Bösen hinter Schloss und Riegel bringen, als Feuerwehrmann Menschen aus brennenden Häusern retten oder als Pastor eine Gemeinde führen? Wer auch immer dein Idol war, du wolltest werden wie er oder sie. Seit Gerry ein Buch über ihn in die Hand bekam nahm er sich ein Beispiel an Richard Leonard Kuklinski, dem Ice Man. Sean dagegen fand sein Idol erst spät, mit 38 Jahren. Seinen genialen Mentor, Doktor Quentin Francis. Seit nunmehr zehn Jahren gestattete Francis Sean ihn bei der Erschaffung seiner Werke zu helfen. Zehn Jahre voller Blut, Schweiß und Tränen. Obwohl er nie an den Fähigkeiten oder der Unfehlbarkeit seines Herren gezweifelt hatte, ertappte sich Sean hin und wieder bei verbotenen Gedanken. Anfangs hatte er diese fixen Ideen als Hirngespinste abgetan, allerdings hatten die unfeinen Träumereien ,tief im Verborgenen, Gestalt angenommen. So töricht sie auch sein mochten und egal wie tief er sie begrub. Von Zeit zu Zeit quälten sie ihn, diese unartigen Gedanken. Wie ein Pflanzenkeim stärker aus der Erde tritt, je tiefer man ihn in warmer feuchter Erde vergräbt. Was, Sean fürchtete den Gedanken zu beenden, was... was wäre... was wäre wenn... was wäre wenn Sean selbst ein Werk erschaffen könnte? Würde der Doktor ihn für seinen Tatendrang loben oder würde er Sean strafen weil er sich erdreistete seinem Mentor konkurrenz machen zu wollen? Möglicherweise, nein allein es zu denken kam Hochverrat gleich, aber möglicherweise wäre der Doktor sogar beeindruckt. Sean wusste selbst nicht wielange er diese dummen Vorstellungen vor sich hergeschoben hatte. Doch jetzt wollte er es versuchen. Doch dazu brauchte er Rohstoff. Nichts wirklich Gutes, Gott bewahre wenn er seine dummen Fantasien an einem Rohstoff auslebte der seinem Meister besser gedient hätte. Ohnehin wollte der Assistent nur ausprobieren was wohl passieren würde. Lob oder Tadel. Mehr Möglichkeiten gab es nicht.
>>Tu das nicht! SEAN! Ich warne dich!<< Remus wollte nicht glauben was Sean bereit war zu tun. >>Sean Gregory Vaughn! Ich warne dich junger Mann!<<
>>Du klingst wie seine Mutter. Wie seine Mutter klingst du.<<
>>Fresse Romulus!<< Grunste Remus. >>Schnautze sonst Schacht! Und du Sean, wage es nicht! Wage-es-nicht-das-zu-tun.<<
>>Lass ihn doch einfach machen. Einfach machen lass ihn doch.<<
>>Ihr seid doch krank!<<
>>Ausgerechnet du sagst sowas? Sowas sagst ausgerechnet du?<<
>>Sean! Wenn du das tust lasse ich mir einen Schwanz wachsen in pisse dir ins Gehirn.<<
>>Diese Vorstellung ist erschreckend. Erschreckend ist diese Vorstellung.<<
>>Ruhe da oben!<< Befahl Sean stumm und setzte sich an die Theke der versteckten Kellerbar in einer namenlosen Seitengasse der Stadt. Dafür das die Bar so schwer zu finden war, war reichlich betrieb für einen Wochentag. Im schummrigen Licht tanzten Päärchen zu sanfter Soulmusik. Sean fragte sich ob sein Plan aufgehen würde, ob er mit jemanden ins Gespräch kam um an Material zu gelangen das seine Neugier befriedigen konnte. Tatsächlich dauerte es erfreulich kurz bis der Barkeeper, ein platinblonder samoanischer Hühne in grässlichem roten Hawaiihemd ihm einen Wodka vor die Nase stellte.
>>Tu das nicht Sean!<<
Der Assistent sah verwundert auf das kleine Glas vor sich.
>>Von wem kommt das?<< Fragte er. Der Barkeeper nickte stumm in Richtung eines Tisches. Sean hob das Glas, drehte sich in die angegebene Richtung und prostete dem Mann im schwarzen Zweireiher zu.
>>Schwult der uns an?<< Fragte Remus angeekelt. >>Der schwult uns doch nicht wirklich an oder? ODER?!<<
>>Ich denke doch das er das tut. Das er das doch tut denke ich.<<
Sean kippte den Vodka. Widerliches Zeug. Billig und rau. Sollte er es wirklich wagen? Mumpitz! Was brachte die ganze Sache wenn er nicht bereit war über seinen Schatten zu springen.
>>Hallo.<< Sagte er als er sich neben seine Spender setzte. >>Vielen Dank für den Drink.<<
>>Keine Ursache.<< Der Mann legte seine Hand auf die Schulter des Assistenten. >>Ich habe dich hier noch nie gesehen, bist du neu in der Stadt?<<
>>Ja... neu in der Stadt.<<
>>Du bist Amerikaner oder? Ich höre das an der Art wie du sprichst.<<
>>Ja... Amerikaner.<<
>>Aber aber, nicht so schüchtern. Niemand wird dich fressen, ich bin übrigens Leon.<<
>>Hallo... Leon.<<
Leon sah das Sean nervös war, möglicherweise war er zumersten mal unter Gleichgesinnten. Ach dieses arme verwirrte Schäfchen in einer Welt voller Wölfe.
>>Möchtest du noch etwas trinken mein stummer Freund?<<
>>Ja... noch etwas trinken.<<
Leon nickte, ging an die Bar und bestellte eine Flasche Smirnoff Red. Sean sah zwar nicht gerade gut aus und sein Kleidungsstil war alles andere als modisch. Aber was machte das für einen Unterschied wenn der Abend so lief wie Leon es geplant hatte. Aber nichts überstürtzen. Als erstes galt es den Mantel anerzogener Schüchternheit von den Schultern seines neuen Freundes zu nehmen. So oder so würde es ein interessanter Abend werden.
>>Ich hoffe du hast dir den Arsch gut abgewischt Sean.<< Romulus war speiübel. >>Du bekommst ihn heute von einem Upper-Class-Yuppi geleckt.<<
>>What happens in Vegas stays in Vegas. Stays in Vegas what happens in Vegas.<<
>>Wir sind aber nicht in Las fucking Vegas.<<
>>Das ist doch jetzt Haarspalterei. Haarspalterei ist das doch jetzt.<<
>>Zum Üben reicht er.<< Flüsterte Sean den Stimmen in seinem Kopf zu. >>Übung macht den Meister.<<
>>Und Analsex macht die Schwuchtel. Beschwer dich aber nicht wenn dein Arschloch reisst.<<
>>Du bist ekelhaft Romulus. Romulus ekelhaft bist du.<<
>>Sag das diesem rosaroten Panther hier.<<
>>Ruhe jetzt, er kommt zurück.<<
Leon stellte die Flasche auf den Tisch. >>Da bin ich wieder.<<
>>Lass uns... etwas trinken... Leon.<<
>>Das ist eine gute Idee mein schüchterner Freund.<<
>>Und was dann passiert...passiert dann.<<
Leon lächelte Sean an. Sieh an, sieh an. Möglicherweise würde dieser Abend sogar interessanter als gedacht.
>>Keine Sorge. Es wird nichts passieren was du nicht willst.<<
>>Oder du.<< Sagte Sean und öffnette die Flasche.
>>Oder ich.<< Fauchte Romulus.

37: Der Auftrag

Francis war enttäuscht. In seiner Erinnerung sah der kleine Söldner martialischer aus. Jetzt, ohne Schutzweste und Sturmgewehr, wie er auf der mit weinrotem Samt bezogenen Sofa der Hotellobby sah und eine Ausgabe des National Geographic las, war Konnerly nichts anderes als ein Halbstarker in Cargohosen und ausgewaschenem T-Shirt. Zum ersten mal zweifelte der Doktor daran das dieses minderwerte Exemplar einen brauchbaren Rohstoff für seine Werke liefern würde. Francis schüttelte den Gedanken ab, wozu hatte er sich sonst selbst gequält um dieses abscheuliche Angebot zu schreiben? Um einen abscheulichen Menschen zu locken. Um einen Schandfleck in etwas Nützliches zu verwandeln. Es würde so einfach werden. Fast schon zu einfach.
Francis durchquerte die helle, mit italienischem Marmor verkleidete Lobby und ließ sich auf einem Sessel gegenüber des weinroten Sofas nieder. Auf dem Cover des National Geographic starrte Josef Stalin auf eine rot ausgefüllte Karte der Sowietunion. The Beast in the East.
>>Wie ich sehe haben Sie mein Angebot erhalten.<< Sagte Francis.
Gerry hob seinen Blick von der Zeitschrift. >>Reden Sie mit mir?<< Fragte Konnerly.
>>Das tue ich.<< Francis beugte sich vor. >>Mein Name ist Nigel Mainard und ich glaube Sie sind an einem Auftrag interessiert. Mister Konnerly.<<
>>Sagen Sie mir was zu tun ist und ich sage Ihnen was sich machen lässt.<<
Doktor Francis überreichte Konnerly einen gewöhnlichen braunen Papierumschlag. >>Öffnen Sie ihn und sagen Sie mir was Sie denken.<<
Gerry riss den Umschlag auf und schüttelte sieben Farbfotos neben sich auf das Sofa.
>>Sehen Sie sich die Fotos an und sagen Sie mir was sie denken.<< Forderte Quentin ihn auf. Gerry nahm wahllos eines der Fotos. Abigail Thillsten, eines der gelungensten Werke des Doktor.
Fassungslos sah der Doktor den ungerührten Gesichtsausdruck des Söldners. Wieviel Zeit hatte Francis auf Abigail aufgewandt aus einer heruntergekommenen Hure ein Kunstwerk zu erschaffen. All die Stunden wertvoller Arbeit, all die Mühen und Anstrengungen. Vertan. Doch halt. Vielleicht war Konnerly einfach zu dumm um die Tragweite der Wandlung zu verstehen. Ja, das musste es sein. Das Werk überflog den niederen Verstand eines dummen, verkommenen Mietsoldaten. Aber hatte Francis erwartet einen gewohnheitsmässigen Mörder schockieren zu können? Denn genau das sollten seine Werke, schockieren. Um die Mauern der geistigen Finsterniss ein zu reissen verlangt es eher nach einer Abrissbirne denn eines Wattestäbchens. Doch wenn die Mauer ersteinmal eingerissen war, dann würde Francis die Welt der Kunst in eine neue Ära führen. Hinaus aus der Versenkung, hinein in die gloreichen Hallen der Wertschätzung eines jeden einzelnen Menschen auf der Welt.
>>Sieht aus wie ´ne Schaufensterpuppe die aus verschiedenen Puppen zusammen gesetzt ist. Nett arrangiert mit silbernem Lametta und Neonlichtröhren.<< Gerry packte das Foto weg. >>Wollen Sie das ich ihren Ausstatter verschwinden lasse?<<
Francis war sprachlos. Lametta? Neonlichtröhren? Schaufensterpuppe? Dieser unwissende Galgenvogel! Hatte dieser impertinente Trunkenbold jemals eine Schule besucht? Wie tief muss das Schwarz der Dummheit in diesem vernarben kahlen Kopf sein? Doktor Quentin spürte das seine Hände im Angesicht einer solch maßlosen Ignoranz zu zittern begannen.
>>Nein Mister Konnerly.<< Es kostete ihn unmenschliche Überwindung nicht die Fassung zu verlieren. Er musste die Maskerade aufrecht erhalten. Oh wie sehr er breits dem köstlichen Moment entgegensah sich diesem schießwütigem Schandfleck zu offenbaren.
>>Ich nehme an das jemand durch die Lande zieht um Menschen in nunja Kunstwerke zu verwandeln.<<
>>Mensche in Kunstwerke zu verwandeln?<< Fragte Gerry ungläubig. >>Verarschen Sie mich?<<
Quentin spürte wie sich seine Sicht trübte, nicht mehr lange und die unerträglichen Kopfschmerzen würden beginnen die ihn plagten wenn er bodenloser Idiotie gegenüberstand.
>>Keines Falls. Mister Konnerly ich will Sie keines Falls... auf den Arm nehmen.<<
>>Tja, ich schätze es gibt viele kaputte Typen auf der Welt aber was hat das alles mit mir zu tun?<<
Doktor Quentin Francis jubelte innerlich als hätte er allein den Super Bowl gewonnen. Der Söldner hatte angebissen. Jetzt galt es ihn an Land zu ziehen, auszuweiden und auszustellen. Welch passende Metapher.
>>Ich will das Sie denjenigen finden der das getan hat.<<
>>Wie tief soll ich ihn vergraben?<< Fragte Konnerly und zündete sich eine Zigarette an.
>>Nein nein nein.<< Francis schüttelte den unmenschlich dröhnenden Kopf. >>Ich will nicht das sie ihn töten. Ich möchte das sie ihn zu mir bringen.<<
Konnerly kratzte seinen Nacken. >>Ich bin Söldner und kein Profiler. Sollten das nicht die Bullen übernehmen?<<
>>Leider sehen sich die Damen und Herren der Sicherheitsbehörden ausser Stande diesem Tunichtgut auf die Schliche zu kommen. Dazu müssten sie sich ersteinmal von ihren gut gepolsterten Stühlen erheben und würden gefahrlaufen den Einsatzradius der Kaffeemaschine zu verlassen. Nun ich denke Sie, Mister Konnerly, sind jemand der sich vor Gefahr nicht scheut. Immerhin haben Sie den Ruf mit jeder Art von Problemen fertig zu werden. Jemanden zu finden und fest zu setzten sollte ein leichtes Spiel für Sie sein.<<
Gerry nickte grinsend. >>Ich werde tun was ich kann... aber ich sage es lieber gleich. Das wird nicht billig.<<
>>Geld spielt keine Rolle, meine Mittel sind quasi unbegrenzt.<< Außerdem würde Francis das Geld ohnehin wieder an sich nehmen sobald Konnerly ersteinmal mit Heißwachs überzogen im Attelier des Doktors trocknete.
>>300 Dollar für jede angefangene Woche. Montags, bar, im Vorraus. Der Preis ist nicht verhandelbar.<<
Quentin nickte stumm, griff in seine Tasche und reichte Konnerly drei 100- Dollar Scheine in einer teuren silbernen Geldklammer. >>Das dürfte ihre Anreisekosten decken.Außerdem habe ich ein Zimmer für Sie reserviert. Zimmer 45, scheuen Sie sich nicht den Zimmerservice zu rufen wenn Ihnen danach ist. Wie bereits erwähnt verfüge ich über ausreichende Finanzen.<<
Gerry steckte das Geld ein. Grünes Papier mit dem Portrait toter Präsidenten, wie sehr er es liebte.
>>Sie zahlen ich liefere. << Konnerly steckte das Geld ein. Gerade als er sich vom Sofa erhob fragte Quentin. >>Nur aus Interesse, Mister Konnerly, ist es jemals vorgekommen das jemand Sie nach einem Auftrag nicht bezahlt hat?<<
Gerry drehte sich um und sah Francis direkt in die Augen. >>Das ist tatsächlich schon passiert.<<
>>Und was haben Sie in diesem Fall unternommen?<<
>>Fragen Sie Earl Summers.<<

36: Ein krasser Fall von BurnOut

Mein Vertrag bei der OPCU 17 lief nach vier Jahren aus. Ich hatte Menschen entführt, Menschen verletzt, Menschen gefoltert und ich hatte Menschen getötet. Alles mit hochoffizieller Genehmigung. Die Bullen waren kein Problem, die tanzten immer erst an als ich schon über alle Berge war. Ich fühlte mich wohl in der Army hatte ein Dach über dem Kopf, vier Wände drum herum, drei warme Mahlzeiten am Tag und konnte tun und lassen was ich wollte. Der Truppenausweis war sowas wie die Leck-mich-am-Arsch-ich-darf-das-Karte. Es gab Schlimmeres. Außerdem lernte ich viel. Nicht nur über das Töten sondern auch über das Leben. Egal für wie hart du dich hälst, es gibt immer jemanden der noch krasser drauf ist als du. Also musst du lernen und nachlegen. Zudem lernte ich das ein Gewissen in dieser Welt fehl am Platz ist. Es hält dich nur davon ab zu tun was getan werden muss. Deswegen schaltete ich es einfach aus und bis zum heutigen Tag habe ich es nicht mehr eingeschaltet. Wozu auch? Wenn du etwas tust ist egal wie du später darüber denkst, rückgängig kannst du es nicht machen. Also scheiss drauf. Genauso verhält es sich mit Entschuldigungen. Seien wir einmal ehrlich, was ändern die Worte: Es tut mir Leid? Nichts. Es macht Menschen nicht wieder lebendig, es heilt keine Wunden und es repariert keine kaputten Sachen. Niemand wird deine Entschuldigung jemals wirklich annehmen, niemand wird dir etwas komplett verzeihen. Sollen sie mich hassen solange sie mich fürchten.
Wenn dein Vertrag mit der Army ausläuft wirst du zu deinem kommandierenden Offizier bestellt um ein Abschlussgespräch zu führen. Wenn du gut warst wird er dir anbieten einen neuen Vertrag über weitere vier Jahre ab zu schließen. Wenn du schlecht warst bekommst du dein Entlassungsgeld und bist raus aus dem Geschäft. In meinem Fall hielten sich Gut und Schlecht die Waage. Weder herrausragend gut noch grottenschlecht. Irgendwo dazwischen.
Der Flur der untersten Etage roch nach Schuhputzmitteln und der Kiste verschrumpelter Orangen neben der Eingangstür. Zum ersten mal seit langem hatte ich wieder einen Stein im Magen. Leutenant Townsend war niemand der für seine besonders zurückhaltende Art bekannt war. Er war ein Schreihals der Soldaten wegen Kleinigkeiten auf Gartenzwerggröße zusammenstauchte. Selbst gestanden Kriegsveteranen standen zum Teil die Tränen in den Augen wenn sie nach einem von Townsends gebrüllten Monologen aus seinem Büro traten. Ich saß auf einem unbequemen Holzstuhl neben Townsends Bürotür und hörte den Monolog dem er einen unglücklichen Private hielt der bein Einparken seines Jeep einen Reifen an der Bordsteinkannte zum Platzen gebracht hatte. Saboteur war noch die netteste Bezeichnung die der Leutenant aus dem Hut zauberte. Ich klammerte mich an meine mintgrüne Kaffeetasse und rutschte von einer Arschbacke auf die andere. Nicht das ich Schiss vor Townsends Gebrüle hatte, angebrüllt zu werden hat noch niemanden umgebracht, aber was wenn er mich zusammenschrie und mir die Sicherungen durchbrannten? Die nächsten zwanzig Jahre in Slayer Bay zu verbringen weil ich einem Offizier die Schnauze eingeschlagen hatte war kein erstrebenswertes Ziel. Neunzehn, mit guter Führung und positiver Sozialprognose. Townsend bedachte den Private mit allen möglichen Beleidigungen und schien sich richtig in sein Geschrei hinein zu steigern. Irgendwann ging die Tür auf und der Soldat wankte leichenblass über den Flur. Er sah aus als hätte man ihn allein und ohne Waffe durch jeden Krieg geschickt der jemals von jemandem geführt wurde. Ich trank meinen Kaffee leer und stellte die Tasse auf den Tisch neben meinem Stuhl.
>>Kommen Sie rein Konnerly.<< Befahl Townsend. Ich atmete einmal tief durch und betrat das Büro. Townsend wischte sich Schweiß von der Stirn und zeigte wortlos auf einen gepolsterten Sessel vor seinem penibel aufgeräumten Schreibtisch. Allgemein war sein Büro ein steriler Raum. Keine Belobigungen oder Urkunden an den Wänden, keine Fotos auf seinem Schreibtisch, nicht einmal ein Radio oder eine Topfpflanze. Zwei Schränke, ein Schreibtisch und ein Telefon, nicht mehr und nicht weniger.
>>Vollidioten.<< Murmelte er gerade laut genug damit ich es hören konnte. >>Sollte sie alle wegen Sabotage und Wehrkraftzersetzung erschießen lassen...<<
Ich setzte mich auf den Stuhl. Townsend sah mich kurz an und nahm eine Akte aus dem Regal neben dem Telefon. Stumm schlug er sie auf und klickte mit seinem Kugelschreiber.
>>Konnerly, Gerry, geboren am 16. April 2025 in Hallenback, Kentucky. Stimmt das soweit?<<
>>Ja Sir.<<
Townsend riss einen Zettel vom Block neben seinem Telefon und schrieb etwas auf.
>>Wann sind Sie zur Orphan Project Combat Unit gekommen?<<
>>2037.<< Antwortete ich.
>>Geht´s vielleicht etwas genauer?<< Ranzte er.
>>Herbst 2037.<<
>>Na damit ist mir ja sehr geholfen.<<
Ich wollte schon fragen wieviele Gerry Konnerlies wohl im Herbst 2037 dieser Einheit zugewiesen wurden, allzuviele konnten es ja nicht gewesen sein, hielt mich aber zurück.
Townsend überflog meine Akte, komisches Gefühl wenn man zusieht wie jemand das eigene Leben vor Augen hat.
>>Specialist seit März 2038, Einsatzgebiet Columbus, Ohio.<< Der Leutenant hob den Blick. >>Früh übt sich, was?<<
>>Ja Sir.<<
>>167 bestätigte Abschüsse. Nicht schlecht, aber auch nicht beeindruckend.<<
Ich ignorierte die Spitze.
Einen Moment lang herrschte eisiges Schweigen. Dann nahm der Leutenant eine zweite Akte.
>>Nur um Sie nicht dumm sterben zu lassen.<< Setzte Townsend an. >>Ihr BackUp hatte den Befehl Sie zu beobachten und einen Abschlussbericht zu schreiben. Wissen Sie was Private Otis Hughes geschrieben hat?<<
>>Nein Sir.<<
>>Aber ich weiss es.<< Eine Ader in Townsends Schläfe trat hervor. >>Unzuverlässigkeit, fehlende Motivation, Alkoholexsesse, Insubordination, Unterschlagung von Wehrmaterial, wohlwissende Gefährdung der Zivilbevölkerung, Zerstörung und Zersetzung von öffentlichem Eigentum. Klingelt das was bei Ihnen Konnerly?<<
Ach die Geschichten. >>Ehrlich gesagt nicht Sir.<< Wer ehrliche Fragen stellt bekommt ehrliche Antworten. Ob er sie hören will oder nicht.
Townsends Gesichtsfarbe veränderte sich in ein ungesundes rot, die Ader in seiner Schläfe trat stärker hervor.
Er schlug die Akte vor sich auf und las all die Schandtaten vor die ich und Otis zusammen begangen hatten. Angefangen bei den morgendlichen Bieren zum Frühstück über die Spiele die wir in unserer Freizeit gespielt hatten bis hin zu all den Gelegenheiten in denen ich Townsend einen Zitat >>machtgeilen Giftzwerg der nur so schreit weil man seine Kleinkinderstimme sonst nicht hört wenn in der Nähe ein Eichhörnchen hustet<< nannte. Otis, diese verdammte Schlange, hatte mich an Messer geliefert. Natürlich hatte ich ihn zu alledem nur angestiftet weil ich eben ein subversives Element bin und er das leicht zu beeinflussende Opfer das nur an unseren Spielen teilnahm um seinen Bericht schreiben zu können. Ich musste nicht lange nachdenken um zu wissen weshalb er mich von New York nach Los Angeles an einer Kette durch die Jauche zog. Die Retourkutsche dafür das ich ihm bei Nikki im Weg gestanden hatte. Die Möglichkeit das sie ihn selbst dann nicht rangelassen hätte wenn ich nicht da gewesen wäre, war ihm anscheinend nicht in den Sinn gekommen. Eines muss man ihm lassen, Selbstvertrauen hatte er. Die Betonung liegt auf HATTE.
Townsend hielt einen seiner Monologe in einer Lautstärkeke mit der er ein Footballstadion hätte beschallen können. Auch die billigen Plätze mit eingeschränkter Sicht. Zehn Minuten gingen ins Land, Townsend war gut drauf. 20 Minuten vergingen und der Leutenant holte alles aus sich heraus. Nach einer ungelogenen halben Stunde verstummte er von einer Sekunde auf die Andere. Ich hatte schon die Befürchtung er hätte sich vor Wut die Hose verunreinigt. Er war blass und schweißgebadet, in seinen Mundwinkeln bildeten sich kleine Sabberfäden die über sein Kinn auf meine Akte tropften. Er sah mich an, packte sich ans Herz und hechelte wie ein Ertrinkender. Ich hatte es geschafft ihn so in Rage zu versetzen das er, mit gerade einmal 39 Jahren und bei bester körperlicher Verfassung, einen Herzinfarkt bekam. Townsend kippte vom Stuhl auf den Boden und versuchte mit der letzten verbliebenden Kraft das Telefon zu erreichen. Ich nahm mir eine Tasse Kaffee und sah ihm beim Sterben zu. Einen erwachsenen Mann auf dem Boden nach Luft ringen zu sehen, in einer Pfütze seiner Pisse und seines Sabbers, war kein schöner Anblick... aber der Kaffee war weltklasse. Nicht diese schlappe geschmacklose Brühe aus der Kantine. Offiziere haben Anspruch auf die Meisterröstung. Es fehlten nurnoch ein paar Kekse zum eindippen. Schließlich, nach etwas mehr als vier Minuten, hatte er seinen Posten dann geräumt.
Ich trank meine Tasse aus, ging an seinen Schreibtisch und suchte nach vorgedruckten Verträgen um meinem Land weitere vier Jahre dienen zu können. Irgendwo wo es schön war, Ohio hing mir zum Hals raus. Ohio ist wie der November. Ereignisslos. Öde. Und sieht dazu noch beschissen aus. Also verlängerte ich meinen Vertrag und versetzte mich kurzerhand auf einen "Sonderposten" nach Hawaii, außerdem erhöhte ich gleich noch meine Soldgruppe, übernahm drei Wochen Urlaub (der mir überhaupt nicht zustand) in die neue Einheit und beförderte mich zum Unteroffizier. Wozu andere Jahre brauchen, schaffte ich in nicht ganz einer Viertelstunde. So macht man Karriere.
Als die Tinte auf dem Papier getrocknet und Townsends Unterschrift überzeugend gefälscht war. Riss ich die Tür auf und brüllte nach einem Sanitäter der nurnoch den Tod feststellen konnte. Ein krasser Fall von BurnOut.

Wo finde ich???

Hallo

Suche zu Recherchezwecken die PDF Fassungen des Buches >>Die 120 Tage von Sodom<< von Maquis de Sade.

Wäre klasse wenn mir jemand weiterhelfen könnte. Wenn nicht, dann ist es auch kein Beinbruch.

Danke im Vorraus

35: Zuviel Ketchup

Es gab nicht viele Anblicke die Gerry aufs Gemüt schlugen, deswegen konnte er auch ohne die Spur eines schlechten Gewissens vor dem aufgestellten Plastikschild der UNICEF stehen, sich das Bild eines verhungernden Babys ansehen und seelenruhig sein viel zu großes Steaksandwich essen von dem die Hälfte im Mülleimer landen würde. >Jeder Cent hilft< versprach das Schild. Gerry sah das Bild des abgemagerten, schreienden, um Nahrung bettelnden Kindes, biss in sein Sandwich und grinste. Weder UNICEF noch Terre des Hommes oder sonst eine Hilfsorganisation würde auch nur einen Penny von den 400 Dollar sehen die in seiner Brieftasche steckten, oder von den 8000 Dollar die im Waffenschrank in seinem Büro neben den Schachteln mit 9mm Munition lagerten. Nicht das er rassistische Motive hatte, das Baby auf dem Foto hätte genausogut weiß oder asiatisch sein können statt schwarz. Es war Gerry schlicht und einfach scheissegal ob ein Kind irgendwo am anderen Ende der Welt den Hungertod starb. Genauso scheissegal war es ihm wenn ein Kind seiner Nachbarn vor Hunger umkam.
>>Furchtbar oder?<< Fragte eine junge Mutter die ihren Kinderwagen vor dem Schild stoppte.
Gerry würgte den Bissen seines Sandwich hinunter.
>>Zuviel Ketchup aber sonst nicht schlecht.<<
Die Mutter sah ihn mit dem Blick an den junge Mütter bekommen wenn man ihnen sagt das ihr Kind aussieht wie jedes andere Baby das man zuvor gesehen hat. Eine Mischung aus Feindseeligkeit und Irritation.
>>Ich meine das Bild.<< Sagte sie mit hörbarem Nachdruck. >>Macht Sie das nicht traurig?<<
Er biss herzhaft ins Fleisch, Steaksoße und Ketchup tropften auf den Gehweg. >>Kein Stück.<< Gestand Gerry mit vollem Mund. >>Sollte es?<<
>>Haben Sie mich gerade gefragt ob das Bild eines verhungernden Kindes Sie traurig machen sollte?<< Fragte die Mutter entsetzt. >>Natürlich sollte es das!<<
>>Warum?<<
>>Weil dieses Kind stirbt!<< Ihre Stimme klang fassungslos. >>Verstehen Sie? Es stirbt!<<
>>Es sterben jeden Tag Menschen, überall auf der Welt, gerade jetzt während wir reden.<<
>>Aber das ist ein Kind. Ein wehrloses, schutzloses, unschldiges Kind.<<
>>Aus einem Flüchtlingslager in Afrika.<<
>>Sind Sie ein Nazi oder warum macht das einen Unterschied?<< Die junge Mutter war entsetzt.
>>Ich bin kein Nazi.<< Das war er wirklich nicht, Rassismus war schlecht fürs Geschäft.
>>Selbst wenn diesem Kind geholfen wird, was ich nicht glaube da es inzwischen tot sein dürfte, ist das keine Garantie dafür das es auch überlebt.<<
Gerry spuckte eine unkaubare Sehne in den Mülleimer am Straßenrand.
>>Woher wissen Sie das Ihr Geld nicht einfach einkassiert wird oder das von ihrem Dollar nicht nur zwei Cent ankommen? Angenommen dieses Kind bekommt zu essen. Wer sagt denn das es nicht an AIDS stirbt, oder in einem Bürgerkrieg umkommt, vielleicht wird es in ein paar Jahren als Kindersoldat zwangsrekrutiert, vielleicht wird es von wilden Tieren gefressen, unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Vielleicht ist dieses Kind ein Mädchen aus Westafrika und wird beschnitten. Haben Sie schonmal gesehen wie so eine Beschneidung aussieht?<<
>>Ich...ääääääh...nein habe ich nicht.<< Gab die Mutter kleinlaut zu.
>>Kein schöner Anblick. Ich habe in vier afrikanischen Bürgerkriegen gekämpft und musste mir so eine Scheiße fast jeden zweiten Tag ansehen, ein Drittel ist an Ort und Stelle verblutet als man ihnen ohne Betäubung mit einer Rasierklinge Klitoris und Schamlippen entfernt hat, ein Drittel ist später an einer Wundinfektion krepiert und das letzte Drittel führt ein Leben von dem ich als Unbeteiligter denke das es kein Leben für eine Frau ist.<<
Der Frau standen die Tränen in den Augen. Gerry warf einen Blick in den Kinderwagen. Das Baby trug eine rosa Wollmütze. Ein Mädchen.
>>Sie waren Soldat?<< Fragte die Mutter schniefend.
>>Ich bin Söldner und habe schon Dinge gesehen die grausamer waren als verhungernde Kinder.<<
Er hatte solche Dinge nicht nur gesehen.
>>Bevor Sie jetzt also einen Dollar in diese Spendendose stecken, sollten Sie sich fragen ob diesem Kind damit wirklich geholfen ist oder ob es nicht mehr bringt ihr Geld zu sparen um Ihrem eigenen kleinen Mädchen nicht ein Paar dicke Socken für den Winter zu kaufen.<<
Gerry ließ die Mutter mit ihrem Kinderwagen vor dem Schild der UNICEF stehen. Ob sie wohl doch noch einen Dollar in die Spendendose werfen würde? Zumindest würde sie es sich jetzt zweimal überlegen.
Doch dann sah er etwas das ihm auf den Magen schlug. Etwas das anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zauberte ließ seine Stimmung tiefer sinken als sie ohnehin schon war. Einen leuchtenden roten Weihnachtsstern, den eine Verkäuferin ins Schaufenster ihres Gemischtwarenladens hing. Weihnachten stand vor der Tür. Gerry hasste Weihnachten. All die fröhlichen Menschen die überall auf der Welt durch die Straßen der Städte wuselten um Geschenke für die Lieben daheim zu besorgen, die Weihnachtslieder in den Radios, die geschmückten Tannenbäume, der Geruch nach Pfefferkuchen und gebrannten Mandeln, Santa Claus und sein HO HO HO, die Weihnachtsfeiern in den Fabriken und Büros, Rudolph the fucking red noses reindeer. Gerry hasste das alles abgrundtief. Weil es ihn daran erinnerte das er niemanden hatte mit dem er am Weihnachtsmorgen Geschenke auspacken konnte, das es für ihn kein fröhliches Familienessen mit Eltern, Geschwistern, Onkeln, Tanten, Großeltern, Cousins und Cousinen gab, das niemand mit ihm auf Weihnachtsmärkte ging um sich im Schnee an Glühwein zu wärmen. Das er niemanden hatte dem er wichtig war. Dieses Weihnachtsfest würde ablaufen wie die letzten acht Weihnachtsfeste auch. Gerry allein mit zwei Flaschen Tequila, einer Kiste Blue Bizon und dem Waffenschrankschlüssel. Vielleicht brachte er dieses mal ja genug Mut auf um den Abzug zu drücken.

34: Und bist du nicht willig

Robert war wütend. Das war gut, denn wütend fickte er besser. Stürmischer, rauher, unbeherrschter. Einfach intensiver. Nadine überlegte ob sie ihn nicht einfach jedes mal wütend machte bevor sie sich ihm hingab, oder besser gesagt, bevor er sie sich nahm. Es hatte viele Männer gegeben an denen sie hatte üben können und diese Übung kam ihr jetzt zu gute. Sie wusste wann sie ihre Muskeln anspannen und wann sie loslassen musste, wann sanfter Druck nötig war und wann es an der Zeit war nachzugeben, wann geschickte Finger und wann eine flinke Zunge nötig war um den Fick entweder herauszuzögern oder zu beenden. So wie sie es wollte. So wie sie es brauchte.
Seit einer Stunde wanden Robert und Nadine sich nun schon verschwitzt, hart und feucht triefend in den roten Satinlaken von Roberts geräumigen Bett in seinem stilvollen greäumigen Schlafzimmer seiner stilvollen geräumigen Wohnung im besseren Teil von Boise. Nadine hatte ihre Orgasmen gehabt, es war an der Zeit die Sache zu beenden. Im richtigen Augenblick straffte sie die Muskeln zwischen ihren Beinen, drückte ihren Daumen zwischen die Stelle zwischen seinen Eiern und seinem Arschloch und bäumte sich auf. Das Happy End spritzte als warmes, feuchtklebriges Ergebniss in sie hinein. Er glitt schlaff aus ihr heraus, rollte sich auf die Seite und rang nach Atem. Sie griff nach einem Taschentuch aus der Box auf dem Nachttisch neben dem Bett um seinen Erguss von den Innenseiten ihrer Schenkel zu wischen.
>>Wenn der alte Shakespeare das gesehen hätte.<< Nadine wischte sich den Schweiß von der Stirn. >>Könnten wir uns bald über ein neues Epos freuen.<<
>>Möglicherweise hat er uns ja gehört.<< Robert rang nach Atem. Was für einen Glücksgriff er mit mit diesem hübschen, intelligenten, geschickten Mädchen gemacht hatte. Es war ein nicht unerheblicher Trost das Robert sie ficken konnte während diesem kleinen Mistkerl, der ihm im Sinfull Inferno in die Parade gefahren war, diese Freude verwehrt blieb. Mit wohliger Genugtuung griff er nach der Wasserflasche am Fußende des Bettes und gönnte sich einen großen Schluck.
Nadine sah grinsend zu wie er die Flasche an den selben Mund führte aus dem die Zunge kam die ihre Klitoris geleckt hatte bis sie stöhnend und zitternd das erste mal gekommen war.
>>Nicht schlecht für einen alten Mann oder?<< Fragte er und reichte ihr die Flasche.
>>Ich bin auf jeden Fall schon schlechter von Kerlen gefickt worden die halb so alt waren wie du.<<
Robert nahm es als Kompliment.
Nadine setzte sich auf den verschwitzten, zerwühlten, befleckten Laken auf und strich sich eine widerspenstige Haarsträhne hinters Ohr. Ja, sie war wirklich schon schlechter gefickt worden.
Robert zog seine ausgewaschene Jeans an, ging ins stilvoll eingerichtete Wohnzimmer und schenkte sich einen Burbon mit Eis aus der Minibar ein. Er trank wenig, und wenn dann um zu genießen, nicht um sich zu berauschen. Glenfiddich, Tullamond Dew, Shivas Reagel, Gouvenors Club Green Label. Das beste war gerade gut genug für seinen empfindlichen Gaumen. Irgendwann, wenn er der Meinung war das Nadine dafür bereit war, würde er sie in die besseren Kreise der Gesellschaft einführen, Kreise in denen man Scotch trank und Zigarren rauchte, Kreise in denen man Handschlaggeschäfte über astronomische Summen vereinbarte. Zweifellos würde er ihr ein Kleid kaufen müssen. Wie gesagt, irgendwann.
In der Küche zischte ein Flaschenverschluss. Nadine trat, nackt weil unbekleidet, an ihn heran und trank einen Schluck Bier aus der Flasche. Robert hatte sich strikt geweigert Bier zu kaufen, Bier war ein Getränk für Proleten und Fußballhooligans. Wenn Nadine also ein kühles Blondes wollte, so musste sie es sich selbst mitbringen und ganz unten im Kühlschrank verstauen damit es ja nicht die exquisiten Lebensmittel verdarb.
>>Herr im Himmel Nadine.<< Fuhr er sie an. >>Musst du in meiner Gegenwart dieses abscheuliche Zeug in dich hineinschütten?<<
>>Ich MUSS nicht, aber ich WILL.<< Gab sie zurück und trank noch einen Schluck.
Robert schüttelte verständnisslos den Kopf. >>Bist du ein arbeitsloser Maurer oder beziehst du Sozialhilfe?<< Fragte er und nippte verachtungsvoll an seinem Burbon.
>>Nein.<< Sie unterdrückte einen, alles andere als damenhaften, Rülpser. >>Ich bin Arzthelferin und verdiene gutes Geld.<<
>>Warum um alles in der Welt trinkst du dann dieses Prologesöff?<<
>>Oh entschuldigt euer Majestät.<< Nadine vollführte einen Hofknicks vobei sie die imaginären Falten ihres nicht vorhandenen Rocks anhob. >>Ich habe ganz vergessen das es euch zuwider ist wenn die einfache Magd das einfache Getränk der einfachen Leute zu sich nimmt. Vergebt mir werter Herr.<<
Robert leerte seinen Burbon. >>Solange du dich als einfache Magd siehst,<< sagte er und zeigte mit dem Finger auf sie der vor kurzem noch nach ihrem G-Punkt getastet hatte. >>wirst du eine einfache Magd bleiben.<< Er stellte sein Glas auf eine Kommode, härter als er vorgehabt hatte.
>>Herrgott nochmal, da versuche ich dich in eine bessere Gesellschaft ein zu bringen und du gibst dir nicht einmal die Mühe dich entsprechend zu benehmen.<<
Sie sah ihn ungläubig an.
>>Machst du mir jetzt eine Szene wegen einer Flasche Bier? Ich meine, es ist EINE Flasche Bier, kein Fass.<<
>>Es regt mich einfach auf das ich versuche dich in die richtige Bahn zu lenken und du, entschuldige den Ausdruck, darauf scheisst.<<
>>Was soll das Robert? Bin ich dir etwa nicht vornehm genug? Ist es das?<<
>>Hör zu.<< Er hob die Stimme. >>Ich bin Professor für europäische Literatur an einer elitären Privatuniversität, wie sieht es wohl aus wenn ich mit einer biersaufenden, fluchenden, Göre mit dem Sozialverhalten einer Mülltonne gesehen werde? Schließlich habe ich einen Ruf zu verlieren.<<
>>Aber du hast kein Problem damit eine, wie du es sagst, biersaufende, fluchende Göre mit dem Sozialverhalten einer Mülltonne zu ficken.<< Warf Nadine ein. >>Ich komme aus einfachen Verhältnissen, ich lebe in einfachen Verhältnissen und ich habe Freunde aus einfachen Verhältnissen.<<
>>Freunde?<< Spie er die Worte verachtlich aus. >>Du nennst dieses Unterschichtengesocks Freunde?<<
Nadine trank die Flasche leer, ging ins Schlafzimmer und zog ihren Slip und ihren BH an.
>>Wer bist du mir Vorschriften machen zu können? Robert? Wer gibt dir das Recht jemanden als Unterschichtengesocks zu bezeichnen?<<
>>Dieses Recht braucht mir niemand zu geben. Ich nenne das Kind nur beim Namen. Die meisten von ihnen sind arbeitslos oder Tagelöhner, sag mir wieviele von ihnen haben feste Arbeit?<<
Nadine ging ihre Freundeskreis im Gedanken durch. Joe und Mike arbeiteten als Trockenbauer, David war Mechaniker für LKW Motoren, Andy Verkäufer in einem Elektronikmarkt, July, Ben, Vanessa und Daniel waren tatsächlich arbeitslos und lebten von 20 Dollar Sozialhilfe im Monat.
>>Die Hälfte etwa.<< Gab Nadine zu und zog den Reissverschluss ihrer Hose zu. >>Deswegen sind sie noch lange kein Gesocks.<<
>>PACKVOLK!<< Brüllte Robert. >>SIE SIND PACKVOLK! Alle zusammen verdienen nicht halb soviel wie ich. Du degradierst dich selbst zu Pack.<<
Sie schloss ihre Jacke und band die Schnürsenkel ihrer Schuhe.
>>Da fällt mir ein, einen habe ich vergessen.<< Sie legte ihren Kopf schräg und verschränkte die Arme vor der Brust. >>Gerry ist Söldner und DU verdienst im Halbjahr nicht soviel wie ER in einem Monat.<<
Robert war sprachlos. >>Welcher von diesen Schmarotzern ist Gerry?<< Presste er hervor.
>>Du hast ihn vor kurzem kennengelernt. Erinnerst du dich an den Abend im Sinfull Inferno?<<
>>Den Abend an dem du mich bis auf die Knochen vor meinen Kollegen blamiert hast?<<
>>Genau diesen Abend meine ich. Der Kerl gegen den du und deine vier hochgeschätzten Kollegen nicht das Geringste ausrichten konntet. DAS war Gerry.<<
Robert entglitten sämtliche Gesichtszüge, er packte das Glas von der Kommode und warf es gegen die Wohnungstür.
>>DIESER KERL IST EINER DEINER FREUNDE?!<<
>>Ein Guter sogar.<< Sie band ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen.
>>Dieser Bastard kann froh sein das ich ihn nicht in der Luft zerrissen habe.<< Robert schlug mit der Faust gegen die Wand.
>>Du kannst mir glauben.<< Nadine klopfte die Taschen ihrer Jacke nach ihren Schlüsseln ab. >>Er hat schon mehr Leute umgebracht als du unterrichtet. Keiner von euch wäre lebend aus diesem Zimmer gekommen.<<
>>Bei alles was gut und heilig ist.<< Robert machte zwei große Schritte durch das Zimmer und presste seine Nase gegen Nadines Stirn. >>Mit was für Leuten umgibst du dich?<<
>>Unterschichtengesocks, wie du sie nennst.<< Nadine roch den sauren Burbon in Roberts Atem. >>Aber ich bin tausend mal glücklicher arbeitslose oder schlecht bezahlte Freunde zu haben mit denen ich Bier saufen und fluchen kann, als nurnoch einen Tag mit einem Haufen arroganter Sesselfurzer zu verbringen die nicht in der Lage sind eigenhändig eine Glühbirne zu wechseln. In diesem Sinne wünsche ich ihnen noch einen schönen Tag Herr Professor Doktor Literaturexperte.<<
Robert packte sie an den Haaren und warf sie auf den Flurteppich. Er zwang sie brutal unter sich, nur um sie zu demütigen öffnette er ihre Hose, schob ihren Slip beiseite und zwängte seinen Finger in sie hinein.
>>Du hälst dich ja für ein unglaublich hartes Miststück oder?<< Fragte er und drückte seine Hand auf ihren Mund um ihre Schreie zu ersticken. >>Dann werde ich dir das wohl auchnoch austreiben müssen.<<

Und bist du nicht willig, so brauch´ ich Gewalt.

Der Erlkönig
-Johann Wolfgang von Goethe-

33: Freier Fall

Stell dir vor du willst deinem Leben ein Ende setzen. Du steigst auf das höchste Gebäude der Stadt. Unter dir rauscht der Verkehr, Autos hupen, Fahrradfahrer schlängeln sich durch die Masse der Fußgänger auf dem Bürgersteig. Du kletterst über die Absperrung und stellst deine Füße auf die Dachkante. Dein Herz rast, deine Hände sind nass vor kaltem Schweiß. Noch einen Schritt weiter und es gibt kein Zurück mehr. Schließt du die Augen? Oder willst du es kommen sehen? Du trittst ins Leere. In den vorbeifliegenden Fenstern siehst du dein Spiegelbild in einer grotesk verdrehten Haltung. Deine Wahrnehmung verlangsamt sich, alles läuft in Zeitlupe, die Welt verliert ihre Farbe bis alles zu einem schwarz-weißes Zerrbild der Realität verkommt. Die stroposkopartige Diashow deines Lebens zieht an deinem Inneren Auge vorbei. Geburtstage, deine Einschulung, Weihnachten mit der Familie, Silversterpartys mit deinen Freunden, du streichelst dein Haustier, Urlaubserinnerungen, Streit, Zorn, Wut, Freude, Angst, Hoffnung, deine erste Liebe, dein erster Job. Gute wie schlechte Erinnerungen laufen in deinem Kopf wie ein Film mit 9,81 Meter pro Sekunde. Dir fallen Dinge ein die dir Freude bereitet haben, Dinge die du gern getan hast, Dinge die du immer einmal machen wolltest. Dinge die du nie sehen wirst. Dinge für die es vor einer Sekunde noch nicht zu spät war. Und während dein Körper unaufhaltsam in die Tiefe fällt bereust du was du getan hast. Es gibt keine Rettung. Superman hat heute frei. Du wirst sterben. Sanitäter werden deine zertrümmerten Überreste vom Asphalt kratzen. Die Bullen werden deinen Eltern die Nachricht überbringen. Wie werden sie es aufnehmen? Wird Dad sich in seiner Trauer und seinen Selbstvorwürfen in den Alkohol flüchten? Wie lange wird Mom brauchen um dieses Trauma zu verarbeiten? Was wird aus deinen Geschwistern? Wie werden sie es verkraften? Wenn überhaupt.
Während du fällst eröffnen sich die Lösungen all deiner Probleme. Liebeskummer, Schulden, eine Last auf deiner Seele. Alles vergessen. Alles nicht mehr wichtig. Du siehst den Beton auf dich zurasen. Das ist das Ende. Und in dem Moment in dem die Steinplatten des Bürgersteiges deine Haut gerade soweit berühten das du spüren kannst wie kalt das Pflaster ist denkst du dir: Hoffentlich tut es nicht weh.

Alles hatte damit begonnen das ich mich zwei Wochen zuvor eines Abends mal wieder sinnlos besoffen hatte. Ich war schlecht drauf und hatte absolut mieserable Laune. Als Nikki überraschenderweise anrief, stellte sie mir eine einzige Frage. >>Könntest du dir mit mir was Ernstes vorstellen?<<
Meine Antwort: >>Sorry aber ich glaube nicht das wir wirklich zusammenpassen, ich mag dich aber ich denke nicht das das mit uns für lange Zeit halten wird.<< Danke Karma, ich hoffe du bekommst Krebs!
Sie hatte wortlos aufgelegt.

Es wäre falsch an dieser Stelle dem Alkohol die Schuld zu geben. Niemand hatte mich gezwungen mich voll zu schütten. Ich hatte eine freie Entscheidung getroffen und war mir klar das ich mir eher früher als später selbst mit meiner Sauferei in die Fresse hauen würde. Die Frage war nicht ob es passierte, sondern wann, und welchen Schaden ich damit anrichtete.
Als ich den Hörer auf das Telefon legte, kaltschte ich aufs Straßenpflaster. Jeder einzele meiner Knochen zersplitterte in tausende kleine Bruchstücke. Brückstücke die sich ins Hirn bohrten und ins Herz.
Ein eine ehrliche Antwort auf eine Frage kann dir die Hand reichen und dich von der Dachkante wegziehen, oder dich am Genick packen und hinunter werfen.
Meine Frage war: Hast du in der Zwischenzeit einen Freund gefunden?
Nikkis Antwort war kurz und direkt: Ja.
PLATSCH. Herzlichen Dank an die Fensterputzer die mein Gehirn von den Scheiben im neunten Stock wischen.
Zwei Buchstaben die mich getroffen hatten als hätte man mir eins mit einem Kantholz verplättet. Game Over. Kein Happy Fucking End.
>>Einen netten Jungen der gerade erst auf das FCE gekommen ist.<< Ich hörte an ihrer Stimme das Nikki lächelte. >> Es hat eben einfach gefunkt.<<
>>Hmmm...<< Mir wollten keine passenden Worte einfallen. In meinem Kopf drehte sich alles. >>Einfach... gefunkt... bleibst du bitte kurz dran?<<
>>Klar.<<
Ich stand von meinem Bett auf, ging an meine Schrankbar und kippte mir das Erste in den Hals das ich in die Finger bekam. Jack Daniel´s. Nach zwei großen Schlucken direkt aus der Flasche setzte ich mich wieder auf mein Bett und lehnte mich mit dem Rücken an die Wand.
>>Gerry?<< Fragte Nikki. >>Das ist doch kein Problem für dich, oder?<<
Was für eine Frage. Ist es ein Problem für dich wenn ich dir in den Kopf schieße? Nein, absolut nicht, nimmst du deine eigene Knarre oder soll ich dir meine leihen?
>>Würde das was ändern?<< Fragte ich zehn Minuten bevor Jack Daniel´s den letzten nüchternen Gedanken für die nächsten drei Monate ablöste.
>>Tut mir leid.<< Sagte Nikki und legte auf. Sie klang traurig.
Da saß ich nun, wie mit einem Vorschlaghammer verprügelt, starrte an das Punisherposter über meinem Wäschekorb und spürte wie sich 40% Alkoholgehalt in meiner Blutbahn ausbreiteten.
Gut gemacht Gerry. Das hast du ja ganz großartig hinbekommen. Du verdammter Vollidiot! Jetzt sitz du da wie bestellt und nicht abgeholt. Wie fühlst du dich? Fühlt sich beschissen an oder? Jetzt hast du eine grobe Ahnung wie Nikki sich gefühlt hat. Sie mochte dich und du mochtest sie, wo war eigentlich dein versoffener Verstand? Das hast du jetzt davon. Was für ein Mann bist du überhaupt? Fährst ein totsicheres Ding an die Wand. Du fühlst dich scheiße? DU HAST ES AUCH NICHT BESSER VERDIENT.
Ich kübelte mir den Rest Jack Daniel´s rein um den Netzstecker zu ziehen. Mit einer Alkoholvergiftung in der Notaufnahme zu landen wäre der krönende Abschluss eines gelungenen Abends. Auf jeden Fall wäre es nicht der Tiefpunkt des Tages.
Frisch gebrochenes Herz, literweise hochprozentiger Alkohol und unbegrenzter Zugang zu Schusswaffen, eine Zusammenstellung die schon etliche Leichensäcke gefüllt hatte. Ich wäre nicht der erste Kerl der sich wegen einer Frau die Hauptbeleuchtung auspustet. Was kann man sich mit 16 sonst noch wünschen?
Ach ja. Vielleicht jemanden mit dem man hätte reden können. Jemanden der sich darum kümmert wie es einem geht.
In den nächsten drei Monaten zog ich immernoch tagsüber meine Aufträge durch, 22 Striche auf dem Bodycount. Abends musste ich mich bewusstlos saufen um überhaupt schlafen zu können. Das Schlimmste waren die Phasen zwischen Vollrausch und Umkippen. Der Moment in dem die Erinnerungen, so verzerrt sie auch sein mochten, am stärksten waren. Wenn dann die Lampen ausgingen hatte ich zumindest für ein paar Stunden Ruhe vor dem Quälgeist in meiner Brust und in meinem Kopf.

Und so findet die Geschichte mit Nikki und mir ihr jähes Ende. Wäre ich cleverer gewesen, wer weiss wohin die Sache geführt hättte. Hätte, wäre, wenn, vielleicht... Illusionen.

Buchempfehlungen 2

Hier noch ein paar Empfhelungen falls die Glotze mal streikt.

Emily Maguire- Zähme mich. Ein gutes Erotikbuch.
Jonathan Nasaw- Blutdurst. Mal was neues im Vampirgenre.
Iceberg Slim- Pimp. Autobiographie eines Zuhälters.
Tucker Max- Arschlöcher kommen immer zuerst. Der wiedergeborene Heiland aller Drecksäue


Hatte viel Spaß beim Lesen.

Gerry

32 Kapitel. Soweit hab ich es noch nie gebracht und wenn es so weitergeht stehen die Chancen gut das die Story dieses Jahr noch ihren Abschluss findet.

Ohne die Ermunterung und das Feedback einer wertvollen und wichtigen Freundin hätte ich das wohl nicht geschafft.
Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei Celastrina bedanken die mir immer mit ehrlicher Meinung zur Seite steht.

Da ich zur Zeit einen längerfristigen Vertrag mit einer europäischen Regierung habe kann ich nicht garantieren das es wie gewohnt jede Woche neue Kapitel geben wird.
Werdet also nicht ungeduldig wenn es wieder einmal länger dauert. Schnapp dir ´n Snikers.

Gerry