38: Übung macht den Meister

Wer war dein Idol als Kind? Wem wolltest du nacheifern. In wessen Fußstapfen wolltest du treten? Einem Musiker? Einem Filmstar? Einem Erfinder? Einem Comichelden? Oder jemand alltäglichem? Wolltest du als Polizist die Unschuldigen schützen und die Bösen hinter Schloss und Riegel bringen, als Feuerwehrmann Menschen aus brennenden Häusern retten oder als Pastor eine Gemeinde führen? Wer auch immer dein Idol war, du wolltest werden wie er oder sie. Seit Gerry ein Buch über ihn in die Hand bekam nahm er sich ein Beispiel an Richard Leonard Kuklinski, dem Ice Man. Sean dagegen fand sein Idol erst spät, mit 38 Jahren. Seinen genialen Mentor, Doktor Quentin Francis. Seit nunmehr zehn Jahren gestattete Francis Sean ihn bei der Erschaffung seiner Werke zu helfen. Zehn Jahre voller Blut, Schweiß und Tränen. Obwohl er nie an den Fähigkeiten oder der Unfehlbarkeit seines Herren gezweifelt hatte, ertappte sich Sean hin und wieder bei verbotenen Gedanken. Anfangs hatte er diese fixen Ideen als Hirngespinste abgetan, allerdings hatten die unfeinen Träumereien ,tief im Verborgenen, Gestalt angenommen. So töricht sie auch sein mochten und egal wie tief er sie begrub. Von Zeit zu Zeit quälten sie ihn, diese unartigen Gedanken. Wie ein Pflanzenkeim stärker aus der Erde tritt, je tiefer man ihn in warmer feuchter Erde vergräbt. Was, Sean fürchtete den Gedanken zu beenden, was... was wäre... was wäre wenn... was wäre wenn Sean selbst ein Werk erschaffen könnte? Würde der Doktor ihn für seinen Tatendrang loben oder würde er Sean strafen weil er sich erdreistete seinem Mentor konkurrenz machen zu wollen? Möglicherweise, nein allein es zu denken kam Hochverrat gleich, aber möglicherweise wäre der Doktor sogar beeindruckt. Sean wusste selbst nicht wielange er diese dummen Vorstellungen vor sich hergeschoben hatte. Doch jetzt wollte er es versuchen. Doch dazu brauchte er Rohstoff. Nichts wirklich Gutes, Gott bewahre wenn er seine dummen Fantasien an einem Rohstoff auslebte der seinem Meister besser gedient hätte. Ohnehin wollte der Assistent nur ausprobieren was wohl passieren würde. Lob oder Tadel. Mehr Möglichkeiten gab es nicht.
>>Tu das nicht! SEAN! Ich warne dich!<< Remus wollte nicht glauben was Sean bereit war zu tun. >>Sean Gregory Vaughn! Ich warne dich junger Mann!<<
>>Du klingst wie seine Mutter. Wie seine Mutter klingst du.<<
>>Fresse Romulus!<< Grunste Remus. >>Schnautze sonst Schacht! Und du Sean, wage es nicht! Wage-es-nicht-das-zu-tun.<<
>>Lass ihn doch einfach machen. Einfach machen lass ihn doch.<<
>>Ihr seid doch krank!<<
>>Ausgerechnet du sagst sowas? Sowas sagst ausgerechnet du?<<
>>Sean! Wenn du das tust lasse ich mir einen Schwanz wachsen in pisse dir ins Gehirn.<<
>>Diese Vorstellung ist erschreckend. Erschreckend ist diese Vorstellung.<<
>>Ruhe da oben!<< Befahl Sean stumm und setzte sich an die Theke der versteckten Kellerbar in einer namenlosen Seitengasse der Stadt. Dafür das die Bar so schwer zu finden war, war reichlich betrieb für einen Wochentag. Im schummrigen Licht tanzten Päärchen zu sanfter Soulmusik. Sean fragte sich ob sein Plan aufgehen würde, ob er mit jemanden ins Gespräch kam um an Material zu gelangen das seine Neugier befriedigen konnte. Tatsächlich dauerte es erfreulich kurz bis der Barkeeper, ein platinblonder samoanischer Hühne in grässlichem roten Hawaiihemd ihm einen Wodka vor die Nase stellte.
>>Tu das nicht Sean!<<
Der Assistent sah verwundert auf das kleine Glas vor sich.
>>Von wem kommt das?<< Fragte er. Der Barkeeper nickte stumm in Richtung eines Tisches. Sean hob das Glas, drehte sich in die angegebene Richtung und prostete dem Mann im schwarzen Zweireiher zu.
>>Schwult der uns an?<< Fragte Remus angeekelt. >>Der schwult uns doch nicht wirklich an oder? ODER?!<<
>>Ich denke doch das er das tut. Das er das doch tut denke ich.<<
Sean kippte den Vodka. Widerliches Zeug. Billig und rau. Sollte er es wirklich wagen? Mumpitz! Was brachte die ganze Sache wenn er nicht bereit war über seinen Schatten zu springen.
>>Hallo.<< Sagte er als er sich neben seine Spender setzte. >>Vielen Dank für den Drink.<<
>>Keine Ursache.<< Der Mann legte seine Hand auf die Schulter des Assistenten. >>Ich habe dich hier noch nie gesehen, bist du neu in der Stadt?<<
>>Ja... neu in der Stadt.<<
>>Du bist Amerikaner oder? Ich höre das an der Art wie du sprichst.<<
>>Ja... Amerikaner.<<
>>Aber aber, nicht so schüchtern. Niemand wird dich fressen, ich bin übrigens Leon.<<
>>Hallo... Leon.<<
Leon sah das Sean nervös war, möglicherweise war er zumersten mal unter Gleichgesinnten. Ach dieses arme verwirrte Schäfchen in einer Welt voller Wölfe.
>>Möchtest du noch etwas trinken mein stummer Freund?<<
>>Ja... noch etwas trinken.<<
Leon nickte, ging an die Bar und bestellte eine Flasche Smirnoff Red. Sean sah zwar nicht gerade gut aus und sein Kleidungsstil war alles andere als modisch. Aber was machte das für einen Unterschied wenn der Abend so lief wie Leon es geplant hatte. Aber nichts überstürtzen. Als erstes galt es den Mantel anerzogener Schüchternheit von den Schultern seines neuen Freundes zu nehmen. So oder so würde es ein interessanter Abend werden.
>>Ich hoffe du hast dir den Arsch gut abgewischt Sean.<< Romulus war speiübel. >>Du bekommst ihn heute von einem Upper-Class-Yuppi geleckt.<<
>>What happens in Vegas stays in Vegas. Stays in Vegas what happens in Vegas.<<
>>Wir sind aber nicht in Las fucking Vegas.<<
>>Das ist doch jetzt Haarspalterei. Haarspalterei ist das doch jetzt.<<
>>Zum Üben reicht er.<< Flüsterte Sean den Stimmen in seinem Kopf zu. >>Übung macht den Meister.<<
>>Und Analsex macht die Schwuchtel. Beschwer dich aber nicht wenn dein Arschloch reisst.<<
>>Du bist ekelhaft Romulus. Romulus ekelhaft bist du.<<
>>Sag das diesem rosaroten Panther hier.<<
>>Ruhe jetzt, er kommt zurück.<<
Leon stellte die Flasche auf den Tisch. >>Da bin ich wieder.<<
>>Lass uns... etwas trinken... Leon.<<
>>Das ist eine gute Idee mein schüchterner Freund.<<
>>Und was dann passiert...passiert dann.<<
Leon lächelte Sean an. Sieh an, sieh an. Möglicherweise würde dieser Abend sogar interessanter als gedacht.
>>Keine Sorge. Es wird nichts passieren was du nicht willst.<<
>>Oder du.<< Sagte Sean und öffnette die Flasche.
>>Oder ich.<< Fauchte Romulus.

10.12.11 21:28

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