44: Das seelenlose Biest

>>Ist allerdings nicht kugelsicher.<<
Nadines Worte und die Erinnerung daran wie sich das Höschen ausgezogen hatte, hatte Gerry lang genug wachgehalten bis es zu spät war um noch echten Schlaf zu finden. Nachdem er zwei Stunden unruhig in seinem Hotelbett vor im Halbschlaf vor sich hingedämmert hatte riss der Radiowecker Konnerly endgültig aus der Nachtruhe. Nachdem er geduscht und sich einen frischen Satz Sachen angezogen hatte war er ohne Ziel durch den leere,, kalten Morgen in Saint Judas gestreift. Allein auf menschenleeren Straßen durch die Dunkelheit zu laufen hatte ihn nur kurz abgelenkt bis der Hunger die Oberhand gewann und Gerry in ein unscheinbares Diner im Stadtpark einkehren ließ. Müde und immer noch angetrunken trank er seine dritte Tasse wässrigen Kaffees und las die Speisekarte um fünften mal. Obwohl er hungrig war hatte Konnerly keine Lust zu essen, aber vor ihm lag ein langer Tag und wenn er schon auf Serienkillerjagd gehen sollte, dann wollte er zumindest etwas anderes im Magen haben als Tullamond Dew.
>>Sie sehen furchtbar aus.<< Quentin schien wie aus dem Nichts auf dem Stuhl neben Gerry aufgetaucht zu sein.
>>Sie sind auch nicht gerade Miss September.<< Gähnte Konnerly und sah auf den Boden seines Kaffeebechers. >>Verfolgen Sie mich?<<
>>Logisches Denken.<< Francis hob seine Hand um die Kellnerin heranzuwinken. >>Sie waren heute Morgen nicht im Hotel, ich habe angerufen, das Hotelrestaurant öffnet erst um sieben und die einzige Möglichkeit davor etwas zu essen zu bekommen ist die Exxon-Tankstelle hinter der Stadtgrenze oder dieses Diner.<<
Gerry warf einen Blick auf seine Uhr. Zehn nach sechs, Zeit den Tag zu beginnen.
>>Ich gehe mal davon aus das Sie nicht nur hier sind um mit mir zu frühstücken.<< Gerry klopfte eine Zigarette aus der Packung.
>>Oh, ich würde schon gern mit Ihnen frühstücken.<< Francis griff nach der zweiten Speisekarte im kleinen Metallstände in der Tischmitte. >>Vielleicht lernen wir uns dabei etwas besser kennen. Möglichweise werden wir ja Freunde.<<
Gerry ließ sein Feuerzeug aufschnappen, das Zischen der Zigarettenspitze in der Flamme klang wohlig vertraut. Er nahm einen tiefen Lungen und stieß den Rauch durch die Nasenlöcher.
>>Hören Sie Mainard.<< Streckte sich, unter seiner Schulter blitzte der schwarze Griff der Beretta unter seiner linken Schulter. >>Ich bin keiner Ihrer Darsteller. Ich bin nicht Ihr Partner und am allerwenigsten bin ich Ihr Freund. Sie bezahlen mich dafür etwas zu tun und ich tue es. Wenn der Job erledigt ist bin ich weg, und falls Sie sich nochmal an mich wenden dann haben Sie entweder einen Auftrag für mich oder ein Gratisabo auf Lebenszeit.<<
Der Doktor war erstaunt darüber wie der kleine Söldner mit seinem Auftraggeber redete. Entweder war nicht ansatzweise so gut wie er es von sich behauptete, oder noch besser.
>>Sie sind sehr direkt Mister Konnerly.<< Bemerkte Francis und legte die Speisekarte vor sich auf den Tisch. >>Leider sind Sie wenig diplomatisch.<<
>>Wenn Sie jemanden wollen der diplomatisch ist, holen Sie sich einen Diplomaten.<< Gerry kratzte seinen Nacken. >>Wenn Sie jemanden wollen der die Sache zuende bringt bin ich der richtige Mann für den Job.<<
>>Obwohl Sie noch recht jung sind.<< Warf Quentin ein.
>>Entscheidend ist die Erfahrung, nicht das Alter.<<
>>Kommt Erfahrung nicht mit dem Alter?<<
>>Nicht zwangsläufig. Erfahrung bekommt man dadurch das man etwas tut, die richtigen Schlüsse zieht und beim nächsten mal Fehler vermeidet.<<
>>Denken Sie sie haben genug Erfahrung um sich dieser Aufgabe zu stellen? Immerhin ist derjenige der die Bilder geschossen hat ein finsterer Geselle.<<
Gerry schnippte seine Zigarettenasche in den Aschenbecher neben dem Salzstreuer. >>Finster?<< Fragte er müde. >>Dieser Kerl ist ein durchgedrehter Irrer mit medizinischen Kenntnissen und einem Satz veralteter Stahlklingen die er entweder aus einem Krankenhaus geklaut oder für 6 Dollar auf dem Flohmarkt gekauft hat. Finster. Arschgeleckt. Ich habe in Brazilien einem schwangeren Teenager mit einem Teppichmesser den Kopf abgeschnitten weil man 15 Dollar darauf gewettet hat das ich es nicht tun würde.<< Konnerly zog an seiner Zigarette. >>Sie sprechen also nicht mit Mutter Theresa. Ich bringe Ihnen diesen Kerl. Was Sie dann mit ihm machen ist nicht mein Problem. Hacken Sie ihn in Stücke oder ficken Sie ihn in den Arsch. Ist mir vollkommen egal.<<
Francis Schläfen pochten, er spürte kalten Schweiß seinen Rücken hinunterlaufen. Er dankte der Fügung des Schicksals dafür das dieser Unmensch seinen Weg gekreuzt hatte. Gottes Wege sind sonderbar. Denn jetzt erkannte der Doktor das es nicht nur ein Gefallen für die Menschheit wäre diesen Barbaren in ein Kunstwerk zu verwandeln. Gefallen kann man jemandem tun, oder auch nicht. Nein. Es war eine Notwendigkeit. Strafe und Lohn zugleich. Die Wiedergutmachung für all die Gräultaten dieses Monsters namens Gerry Konnerly. Ein schwangeres Mädchen, ein voller Lebensfreude, mit Plänen und einem Namen für das ungeborene Kind. Sie schreit und schlägt panisch um sich. Tränen laufen über ihr vor Todesangst und Schmerz verzerrtes Gesicht während der Dämon die Klinge durch ihren Hals marodiert. Francis fragte sich was für ein Mensch zu soetwas fähig wäre. Nein. Ein Mensch könnte soetwas nicht über sich bringen. Konnerly war ein Ungeheuer das aufgehalten werden musste. Und Doktor Quentin Francis würde die ehrenvolle Aufgabe übernehmen und den Drachen, das seelenlose Biest, mit Freuden erschlagen.

24.1.12 19:22

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