45: Such dir ´ne Nutte

>>Such dir ´ne Nutte.<< Hawk trank sein Bier aus und warf die Flasche so fest es konnte in die Nacht. Irgendwo in einer Gasse, zwischen streunden Katzen und überfüllter Müllcontainern, zerplatzte sie auf nassem Asphalt. Hawk hatte nicht viele komische Angewohnheiten, einmal von seinem übermenschlichen Kaffeekonsum und seiner stoischen Gelassenheit abgesehen war das Wegschleudern seiner leeren Bierflaschen die einzige Angewohnheit die irgendwie auffiel. Ich war 19 und der dritte Mann in einem Scharfschützenteam das aus Hawk, dem Schützen, Bacon dem Aufklärer und mir, dem Nahverteidiger bestand. Wir waren ein Urban Sniping Squad, eine Scharfschützengruppe für Aktionen in stark bebautem Gebiet. Unser Codename war Sewer Rat, weil wir unsere Positionen zum größten Teil durch Abwasserkanäle erreichten die bis zum bersten mit dem gefüllt waren womit Abwasserkanäle nunmal gefüllt sind. Wer auch immer gesagt hat es gäbe keine undankbaren Aufgaben war noch nie bei starkem Regen in einem Abwasserkanal. Bacon war jemand der viel und vor allem lange schlief weswegen er uns auf dem Dach des leerstehenden Hotels keine Gesellschaft leistete um mit uns Hawks 200ten Abschuss zu feiern.
Ich weiss nicht mehr wie wir auf das Thema gekommen sind, jedenfalls hatte ich ganz nebenbei erwähnt das ich noch Jungfrau war. Oder Jungmann. Oder wie man diesen Zustand, auch nennt. Ich persönlich hatte kein Problem damit, deshalb verstand ich auch nicht warum alle anderen redeten als wäre es eine Krankheit.
>>Bei ´ner Nutte gibt es keine Probleme.<< Hawk fischte eine weitere Flasche Beck´s aus dem Kasten. Ich zuckte mit den Schultern und spuckte vom Dach.
>>Wo kriegen wir jetzt ´ne Nutte her?<< Fragte ich Hawk der immernoch in die leeren Straßen Kabuls sah.
>>Heute nicht. Vielleicht morgen oder im Laufe der Woche. Brauchst dich um nichts zu kümmern, ich erledige das für dich.<< Hawk machte die Sachen richtig die Otis immer versaut hatte, er war ein guter Soldat UND ein guter Freund. Einen Moment lang fragte ich mich aus welchem Hut Hawk hier, mitten in Afghanistan, eine Hure zaubern wollte. Hawk war ein cleverer Bursche aber Wundern konnte selbst er nicht.
>>Aber erwarte nicht diesen Hardcorescheiß den du aus den Pornos kennst. Ich kenne zahllose Frauen und keine Einzige von ihnen nimmt einen Schwanz in den Mund der gerade noch in ihrem Arsch steckte. Außerdem spendier ich dir ´ne Flasche Jack Daniel´s wenn es länger dauert als fünf Minuten.<<
>>So kurz?<< Fragte ich Hawk.
>>Vielleicht sogar noch kürzer, vielleicht kriegst du ihn auch gar nicht erst hoch.<<
>>Du verarschst mich.<<
>>Nein Mann. Hast du >Der Soldat James Ryan< gesehen? Den Kriegsfilm?<<
>>Ja, hab ich gesehen.<<
>>Dein Schwanz ist wie einer der Soldaten in den Landungsboten.<< Hawk streckte sich müde, er rieb sich den Schlaf aus den Augen, stellte sich auf die Brüstung und pinkelte, gelassen als wäre es vollkommen normal, 42 Stockwerke tief. >>Sie wurden geboren, sind aufgewachsen, waren auf der Schule, wurden in die Armee eingezogen, wurden trainiert und ausgebildet, schippern zu Tausenden über den gesamten Atlantik um Europa zu befreien, steigen voller Tatendrang und Hoffnungen in das Landungsbot und werden, kaum das die Rampe herunter gelassen wird, niedergemäht. Das ganze Training und all die Vorbereitung waren am Ende ... und dann haben sie nicht einmal am Gefecht teilgenommen.<< Er zeigte mit seinen Fingern auf mich, so als würde er eine Pistole halten, und machte ein ratterndes Geräusch.
>>Das erfüllt mich nicht gerade mit Zuversicht.<< Gestand ich und leerte mein Bier.
>>Deswegen ist eine Nutte für den ersten Versuch auch am besten geeignet. Egal wie schlecht du bist, du brauchst sie hinterher nie wieder zu sehen.<<
In meinen Augen machte das Sinn.
>>Gerry, ich will dir jetzt nicht den Mut nehmen. Aber ich will dich auch nicht in offene Messer laufen lassen. Wenn du willst versuch ich was für dich zu organisieren. Wenn nicht, dann lass ich es sein und dieses Gespräch hat nie stattgefunden.<<
Das Komische an der Sache war, dass ich wirklich Bedenken hatte. Ich hatte bis dahin 211 Menschen getötet, das größte dem Menschen bekannte Tabu gebrochen, ohne das ich mir noch große Gedanken darum machte. Durchladen, zielen, abdrücken. Ganz einfach.
Aber als es darum ging zu tun was Menschen seit Anbeginn ihrer Entstehung tun um das Fortbestehen ihrer Art zu erhalten, bekam ich kalte Füße. Seltsam wie das Leben so spielen kann.
Ich trank meine Flasche aus und nickte.
Hawks Flasche platzte auf der Straße unter uns.


Während meiner Zeit in der Army bin ich so ziemlich alles gefahren was einen Motor hat, vom Moped bis hin zum 65-Tonnen-Kampfpanzer. Am meisten Spaß machte das Fahren mit M809 Trucks, was zum Großteil an der eingebauten Klimaanlage und dem CD-Radio lag. An diesem Tag übernahm ich die Tour für einen ausgefallenen Fahrer und lieferte eine Ladung Munition nach Masar-I-Sharif. Sechs Stunden hin, vier Stunden Pause, sechs Stunden zurück, quer durch einen der gefährlichsten Landstriche der Welt. Kein Beschuss. Keine Sprengfalle. Nicht einmal ein lumpiger Stein der vom Straßenrand auf mich geworfen wurde. Fast schon langweilig.
Wiederzurück im Camp parkte ich den Laster im Fuhrpark, ging zum Essen und gönnte mir eine lange, heiße Dusche. Den Rest des Abends wollte ich allein in meinem Wohncontainer verbringen, mit einem SixPack Fosters, einer MaxiBox Marlboro und dem neuesten Auswurf der HBO-Hollywood-Realität im kleinen Fernseher über der Tür für den ich ungelogen 15 verschiedene Formulare unterschreiben musste. Con Air und Face/off hatte ich bereits geschafft und gerade als Nicolas Cage als Yuri Orlov seine erste Uzi-Maschinenpistole in Lord Of War verkaufte klopfte es an meiner Tür.
>>Ist offen!<< Rief ich da ich Hawk oder Bacon erwartete.
Sie war irgendwas zwischen 26 und 29, keine Traumfrau aber auch nicht unansehnlich, vielleicht 1,75 groß und 60 oder 65 Kilo schwer, sie hätte noch ein paar Punkte herausschlagen können hätte sie eine andere Frisur gehabt als diesen nichtssagenden 08/15-Militärhaarschnitt, Ohren und Nacken frei damit der Helm auch richtig passt. Am wunderlichsten war allerdings das sie in einer britischen Uniform steckte.
>>Hi.<< Sagte sie und ließ sich selbst hinein. >>Ich bin Paula.<< Anscheinend erwartete sie eine Reaktion. Als von meiner Seite aus nur ein fragender Blick kam schob sie nach >>Hawk sagt du wärst gestresst und bräuchtest eine Massage.<<
Ääääääääh... was?
>>Komm.<< Sagte Sie. >>Setz dich aufs Bett.<<
Tja, Scheiße. Wenn du an einen Unfallort kommst und der Rettungssanitäter dir sagt du sollst den Infusionsbeutel halten dann widersprichst du nicht. Also setzte ich mich auf mein Bett und Paula begann meine Schultern zu massieren. Und das tat sie auch wirklich gut. Nach ein paar Minuten lag ich auf meinem dienstlich gelieferten United States Army- Standartbett und sah Paula dabei zu wie sie sich nach und nach aus ihrer Uniform schälte. Bluse, Stiefel, T-Shirt, BH, Hose, Slip und Socken. Da stand eine nackte Frau vor mir und was passierte (ich richte jeden eigenhändig mit einem Kopfschuss hin der jetzt lacht)? Mein Penis streikte. Schlaff wie eine gekochte Spaghetti. Ladehemmung. Systemfehler. Kolbenfresser. BlueScreen.
Paula kroch zu mir aufs Bett, öffnete meine Gürtelschnalle, zog den Reißverschluss meiner Hose hinunter und griff in meine Unterhose. Sie massierte meinen Schwanz bis er eine ausreichende Härte hatte und setzte sich auf mich. Sie war warm und weich, aber trocken wie ein Sandkasten im Hochsommer. Sie ritt mich unter übertriebenem Stöhnen und Hecheln. Ich bezweifle das sie jeh einen Oscar für ihre Darbietungen bekommen hat. Je länger es dauerte, desto feuchter wurde sie und desto leichter ging die Sache von statten. Nach ein paar Minuten zum warm werden wechselten wir in die Missionarsstellung. Die ganze Zeit fragte ich mich >>Und das ist es? Darum machen alle so einen Aufriss?<< Ich war irgendwie enttäuscht. Möglicherweise hatte ich zuviel erwartet oder ich war durch den Dauerkonsum von Hardcorepornos zu abgestumpft um die Wahrheit zu erkennen. Als Paula wieder ging fühlte ich mich... kein Stück anders als zuvor. Kein.... verschissenes .... bisschen... anders. Im Nachhinein betrachtet hatte ich vielleicht die falsche Partnerin oder die falschen Gründe oder vielleicht war ich im Töten einfach besser als im Ficken, aber mein erster Sex war alles andere als der krönende Abschluss der Mannwerdung den uns die Medien versprechen. Nicht das ich es bereue, ich hatte nur eben etwas anderes erwartet.

27.1.12 23:38

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