Mein Vater hatte noch ein letztes Ass im Ärmel. Als der Sheriff sich vor der Gift und Galle speienden Menge in Pose warf und die Anklageschrift und das Urteil verlas als wäre er frisch von einem mittelalterlichen Schaffot importiert, trat Dad ihm volles Brett in die Eier. Ich habe nie wieder so gelacht wie in den drei Minuten die der Sheriff brauchte um, flennend wie ein kleines Mädchen, wieder auf zu stehen.

Dann legten sie ihm die Schlinge um den Hals und zwangen mich zu zu sehen wie sie ihm den Hocker unter den Füßen wegtraten. Dad war noch nie feige gewesen und selbst jetzt, in dem Sekundenbruchteil bevor sich das Seil um seinen Hals straffte, grinste er triumphierend.

>>Du darfst niemals wegsehen Junge.<< Sein Genick gab mit einem ekelhaften fleischigen Knacken nach. Damit war, wie sie es nannten, der Gerechtigkeit genüge getan und sie ließen Dad noch eine Weile zur Abschreckung und als Warnung für Neugierige am Galgen auf dem Marktplatz hängen.

Ich war damals erst zwölf Jahre alt, deshalb konnten sie mich weder aufhängen noch einsperren oder zur Zwangsarbeit verknacken, und irgendein mieser sadistischer Bastard einer blutpissenden Niggerhure kam auf die Idee mich in die Verbannung zu schicken. Wenn sie mich schon nicht hinrichten konnten, dann sollte ihnen die Natur diese Sache abnehmen. Früher oder später, so war jedenfalls ihr Plan, würde ich verhungern oder einem Marauder zum Opfer fallen.

Es reichte ihnen nicht einfach mich zum Sterben, allein und ohne irgendwas, in die Welt zu schicken, nein, sie wollten das die Leute wussten das ich verbannt wurde. Verbannte haben keine Rechte. Niemand hilft ihnen wenn sie in der Scheiße stecken. Verbannte sind Freiwild. Man kann ihnen antun was man will und kommt ungeschoren aus der Sache raus. Um es mal deutlich zu sagen: Man könnte einer verbannten Frau, am hellichten Tag vor aller Leute Augen, einen Lötkolben in die Möse stecken, und niemand würde sich auch nur danach umdrehen.

Sie brannten es mir mit glühenden Eisen auf die Brust, von einer Schulter zur anderen. BANNED. In großen, breiten Buchstaben. Ich werde diese Schmerzen nie wieder vergessen. Es war schlimmer als angeschossen zu werden oder sich einen Fingernagel aus zu reissen. BANNED. Sechs Buchstaben bei denen ich viermal das Bewusstsein verlor und fast an einer verdammten Infektion krepiert wäre. Möglicherweise gehörte das zum Plan.

Gädigerweise, wäre der Boden nicht so dreckig würde ich jetzt einen Kniefall machen, gaben sie mir drei Tage um mich von der Tortur mit den glühenden Eisen zu erholen. >>Erholen<< bedeutet das ich einmal am Tag einen halben Liter Wasser und einen kanten hartes Brot bekam, das auch schon so aussah als würden nicht einmal mehr die Schweine es fressen.

Dann packten sie mich an den Füßen und schleiften mich, quer durch das Dorf, vor die Stadtgrenzen. >>Hiermit erkläre ich dich für auf lebenszeit aus der Gemeinschaft verbannt.<< Sagte der Sheriff der meinen Vater gehängt hatte, jetzt zwei Oktaven höher als man es gewohnt war, spukte mir ins Gesicht und machte Platz für den Bürgermeister damit er mir ins Gesicht spuken konnte. Es folgten der Gemeindepfarrer, der Sprecher der Handelsbrigarde, der Major der Stadtwache. Einfach jeder der irgendwie, irgendwo, irgendwann, irgendwas zu sagen hatte oder dachte etwas zu sagen zu haben. Als der Letzte von ihnen fertig war lag mein Gesicht unter einer dicken Schicht stinkenden, warmen Schleims bedeckt. Naja, es hätte schlimmer kommen können, zumindest haben sich mich nicht auf den Boden geworfen und vollgepisst.

>>Die Wachen und Konstablen haben die Anweisung,<< Der Major der Stadtwache hätte mir am liebsten nochmal in die Fresse gerotzt. >>dich ohne Vorwarnung zu erschießen, solltest du bis Mitternach das County nicht verlassen haben.<< Seit Tagen regnete es sinnflutartig, Blitze zuckten durch die tief am Himmel liegenden schwarzen Wolken. Ich hatte keine Ahnung wie spät es war, schätzte etwa fünf oder sechs Uhr nachmittags. Ich hatte also keine sechs Stunden um das County zu verlassen, die Grenze lag 20 Meilen entfernt und der tagelange Regen hatte den Boden in knietiefen Schlamm verwandelt in dem man bei jedem Schritt stecken blieb. Zweifellos würden sie, eine Minute nach Mitternacht, einen Trupp Wachen losschicken um mich zu suchen und, wenn sie mich fanden, an einen Baum zu binden und zu erschießen.

Ich wischte den klebrigen Rotz aus meinem Gesicht, drehte mich um und lief in die Richtung in der ich die Countygrenze vermutete. Die Zeit war knapp und alles um mich herum hatte sich gegen mich verschworen. Ab jetzt sollte alles nurnoch schlimmer werden.