Seit sich der Besitzer mittels einer Flasche Whisky und einer Schrotflinte von seinen chronischen Depressionen kuriert hatte, hielten sich die Mietkosten in einem erträglichen Rahmen. Das viergeschossige Backsteinhaus lag günstig gelegen zwischen einer Bar und einem Waffengeschäft, mit einem recht guten Bordell auf der anderen Straßenseite. Was Gerry anbelangte, konnte die Lage gar nicht besser sein.
>>Liebe Einbrecher.<< Warnte das an die Eingangstür geklebte Pappschild. >>Die Mieter dieses Hauses ist ein arbeitsloser (also fast ununterbochen anwesender) gewaltätiger Psychopath mit einem schweren Alkoholproblem der das Geld für eine Hausratsversicherung lieber in Schusswaffen und Munition invenstiert hat und sich weigert zu seinen Theapiesitzungen zu gehen.<<
Tatsächlich waren in den drei Jahren, die Gecko nun schon in diesem Haus lebte und arbeitete, nur zweimal Leute bei Konnerly eingebrochen. Beide male konnte die Miliz die Einbrecher, beim Eintreffen bereits hübsch in schwarze Säcke verpackt, direkt in die Leichenhalle fahren. Gecko war niemand der 911 wählte.
Nach dem ersten Jahr als freiberuflicher Söldner war Gecko das Chaos seines Büros über den Kopf gewachsen, also hängte er einen Zettel an die Straßenlaterne vor der Eingangstür und führte bereits am nächsten Tag das wohl kürzeste Bewerbungsgespräch aller Zeiten.
>>Kannst du lesen?<< Hatte er Meagen, ein attraktives Country Girl aus Omaha, gefragt.
>>Ja.<<
>>Du hast den Job.<<
Kurz und schmerzlos. Seit diesem Tag verdiente Meagen monatlich 70 Dollar, mehr als ein Schichtleiter einer Fabrik, damit wenige Briefe zu öffnen, kaum Telefonate zu führen und das Büro davor zu bewahren im nie endenwollenden Strom aus Pizzaschachteln, Bierdosen, Zigarettenpackungen und lose herumliegender Munition unterzugehen. Ein guter Job wenn man den Stress verkraftete.
Gerry betrat das Büro, ungewohnt früh, um halb elf Uhr am Morgen. Als sein eigener Chef konnte er es sich leisten zur Arbeit zu kommen wann er wollte oder sich frei zu nehmen wenn ihm der Sinn danach stand. Allein der Job, bei dem er Gerome Allbright 60.000 Dollar abgeknöpft hatte, hatte einen Reingewinn von 750 Dollar in die Kassen des Zweimannunternehmens Full Metal Solutions gebracht. Meagens Weihnachts-und Urlaubsgeld war gesichert.
>>Morgen Meg.<< Sagte er und warf die Tür hinter sich zu.
>>Wohl eher Mahlzeit Gerry.<< Antwortete die Sekretätin und hielt ihm einen braunen Papierumschlag unter die Nase. Gecko riss den Umschlag gierig auf und ließ den Höhepunkt des Monats in seine Hände gleiten. Die neueste Ausgabe von Cunts ´n´ Ammo, einer Kreuzung zwischen einem Militärkatalog und dem Hustler Magazine. Auf dem Titelblatt räkelte sich eine brünette Schönheit, einzig und allein mit einem Paar beiger Kampfstiefel bekleidet, neben der Bordkanone eines sowjetischen Schützenpanzers. Oxana Lukinowa- So heiss ist Russland wirklich. Gecko setzte sich auf das dunkelviolette Sofa an der Wand, legte die Füße auf den Couchtisch und wittmete sich ganz seinem Hochglanzmagazin.
>>Warum bestellst du diesen Mist überhaupt?<< Fragte Meagen als sie Gerrys breites Grinsen und vor Freude glänzenden Augen sah. >>Das ist eine Wichsvorlage für Waffenfetischisten.<<
>>Damit hast du gerade deine eigene Frage beantwortet.<< Er ließ sein Feuerzeug aufschnappen und las den, sehr aufschlussreichen, Artikel über 20 Sexstellungen in Campingzelten bei der ersten Zigarette der neuen Packung.
>>Ihr Männer seid allesamt schwanzgesteuerte Schweine.<<
>>Erstens.<< Gecko hob schulmeisterhaft den Finger. >>Solltest du nicht alle Männer über einen Kamm scheren. Und zweitens: Jupp.<<
>>Deine Mutter würde sich im Grabe umdrehen wenn sie wüsste was für Schund du dir antust.<<
>>Von mir erfährt sie nichts.<<
Das Telefon auf Meagens Schreibtisch klingelte. >>Full Metal Solutions. Guten Morgen. Ja er ist hier...einen Moment bitte.<< Die Sekretärin legte die Hand auf die Sprechmuschel des Höhrers. >>Detective Fisher.<< Sagte Sie. >>Er will wissen ob du nüchtern genug bist um bei einer Verhaftung zu helfen.<< Eine berechtigte Frage da Gerry die Angewohnheit hatte die Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen mit ein paar kalten Dosen Blue Bizon Premium zu überbrücken wenn er gelangweilt war. Oder gestresst. Oder traurig. Oder glücklich.
>>So nüchtern wie am Tag meiner Geburt.<<
>>Ob das eine verlässliche Aussage ist?<< Meagen nahm die Hand vom Höhrer. >>Ja Detective, nüchtern wie man es nur sein kann...nein ehrlich... trocken wie die Sierra Nevada...wenn ich es Ihnen doch sage...ja Detective...okay...okay...verstanden ich werde es ihm ausrichten. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und viel Erfolg. Passen Sie auf sich auf Elliot.<< Meg legte auf und sah ihren Arbeitgeber lange und durchdringend an.
>>Was ist?<< Fragte Gerry, legte das Heft (auf das er sich jeden Monat freute wie ein kleines Kind auf den Weihnachtsmann) auf den Couchtisch und drehte das Kombinationsschloss seines Waffenschrankes.
>>Fisher wollte mir nicht glauben.<<

Für Elliot Fisher, ein erfahrener Detective der Boise Local Milicia mit buschigem grauen Schnurbart und seinem Alter von 55 Jahren entsprechenden Bauchumpfang, war Gerry ein notwenidges Übel. Die Befugnissgewalt der Miliz endete genau einen Mikrometer hinter den Stadtgrenzen, deswegen wurden, von der obersten Führungsebene stillschweigend akzeptiert, Söldner für Verhaftungen außerhalb des Machtbereiches angeheuert. Dieses Verfahren hatte einige Vorteile. Söldner waren weitaus günstiger als ein städtisches Zugriffsteam. Sie waren nicht an die strengen Regeln und Dienstvorschriften gebunden. Und niemand stellte Fragen wenn ein Söldner bei einer riskanten Aktion, die die Miliz den eigenen Leuten nie und nimmer genehmigt hätte, ums Leben kam.
>>Wir sind nur für Verbrechen INNERHALB der Stadtgrenzen zuständig.<< War die Standardausrede des Pressesprechers wenn etwas schief ging. >>Was AUSSERHALB dieser Stadt passiert ist nicht unser Bier.<<
Wie immer und überall wusch auch in Boise eine Hand die Andere und deshalb konnten sich Söldner darauf verlassen, nie wegen eines Verbrechens auch nur zur Befragung durch die Polizei geladen zu werden. Eine Win-Win-Situation für beide Parteien. Die Polizei konnte einen Verbrecher mehr in Ketten oder einem Leichensack vorweisen und die Söldner konnten, wenn sie es nicht hoffnungslos übertreiben, tun und lassen was sie wollten.
>>Es wäre schön<< Raunte Fisher hinter dem Lenkrad seines Streifenwagens >>dieses mal einen Verdächtigen vorweisen zu können der nicht in Plastik verpackt ist.<<
>>Habe ich jemals übertrieben?<< Fragte Gecko und warf den Filter seine Zigarette aus dem Beifahrerfenster.
>>Der Methdealer in der Maple Avenue?<<
>>Ah-Buhuuu.<< Konnerly verdrehte die Augen. >>Ein tragischer Verlust für die Gesellschaft.<<
>>Ich meine es ernst Konnerly.<< Zischte Elliot. >>Liefer uns den Kerl in einem Stück und mit Puls ab.<<
>>Okay okay. Wenn dir soviel daran liegt.<<
>>Ja bitte. Versuch es wenigstens.<< Bat Detective Fisher und bereitete sich innerlich bereits darauf vor menschliche Überreste mit einer Schneeschaufel von einem Boden kratzen zu müssen.