>>Soweit sogut.<< Gerry hob seinen Kopf gerade genug um über das wuchernde Unkraut des Feldes zu blicken. Es hatte fast eine Stunde gedauert die erste Hürde zu nehmen, und durch das Feld zu kommen ohne erschossen oder in die Luft gejagt zu werden, war noch der einfachste Teil dieses späten Vormittags.
>>Soweit sogut...<< Doch kaum hatte er ein Problem gelöst, tat sich ein anderes auf. Wie sollte ins Haus kommen? Durch die Türen zu gehen kam Selbstmord gleich. Gerry hatte bereits die hinterlistigsten Fallen gesehen, die Möglichkeiten waren unbegrenzt wenn man kreativ war und handwerkliches Geschick mitbrachte. Fenster waren kaum besser. Konnerly kam eine Idee.Wenn er nicht wusste ob Türen und Fenster explodierten sobald man sie anfasste, konnte er immernoch selbst dafür sorgen, dass sie es taten. Er legte den kleinen Hebel an der Seite des M203 auf >>Feuer<<, ein breites Grinsen in seinem knabenhaften Gesicht. Dann zog er den Kolben seines Gewehrs fest in die Schulter, schloss ein Auge und legte auf die Hintertür des verfallenen Farmhauses an. Die Chancen standen gut das das Haus den Einschlag der 40mm Granate nicht überstehen würde. Aber was solls? Gerry war nicht gerade für sein Feingefühl bekannt, umsonst nannten ihn die Männer und Frauen der Miliz nicht >>Mister Overkill<<. Denn genau das war Gerry, ein erklärter Fan des Overkill. Immer mehr als nötig und am besten viel zu viel.
Sein Finger legte sich auf den kalten Stahl des Abzugs. FUMMP-Ein Wimpernschlag Stille-BAMM. Die Tür verschwand in einer weißgrauen Staubwolke. >>Whatever it takes.<< Dachte Gerry, sprang auf und warf sich durch die Tür. Was auch immer es kosten mag.
Hecktische, unvollständige Satzfetzen dröhnten aus dem Funkgerät in Geckos Schutzweste.
>>Ja super.<< Knurrte Gerry und warf einen prüfenden Blick in das leere Zimmer. >>Quatscht ruhig alle gut hörbar in eure Quäken. Ich bin es ja nur der hier den Kopf für euch hinhält.<<
Doch kaum war der Gedanke vollzogen wurde Gecko klar, egal wie sehr die Milizionäre in ihre Funkgeräte brüllten, wer auch immer vielleicht zuhörte wusste bereits das Gecko zu Besuch da war.
>>SCHAHATZ!<< Brüllte Gecko einzig und allein um seinem Ruf gerecht zu werden. >>ICH BIN ZU HAUSE!<< Und er hatte Freunde mitgebracht. 180 um genau zu sein.

>>Los leg ihn um! Mach schon. Leg das kleine Schweinchen um. Knall ihn ab. Knall ihn ab!<< Romulus wollte Blut sehen. >>Dieses kleine Schweinchen schüttelt den Baum. Dieses kleine Schweinchen sammelt die Pflaum´. Dieses kleine Schweinchen füttert den Pudel. Und DIESES kleine Schweinchen fängt sich ´ne Kugel.<<
>>Das ist eine schlechte Idee. Eine schlechte Idee ist das.<< Protestierte Remus.
>>Bullshit!<< Hätte Romulus doch nur Hände um seinen Bruder schlagen zu können. >>Mach die Sau kalt. Kalt machen. Kalt machen. KAAAAAAAAALT MAAAAAAACHEEEEEEEEEN!<<
>>Und wie soll er das machen? Machen soll er das wie?<<
Wie gern hätte Sean die Stimmen angeschrien um sie verstummen zu lassen. Leider blieb ihm in den Engen der schmal berechneten Zwischenwand, die das alte Wohnzimmer vom alten Esszimmer trennte, kaum genug Platz um einen Atemzug zu tun. Geschweige denn seine lädierte AMD 65 auch nur ansatzweise in einen kampffähigen Anschlag zu bringen.
>>Dieser Typ ist schneller. Schneller ist dieser Typ. Er wird einfach durch die Wand schießen. Einfach durch die Wand schießen wird er.<<
>>Wird er nicht! Halt dein verhurtes Schwanzlutschermaul Remus<<
>>Ganz einfach durch die Wand. Durch die Wand ganz einfach.<<
>>MAUL REMUS. Grosses M, grosses AUL!<<
>>Jungs, jetzt haltet bitte bitte die Klappe.<< Flehte Sean stumm. Remus hatte zweifellos Recht, Romulus ließ sich aber nicht so einfach zum Schweigen bringen. Er war ein hartnäckiger kleiner Bastard einer imaginären Stimme.
>>Mach das Schwein platt.<< Bettelte Romulus.
Francis warf einen Blick aus dem Augenwinkel auf seinen Assistenten. Manchmal war Sean selbst für den Doktor unverständlich. Immer wenn dieser bucklige, halbblinde Kerl die Augen zukniff und undverständliche Satzfetzen murmelte fragte sich Francis ob es nicht die beste Lösung für alle Beteiligten wäre Sean einfach von seinen Leiden zu erlösen. Jedoch brauchte Francis Sean, so schwer ihm diese Erkenntnis auch fiel. Er richtete seinen Blick durch das Loch das ein Granatsplitter in die Zwischenwand gestoßen hatte. Zu klein um etwas HINTER der Wand zu sehen, aber gerade groß genug um einen guten Blick HINAUS zu haben.
>>Here Comes The Pain.<< Doktor Francis schloss die Augen um den Würgereiz den diese pure Arroganz in ihm auslöste zu unterdrücken. Obwohl. Wenn man es genau betrachtete war dieser Kerl, obwohl nur ein höriger Speichellecker geistloser Ignoranten, doch eine interessante Gestalt.
Kräftige Oberarme die von mehr oder weniger gut gestochenen Tätowierungen übersäht waren, gut definierter Körper, mehr Muskeln als Fett, kaum ein Meter 70 groß und trotzdem mutig. Gutes Arbeitsmaterial. Sehr gutes Arbeitsmaterial sogar.
>>Hier kommt der Schmerz?<< Dachte Francis beflügelt von tausend Ideen gleichzeitig. >>Mein Freund, du hast keine Vorstellung davon was Schmerz bedeutet.<<
Und plötzlich, wie 10.000 Volt, kam Francis eine Idee. Die Idee die alles bisher Dargewesene in den Schatten stellen sollte. Nein. Alles bisher Dargewesene in den Schatten stellen MUSSTE. Seine Fingerspitzen glitten über das glatte Leder seiner Instrumententasche.
>>Du, mein Freund, wirst schon sehr bald lernen was es bedeutet Schmerzen zu erfahren.<<

Gerry war zu gleichen Teilen unendlich erleichtert aber auch enttäuscht. Da hatte er sich extra für den Abschlussball rausgeputzt und dann war niemand da, mit dem er hätte tanzen können.
Seine Lungen bettelten um eine Zigarette, seine Leber bettelte um ein Bier und sein Abzugsfinger flehte um etwas auf das er schießen konnte. So sehr er auch sinnlose Zerstörung von Privateigentum befürwortete. Konnerly war nicht den ganzen Weg vor die Stadt gefahren nur um durch ein Feld zu kriechen und eine Tür in die Luft zu jagen für die sich ohnehin niemand interessierte.
>>Tor 1, Zonk.<< Dachte Konnerly und ging seitlich, das Gewehr fest in der Schulter, im großen Bogen einmal durch das Erdgeschoss. Der Boden sah aus als wäre er vor kurzem erst gründlich gefegt worden, die Amaturen der Küche waren feucht abgewischt. Jemand war hier gewesen, soviel stand fest, aber möglicherweise war er bereits seit Stunden weitergezogen.
>>Obergeschoss. Vorderseite.Zweites Fenster von links.<< Krächzte die Stimme des Spähers aus dem Funkgerät.
Gerry hielt den Atem an und spitzte die Ohren. Stille. Er stieg die schmale Treppe hinauf, dicht an die Wand gedrückt damit die alten Stufen unter seinem Gewicht nicht knarrten. Gerry kniete auf der vorletzten Stufe, zog sein Messer aus der Scheide seiner Weste und schob die Klinge über den Boden. In der glänzenden Oberfläche spiegelte sich ein leerer Flur an dessen Ende die kräftige Mittagssonne durch ein kleines Fenster fiel.
Er steckte das Messer zurück in die Weste, seine Hand umschloss den Griff seiner M16 wie ein Schraubstock, sein Herz hämmerte in seiner Brust.
>>Whatever it takes.<< Ein letzter Schritt und Gecko stand im Flur des Obergeschosses. Zwei Zimmer links von ihm, drei Zimmer rechts von ihm. Konnerly lauschte noch einmal. Wieder Stille.
Sein Fuß krachte gegen das Türschloss,es Schloss brach aus dem maroden Türrahmen und polterte über den Boden, schlitterte zwischen zwei nackte Füße.
>>FALLEN LASSEN!<< Brüllte Konnerly das nackte Mädchen mit den rehbraunen Augen an, in dessen Hände ein fleckiges Küchenmesser funkelte.
>>SOFORT FALLEN LASSEN!<< Schrie er noch einmal. Sie stand stumm und still da, blinzelte und hob das Messer über ihre Schulter.
>>Schade.<< Dachte Gecko. >>Die Kleine ist echt niedlich.<< Dann drückte er den Abzug und mähte sie mit einem kompletten Magazin nieder.

>>Doktor.<< Flüsterte Sean. >>Er hat das Werk zerstört.<<
>>Ein kleiner Rückschlag Sean.<< Francis legte ein Lächeln auf. >>Ich habe eine bessere Idee.<<