Nachdem Gerry sich noch einmal durch die faltige Menge gezwengt hatte, war er die Treppen hinaufgestiegen und fand problemlos auch Suite 11. Die Tür war, wen wunderts, abgeschlossen.
Konnerly klopfte.
>>Belegt!<< Rief eine Männerstimme. Ach was, also damit hätte Gecko nie und nimmer gerechnet.
Er klopfte noch einmal fest gegen die Tür.
>>Hey!<< Rief der Kerl. >>Es ist belegt! Verpiss dich!<<
Na gut. Niemand soll hinterher sagen können das Konnerly es nicht auf die nette Art versucht hatte. Er ging ans Ende des Flures, hob einen großen schweren Feuerlöscher aus der Halterung an der Wand, ging zurück zur Tür von Suite 11, packte den Feuerlöscher an beiden Enden und rammte den Boden gegen das Türschloss. Beim zweiten Hieb brach es, die Tür flog mit lautem Krachen auf und der Feuerlöscher polterte ohrenbetäubend auf den Boden.
Das Zimmer war ein enges Quadrat mit einem riesigen Bett an der linken Seite und einer weißen teuer aussehenden Couchgarnitur an der rechten Seite. Am Fußende des Bettes gab es eine Tür die ins Badezimmer führte.
Gerry ging, als würde er in diesem Zimmer wohnen, an den Kühlschrank neben der Couch und nahm sich eine Dose Cola. Er drückte den Verschluss ein, nahm einen langen Schluck und sah die Männer an die auf der Couch saßen und nicht glauben konnte was sich ihren seinen Augen abspielte. Fünf ältere Kerle in Anzug und Krawatte. Keine Kämpfer. Akkademiker, vielleicht Mediziner oder Lehrer, aber keiner von ihnen sah aus als könne er ernsthaft kämpfen. Und selbst wenn sie alle gegen ihn standen, Gerry hatte genug Munition in den Taschen um in ein kleines Land einzumarschieren.
>>Nadine?<< Rief Gerry ohne den Blick von ihnen zu nehmen. Auf dem niedrigen Couchtisch lagen kleine weiße Linien, Flaschen edlen Scotch und teure Zigarren einer so exquisiten Marke das selbst der kubanische Präsident nur davon träumen konnte.
>>Im Badezimmert!<< Antwortete Nadine.
>>Mach dich fertig, wir verschwinden.<<
>>Moooooooooment.<< Ein Mann stand vom Sofa auf. Ein großer Kerl, etwa mitte dreißig, dünne Arme, edele Brille, volles rotbraunes Haar. Seinem Anzug nach zu urteilen war er Direktor von irgendwas. Keiner Fabrik und kein Handwerksbetrieb, dafür waren seine Hände zu sauber und seine Finger zu gut manikürt. Er war einen halben Kopf größer als Konnerly und baute sich vor ihm auf. >>Sie geht nirgendwo hin.<<
>>Setzt dich wieder hin sonst tust du dir noch weh.<< Raunte Konnerly. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, die Haut zwischen den Fingerknöcheln spannte sich.
>>Sie geht nirgendwo hin. Wer bist du überhaupt?<<
>>Es geht dich ´nen Scheißdreck an wer ich bin. Alles was zählt ist die Tatsache das ich hier bin und gleich wieder verschwinde, und zwar mit Nadine.<<
>>Stimmt.<< Sagte der Mann im Anzug und bemühte sich um einen kräftigeren Tonfall.>>Du verschwindest. Allein. Nadine bleibt bei mir. Verstanden?<< Mit jedem Wort stieß der Mann seinen Zeigefinger gegen Gerrys Brust. >>Nadine-bleibt-bei-mir.<<
Konnerly sah auf seine Brust, dann auf den Finger der immernoch auf ihn zeigte und schließlich in die Augen des Mannes. Ihre Blicke trafen sich und Gerry sah ihn mit seinen winzigen kalten graublauen Augen an. Den Augen eines Killers. Er ballte seine Fäuste so stark das sich seine Fingernähel in das Leder der Handschuhe gruben.
>>Stubs mich noch einmal an und ich brech dir die Pfote.<<
Gerade wollte der Mann seinen Finger noch einmal gegen die Brust des kleinen Söldners stoßen als die Badezimmertür aufgeschlossen wurde und Nadine ins Zimmer trat.
>>Was soll der Scheiß?<< Fragte der Mann. >>Wer ist dieser Kerl?<<
>>Lass uns gehen Gerry.<< Sagte sie und stellte sich in den Türrahmen.
>>Du gehst nirgendwohin!<< Brüllte der Mann. >>Erst erklärst du mir warum dieses Äffchen hier ist.<<
>>Hast du mich gerade Äffchen genannt, Arschloch?<<
>>Hast du mich gerade Arschloch genannt, Äffchen?<<
>>Lass uns gehen Gerry.<< Sagte sie.
>>Du bleibst hier!<< Schrie der Mann. >>Aber dieser Wichser verpisst sich jetzt.<< Der Mann stieß seinen Finger Gerrys Brust. >>SOFORT:<<
Das teekesselartige Pfeifen entwich zwischen Gerrys Zähnen. Seine Hand wanderte in die Gesäßtasche, seine Finger schlossen sich fest um das Springmesser, sein Daumen ertastete den Mechanismus der Klinge. Sein Mund verzog sich zu einem bösartigen schiefen Lächeln.
>>Lass uns gehen.<< Nadines Hand legte sich auf Konnerlys Schulter. Er sah dem Mann noch einmal tief in die Augen, drehte sich um und ging aus dem Zimmer.

Als er sich über den Beifahrersitz beugte um Nadine die Tür zu öffnen sah er sie zum ersten mal an diesem Abend richtig an. Sie sah gut aus und trug ihr Cassie Hack Outfit. Ein enges weißes Trägertop, schwarz-rot karrierter Minirock, breiter schwarzer Gürtel, kniehohe schwarze Stiefel mit flacher Sohle, weitmaschige schwarze Netzstrümpfe und fingerlose Netzhandschuhe die bis zu ihren Ellenbogen reichten. Ihr schwarzes Haar hing in Strähnen in ihrem Gesicht. Kein Make Up, soetwas hatte sie nicht nötig, genausowenig wie eine Handtasche. Sie setzte sich neben Gerry ins Auto und zog ihren Rock glatt.
>>Nach Hause?<< Fragte Gerry und zündete sich eine Zigarette an, innerlich immernoch kochend darüber das er diese Dreckskerle in der Suite nicht in ihre Bestandteile zerrissen hatte.
Nadine schüttelte den Kopf. >>Hast du Bier da?<< Fragte Sie. Konnerly zu fragen ob er Bier im Haus hätte war etwa so als würde man einen Bäcker fragen ob er Brot hat.
Er zog an seiner Zigarette, warf einen letzten Blick auf die Tür des Sinfull Inferno und nickte.
>>Dann zu dir.<<
Er drehte den Zündschlüssel und legte den Gang ein.
>>Will ich wissen was hier gerade los war?<< Fragte er und trat aufs Gaspedal.
>>Erklär ich dir später.<< Sagte Nadine.