Gerry hatte gelernt sich aus dem Staub zu machen bevor eine Sache zu heiss wurde. Nadine hatte ihm, nach einigen Runden Blue Bizon, erzählt wie es war mit diesem unwahrscheinlich glücklichen Misterkerl zu schlafen. Wie er vor dem Sex Sonette und Gedichte zitierte um sie auf Touren zu bringen. Wie seine gebildete Zunge über jeden Quadratzentimeter ihrer Haut glitt, wie sich sein Schwanz in ihr anfühlte. Was Nadine mit sich machen ließ und, nicht weniger interessant, was sie mit ihm machte. Sie hatte nicht mit Details gespart. Gerry hatte einfach zugehört, genickt, seine Meinung abgegeben wenn er danach gefragt wurde und sich gewünscht die Zeit zurück zu drehen um diesem Drecksack nocheinmal gegenüber stehen zu können. Doch dieses mal würde es nicht so glimpflich ausgehen. Konnerly würde ihm das Messer durch das Kinn ins Gehirn rammen. Diesem Arschloch die 44er an die Schläfe setzen und zweimal abdrücken. Oder ihm zumindest seine grazilen, hochgebildeten Literatenfinger zu brechen. Oder. Oder. Oder. Wo ein Wille ist, ist ein Weg.
Leider hatte Nadine immerwieder erwähnt wie sehr sie auf diesen Kerl abfuhr und wie sehr sie es genoss sich von ihm maßnehmen zu lassen. Jemanden der sowohl ihren Körper als auch ihren Geist begehrte. Was sie nicht wusste, oder besser gesagt, was sie gar nicht wissen konnte war, das sie mit jedem Detail ihrer Erzählung winzige Risse in Gerrys Schutzmauer geschlagen hatte. Eine Mauer die er über viele Jahre hinweg aus Leichen aufgebaut hatte um seine Emotionen dahinter ein zu kerkern. Es hatte weh getan sich all diese Sachen an zu hören und zu wissen das Konnerly nichts tun könnte um etwas zu ändern. Zumindest nichts das Nadine ihm jemals verziehen hätte. Er hatte kein Mitleid. Ihn quälten keine Gewissensbisse wegen der Dinge die er getan hatte. Er bedauerte nichts. Trotzdem hatte auch Gerry ein Herz. Selbst versoffene Psychopathen haben Gefühle.
Das Zuschlagen der Bürotür weckte ihn.
>>Oh.<< Meagen sah Konnerly verwundert an. >>Hast du dein eigenes Bett vollgekotzt oder warum schläfst du im Büro?<<
>>Ich hab kein eigenes Bett Meg.<< Gerry setzte sich auf und streckte seine müden Knochen. >>Nur eine Couch.<<
>>Und du pennst hier weil...?<<
>>Auf meinem Sofa das Mädchen ausnüchtert das ich gestern in irgendnem beschissenen Bumsbunker aufgelesen und mit dem ich die ganze Nacht über die intimen Details ihres Sexlebens geredet habe.<<
>>Solltest du dann nicht BEI ihr liegen?<< Fragte Meg und schaltete die Kaffeemaschine neben ihrem Schreibtisch ein. Gerry sah aus als könnte er einen starken, schwarzen Kaffee vertragen, und eine Dusche... und eine Rasur.
>>Wohl nicht.<< Gerry steckte eine Zigarette zwischen seine Lippen doch das kleine Einwegfeuerzeug gab nur winzige Funken von sich. >>Sie hat einen Freund.<<
>>Oh. Ich verstehe.<<
>>Ist ein bombentrichtergroßen Arschloch.<<
>>Ich verstehe.<<
>>Werd den Typen leider umbringen müssen.<<
>>Damit würdest du dir ins eigene Fleisch schneiden. Ich glaube nicht das sie sehr begeistert wäre wenn du ihren Freund tötest.<<
>>Ich weiss.<< Murrte Gerry. >>Aber der Gedanke daran ist wunderbar.<<
Das Telefon auf Meagens Schreibtisch klingelte. Sie nahm den Höhrer ab und beantwortete freundlich die Fragen der Person am anderen Ende der Leitung. Nach nicht ganz einer Minute legte Meagen wieder auf und kratzte sich hinterm Ohr.
>>Wer war das?<< Fragte Gerry.
>>Dishka. Sie will dich zum Mittag einladen. Im Nowgorod, in zwei Stunden.<<
>>Und warum siehst du mich an als hätte ich dir gerade in die Handtasche gekackt?<<
>>Weil ich nicht glaube das zwei Stunden ausreichen werden um dich vorzeigbar zu machen.<<
>>Ich akzeptiere diese Herausforderung und werde mich nach besten Kräften bemühen diese Aufgabe zur vollen Zufriedenheit meiner Vorgesetzten zu erfüllen.<< Handbuch der United States Army, Kapitel 4, Befel und Gehorsam.
Und tatsächlich. Nach einer langen, heissen Dusche, einer Rasur, vier Tassen starken Kaffees, einem Satz neuer Klamotten und einem halben Päckchen Chesterfield sah Konnerly, wenn schon nicht gut, zumindest nicht mehr aus als hätte er 3Wochen lang ununterbrochen durchgezecht.
Nach nicht ganz einer Stunde saßen Gerry und Nadine wieder im Suburban und quälten sich durch das mittagliche Verkehrschaos.
>>Hey Gerry.<< Sagte sie mit dem Blick auf die vorbeiziehende Western Emerals Street. >>Hab ich dir eigentlich jemals gedankt.<<
>>Gedankt? Wofür?<<
>>Du weisst schon... dafür das du mich immer wieder aus der Scheiße ziehst.<<
>>Am meisten würdest du mir danken indem du dich nicht immer auf irgendwelche Mistfotz... Saftsäcke einlassen würdest die dich überhaupt in die Scheiße reiten.<<
>>Tja. Was soll ich sagen.<< Sie hob zuckte mit den Schultern. >>Ich hab eben ein schlechtes Händchen für Männer.<< Sie warf ihm ein Lächln zu. >>Zumindest bei den meisten.<<
Gerry lächelte, etwas worin er wenig Übung hatte. >>Ich glaube das macht das Jim Beam Massaker auf Andys Geburtstag wett. Oder?<<
>>Das hab ich dir schon lange verziehen. Aber ich komme immernoch nicht dahinter warum du an diesem Abend überhaupt soviel getrunken hast. Du musstest doch wissen das du es nicht verträgst.<<
>>Falsch verstandener Stolz.<< Log Konerly. In Wahrheit hatte er sich sinnlos betrunken um zu vergessen was er an diesem Tag getan hatte bevor er auf die Party ging. Auf Wunsch eines Kunden war Konnerly nach Shoshone gefahren und hatte die gesamte Familie seines Konkurrenten ausradiert. Er war in das Haus eingebrochen, hatte Eltern und Kinder ins Wohnzimmer gezerrt, gefesselt und einem nach dem anderen mit einer Schrotflinte in den Kopf geschossen. Mutter, Vater, drei Kinder, selbst dem Hund. Fünf Leben für 300 Dollar. Ein gottverdammtes Blutbad.
Zwei Blocks vor Nadines Wohnung in der Northern 36th Street fuhr Gerry an den Bordstein. Eine Vorsichtsmaßnahme um zu verhindern das Gerry diesem Arschloch aus der Suite vor Nadines Wohnung über den Weg lief. Das würde ein böses Ende nehmen.
>>Hast du zur Zeit jemanden?<< Fragte Nadine.
>>Nein. Aber das ist schon okay. Ich bin 6 Monate im Jahr sowieso nicht in den Staaten. Wenn ich hier bin, bin ich 3 Monate nicht in Idaho. Und selbst dann bin ich 6 Wochen nicht in der Stadt. Alles in allem bleiben also 6 Wochen die ich wirklich in Boise bin und davon bin ich höchstens die Hälfte der Zeit nüchtern. Ich hab schon so genug damit zu tun nicht getötet zu werden, da will ich mir nicht ständig Gedanken darüber machen ob mich meine Frau bescheisst oder nicht.<<
>>Hmmmm.<< Summte Nadine. Ohne ein Wort zu sagen hob sie ihren Hintern vom Sitz, streckte ihren Rücken durch stieg aus ihrem roten Seidenhöschen. Sie steckte den Slip in Gerrys rechte Beintasche und lächete verschwörerisch.
>>Ein Glücksbringer.<< Sie beugte sich zu Gerry und küsste ihn unschuldig auf die Wange. >>Damit du mich nicht vergisst wenn du unterwegs bist. Ist allerdings nicht kugelsicher.<<
>>Ääääääääh....<< Gerry versuchte sich diese kostbaren eineinhalb Sekunden, die Nadine gebraucht hatte um ihren Slip ab zu streifen, bis in alle Ewigkeit ins Gedächtniss zu brennen. Wenn er das nächste mal in einen Einsatz ging und wochenlang keine Frau zu Gesicht bekam würde ihm diese Erinnerung gute Dienste leisten. >>Danke.<< Sagte er und versuchte zu lächeln.