32: Sie wollen Krieg

Das ganze Wochenende wartete ich auf Nikkis Anruf. Doch das Telefon blieb stumm. Also verbrachte ich die Tage damit in meinem Bett zu liegen an die Decke zu starren und an diesen Kuss zu denken. Interessant wie sich Dinge entwickeln können. Von einem scheuen Blick in der Bahn zu einem Kuss in der Schule in nicht ganz 24 Stunden. Wer weiss wohin das noch führen konnte. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Abwarten und Tee trinken. Oder Blue Bizon.
Otis hatte eine seiner Freundinnen zu Besuch die mich entweder nicht leiden konnten (warum auch immer) oder dachten ich hätte eine geistige Behinderung. Nicht das ich mich um ihre Gesellschaft gerissen hätte aber hin und wieder ein >Hallo, wie gehts< wäre nicht schlecht gewesen.
Otis hatte herausgefunden das Warhammer sich auf die sexuelle Leistungsfähigkeit auswirkte, es zögerte den männlichen Orgasmus heraus, gleichzeitig erhöhte es das Gefühl. Auf Warhammer zu ficken war wie auf einem Laufband zu joggen, man kam einfach nicht ans Ziel.
Ich kam das Wochende nicht aus dem Bett, Otis und seine Gespielin kamen nicht aus dem Bett, ich verließ mein Zimmer nur um auf die Toilette oder in die Kühe zu gehen.
Am Montag kam wie immer einer der OPCU Offiziere vorbei um die Aufträge für die Woche aus zu geben. Dieses mal war es Ray hochstpersönlich. Er sah wütend aus, als ob er jeden Moment ein Loch in die Wand schlagen wolle. Ich dachte schon er hätte von meinem Gastauftritt im FCE gehört. Aus Otis´Zimmer drang ein unablässiges Stöhnen und Hecheln. Entweder war er wieder bei der Sache oder er arbeitete immernoch an einem erfolgreichen Abschluss,
>>Was du in deiner Freizeit machst interessiert mich überhaupt nicht. Die Anweisung lautet >keine toten Zivilisten ohne entsprechenden Auftrag. Von gebrochenen Knochen oder eingeschlagenen Zähnen war nie die Rede.<<
Er marschierte ins Wohnzimmer und legte eine Videokasette ein. Verwackelte Bilder einer billigen Kamera. Drei gefesselte Männer in Army-Uniformen knieten im Dreck. Ihre Augen waren verbunden und aus ihren Mündern hingen Stofflappen.
Ein Kerl in Wollmaske schob seinen Kopf ins Bild. >>Dies ist eine Botschaft an die United States Army.<< Die Kamera zoomte aus der Szene heraus. Der Kerl mit der Wollmaske drehte dem Betrachter den Rücken zu. Auf seiner abgerissenen Lederweste ragte das Logo der >Devastators<, einer berüchtigten Marauder-Biker-Gang.
>>Ihr denkt ihr könnt unsere Geschäfte stören?<< Fragte der Maskenmann. >>Das habt ihr jetzt davon.<< Der Kerl schraubte den Deckel von einem bereitstehenden Benzinkanister und kippte den Inhalt über die drei gefangen Soldaten.
Ich schluckte heftig als der Kerl eine Signalfackel anriss und mit den Worten >>Das passiert wenn ihr uns weiter in die Parade fahrt.<< auf die Gefangenen warf. Sie gingen sofort in Flammen auf.
Ray drückte auf die Stopptaste des Videorekorders.
>>Zwei Privates First Class und ein Sergeant.<< Seine Stimme zitterte vor Wut. >>Diese sadistischen Bastarde...<<
>>Wie sieht unsere Antwort aus?<< Fragte ich und zündete mir eine Zigarette an.
>>Sie wollen Krieg Gerry.<< Ray knackte mit seinen Fingerknöcheln. >>Den können sie haben.<<
>>Könnte eine Fälschung sein. Die Devastators sind nicht die einzige Bikergang in Ohio.<<
>>Keine Fälschung. Der Gemeindienst hat die Stimme des Maskenpenners überprüft, es sind die Devastators.<<
>>Was machen wir jetzt?<< Fragte ich.
>>Heute Abend feiern sie den Jahrestag ihrer Gündung, die komplette Führungsebene und hochrangige Chapterchefs. Alle versammelt in einem einzigen Club im Rotlichtbezirk.<<
>>Klingt nach einem Job für die Airforce. Eine Rakete und die Sache ist erledigt.<<
>>Die Airforce kann mir einen blasen Gerry. Das ist eine Armyangelegenheit, wir kümmern uns selbst darum. OPCU-Style.<< Was ich vergessen hatte zu sagen, das Motto der OPCU lautete: Inter Arma Enim Silent Legis. Im Lärm der Waffen schweigen die Gesetze.
>>Wann?<< Fragte ich und drückte den Rest meiner Zigarette in den Aschenbecher.
>>Heute Nacht. Wir warten bis sie alle besoffen sind, und dann schlachten wir sie wie Schweine.<<
>>Die werden einen ganzen Haufen Wachen mitbringen.<< Warf ich ein. >>Und die bringen Feuerkraft.<<
>>Unsere Spielzeuge sind um einiges größer.<< Ray nahm die Videokassette an sich. >>Ich will das du und Otis heute Nacht um 0130 bereit seid. In Uniform und Schutzweste. Wir holen euch ab.<<
>>Waffen?<<
>>Feuerkraft kommt vor Genauigkeit.<<

Gegen 21 Uhr machte ich mich fertig. Trank ein Bier und lud die Magazine meiner Atchinson AA-12, einer automatischen Schrotflinte, mit kleinen Granaten die einen Menschen in zwei Hälften rissen wenn man den Bauch traf. Im Prinzip war es ein tragbarer, vollautomatischer Granatwerfer. Selbst Rambo hätte sich bei der Atchinson die Hosen vollgeschissen.
Genau in diesem Moment rief Nikki an. Gutes Beispiel für schlechtes Timing.
>>Wie war dein Wochenende?<< Fragte sie.
>>Hab nicht viel gemacht. Bin ehrlich gesagt kaum aus dem Bett rausgekommen. Und deins?<<
>>Sterbenslangweilig.<< Seufzte Nikki. >>Am Samstag gab es wieder eine dieser elenden Cocktailparties. Wie ich solche Veranstaltungen hasse.<<
>>War nicht der Brüller?<<
>>Wie würde es dir gefallen von einem Haufen besoffener, alter, geifernder Säcke mit dicken Brieftaschen und noch dickeren Eiern angemacht zu werden. Scheiße, einer hat mir sogar 500 Dollar geboten wenn ich mit ihm ins Bett gehe.<<
>>Vielleicht einer von Otis´entfernten Verwandten.<<
>>Möglich. Ich hab mich so geekelt das ich fast gekotzt hätte.<<
>>Hättest es machen sollen.<< Sagte ich und klemmte den Telefonhörer zwischen Schulter und Ohr um die Hände für die Magazine frei zu haben. >>Vielleicht wäre die Party dann früher vorbei gewesen.<<
>>Meine Eltern hätten mich gevierteilt.<< Lachte Nikki.
>>Auch ´ne Möglichkeit Stimmung aufkommen zu lassen.<< Eine Patrone rollte vom Tisch und klimperte über den Boden.
>>Was war das?<<
>>Mein Schraubenzieher.<< Zu lügen ist wesentlich einfacher wenn man seinem Gegenüber nicht isn Gesicht sehen muss. >>Ich repariere gerade die Kaffeemühle meines Nachbarn.<<
>>Kann Otis das nicht machen? Dieses Geklicke macht einen ja wahnsinnig.<<
>>Der Steckt gerade in ´nem eigenen Projekt fest.<<
>>Eine Testfahrt?<< Kicherte Nikki.
>>Wohl eher ein 24 Stunden-Rennen. Gab es Ärger wegen der Sache im FCE?<<
>>Ärger ist wohl kaum das richtige Wort. Hab fast drei Stunden gebraucht um allen zu erklären das ich dich nicht kenne und keine Ahnung habe was um alles in der Welt du auf unserer Schule machst. Du hast den gesamten Lehrkörper vollkommen aus der Fassung gebracht. Die wussten echt nicht wie jemand auf die Idee kommt mirnichts dirnichts in die Schule zu marschieren und die halbe Defenseline des Footballteams ins Krankenhaus zu schicken.<<
>>Sieht ganz so aus als gibt es dieses Jahr keinen Meisterschaftstitel für das FCE.<<
>>Mir bricht das Herz.<< Schniefte Nikki. >>Ich weine bittere Tränen.<<
>>Nächstes mal hol ich mir in der Aula einen runter. Mal sehen was sie DAZU sagen.<<
Nikki lachte, wahrscheinlich stellte sie es sich bildlich vor. Ein Anblick für die Götter.
>>Das heisst wenn es ein nächstes mal gibt.<< Sagte ich.
>>Also von mir aus gern.<< Der Stein der mir vom Herzen fiel war bis San Antonio zu hören. >>Aber dann sollten wir uns nicht in der Schule treffen, du stehst hier auf der Abschussliste, auf Platz eins.<<
>>Schade, ich hatte fest mit einem Dankesschreiben gerechnet.<<
>>Wir können uns am Mittwoch treffen. 20 Uhr im Crossfire.<<
>>20 Uhr?<< Fragte ich. >>Passt mir nicht, sagen wir lieber abends um acht.<<
>>Deine Karriere als Stand-Up-Comedian solltest du gleich neben deinem Gesang begraben.<<

31: Knarren und Kondome

Waffen und Kondome haben eines gemeinsam, wenn man sie braucht hat man sie nicht und wenn man sie hat braucht man sie nicht. Vielleicht war es ganz gut das ich den 45er Colt Bulldog im Handschuhfach des Nova gelassen hatte. Wahrscheinlich hätte ich ihn eingesetzt.
Gerade als Nikki ihren Spind öffnette um ihre Bücher für den doppelstündigen Literaturkurs herauszunehmen wurde ich im Nacken gepackt und von einem schwitzenden fetten Kerl im grün-schwarzem Trikot des Footballteams gegen die Wand gedrückt. Zwei andere Kerle bauten sich vor Nikki auf. Einer mit wasserstoffblondierter Bürstenschnittfrisur, der andere Kahl wie eine schwarze Melone.
>>Sieh an, sieh an.<< Der Blonde warf mir einen verächtlichen Blick zu. >>Pashit hat ´nen kleinen Freakfreund gefunden. Hat Daddy etwa seine Betrügerkohle in einen Spielgefährten für seinen kleinen Outsider investiert?<<
Der fette Kerl drückte mich mit seinen Wurstfingerpfoten gegen die Wand. Schweiß lief in Sturzbächen seine Schläfen hinunter.
>>Lass ihn in Ruhe Travis.<< Nikki sah ihm in die Augen. Ehrlich gesagt hätte ich ihr soviel Mut gar nicht zugetraut. >>Er ist neu auf der Schule und ich helfe ihm sich zurecht zu finden.<<
Der Blonde spuckte in meine Richtung, traf aber nicht. >>Hast du ´n Namen?<<
>>Carlos Suarez.<< Der erste Name der mir einfiel obwohl meine Haut zu hell für einen Latino war.
>>´N Bohnenfresser.<< Lachte der Schwarze. >>T-Bone, schüttel ihn mal kräftig durch, vielleicht kommt was Süßes raus.<<
T-Bone, der schwitzende Fettsack, knallte mich ein paar mal mit dem Rücken gegen die Wand. Zum ersten mal entwich mir dieses Teekesselpfeifen das mein Markenzeichen werden sollte. Ich starrte ihn mit zu Schlitzen verengten Augen an.
>>Nimm deine scheiss fetten Pfoten von mir du Penner!<< Sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
T-Bone drückte mich noch einmal gegen die Wand. Bitte, wenn er es nicht anders wollte. Ich schlüg seine Hände von meinem Körper und hämmerte ihm meine Faust zwischen die Augen. Eine kurze, harte Gerade die sein Nasenbein brach. T-Bone kippte einfach nach hinten um und schlug mit den Kopf voran auf den Boden. Es hatte nicht einmal eine halbe Sekunde gedauert.
>>Jamal.<< Befahl der Blondschopf dem kahlen Schwarzen. >>Mach den Wichser alle.<<
Jamal schaffte es bis eine Armeslänge an mich heran, er ballte die Faust und holte aus. Ich trat ihm mit aller Kraft in die Eier. Es hob ihn gute 30 Zentimeter vom Boden ab. Er fasst sich mit beiden Händen zwischen die Beine, kippte nach vorn, dann zur Seite. Der Schmerz in seinen Hoden war so gewaltig das er mit offenen Augen sein Mittagessen auskotzte. Ich war zwar klein, gerade einmal ein Meter 68, hatte aber bereits mein aktuelles Kampfgewicht von 85 Kilo auf den Rippen. Mehr Muskeln als Fett (obwohl ich einen kleinen Bierbauch nicht abstreiten konnte oder immernoch kann). Ich hatte jedes einzelne Gramm Körpergewicht in diesen Tritt gelegt. Hätte ich Stiefel angehabt wären seine Eier geplatzt. Das merke ich mir für das nächste mal.
Zwei erledigt, einer noch zu verarzten. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich noch an das Gute im Menschen, ich war dafür zwar kein Paradebeispiel, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Davor sind alle anderen dran.
>>Na was ist Blondie?<< Fragte ich, jeder einzelne meiner Muskeln zitterte vor Adrenalin. >>Willst du auch noch dein Glück versuchen?<<
Er ließ von Nikki ab, rollte mit den Augen und zog ein Klappmesser aus der Tasche.
>>Na jetzt hab ich aber Schiss.<< Gähnte ich. Ich schob meine Hand an mein Steißbein um meine Knarre zu ziehen und... griff ins Leere. Stimmt ja... der Bulldog lag sicher und trocken im Handschuhfach des Nova. Wenn das Leben dich fickt, dann fickt es dich hart. In diesem Moment wäre es icht schlecht gewesen Otis dabei zu haben, aber der war immernoch shoppen. Tja, dumm gelaufen, dann eben auf die ganz alte Tour.
Blondie schüttelte das Messer neben seinem Kopf wie einen Cocktailshaker und versuchte mich mit seinem angespannt gelangweilten Gesichtsausdruck ein zu schüchtern.
>>Willst du mit dem Ding ´nen Apfel schälen oder kommen wir jetzt zur Sache?<< Fragte ich, gespannt darauf was als nächstest kam. Ich würde lügen wenn ich behaupten würde in diesem Moment keine Angst gehabt zu haben. Allerdings kann Angst auch dein Verbündeter sein der dich davon abhält übermütig zu werden. Blondie stach das Messer in meine Richtung, ich zog meinen Kopf weg und ging einen Schitt nach hinten. Er stach und schnitt die Luft bis wir die Hälfte des Flures abgeschritten hatten. Dann machte er einen Fehler. Er stach mit lang ausgtesrecktem Arm gegen meinen Körper. Ich trat einen Schritt zur Seite, packte seine Hand mit mein Händen, drückte meinen Ellenbogen ruckartig in seinen, sein Unterarm schoss in die Höhe und ich verdrehte sein handgelenk das es brach. Mein Knie traf sein Kinn und er fiel auf den Rücken. Ich schnappte mir sein Messer und setzte mich mit vollem Gewicht auf seinen Bustkorb. Ich stach das Messer links und rechts neben seine Ohren, wie ein Metronom. Tick-Tack-Tick-Tack-Tick-Tack.
>>Du und deine Freunde werden in Zukunft die Finger von diesem Mädchen lassen.<< Ich zeigte mit der linken Hand auf Nikki, mit der rechten stach ich das Messer ins Linolium des Bodens. >>Sie ist nämlich eine Freundin von mir.<<
Blondie sah mich mit aufgerissenen, panischen Augen an.
>>Und wenn ihr weiterhin jemand das Leben schwer macht,<< Ich hob das Messer über meine Schulter, einen kurzen Moment verharrte die Klinge in meiner Hand, dann rammte ich sie einen Zentimeter neben seinen Kopf in den Boden. Das Messer schwang nach wie ein Speer.
>>dann bin ich das nächste Mal wirklich sauer.<<
Ich zog das Messer aus dem Boden klappte die Klinge ein und steckte es in meine Tasche. An Blondies linkem Bein breitete sich ein dunkler Fleck aus. Er pisste sich voll.
Jamal lag immernoch mit den Händen zwischen den Beinen auf dem Boden, T-Bone hatte es geschafft sich mit dem Rücken gegen die Wand zu setzen, er blinzelte unkontrolliert, Blut lief aus seinen Nasenlöchern.
Nikki sah mich unendlich überrascht an. Nicht etwa entsetzt oder schockiert. Das ist eine komplett andere Mimik. Ich schloss die Augen und erwartete von ihr eine geknallt zu bekommen. Scheiße, da hatte ich ja was angerichtet. Sie würde mir eine scheuern und mich nie wieder sehen wollen.
Nichts passierte. Ich öffnette die Augen, sah ihr ins Gesicht und zuckte mit den Schultern.
>>Tut mir leid.<< Stammelte ich mit dem Blick auf meinen Füßen. >>Weiss auch nicht was gerade in mich gefa<<
Sie packte meinen Kragen und drückte ihre Lippen auf meine. Mein erster Kuss.
>>Danke.<< Sagte sie. >>Sowas hat noch nie jemand für mich getan.<<
Die Kameras an der Decke hatten alles aufgenommen, ich hörte Schritte die Treppen hinunterkommen.
>>Ich muss verschwinden.<< Sagte ich. Sie nickte.
Gerade als ich mich zum gehen umdrehte rief Nikki. >>Hey.<< Ich blieb stehen. >>Dieses mal ruf ich dich wirklich an.<<

30: Mittagspause

Nikki hatte vorgeschlagen die Mittagspause in der Shopping Mall zu verbringen. Das Essen in der Cafeteria wäre ohnehin zu teuer und satt würde man davon auch nicht. Otis hatte sich, beleidigt das Nikki ihn so kalt hatte auflaufen lassen, in irgendein Bekleidungsgeschäft verzogen um sich ein Hemd oder sowas zu kaufen. Möglichst teuer, Frauen stehen auf teure Klamotten.
Eine Frauenrechtsgruppe, Die Allianz zur Gleichbehandlung geprügelter Eherochen oder sowas in der Art, demonstrierte auf der untersten Etage der Mall. Verteilte Flyer und trug Schilder auf denen sie alles verdammte was einen Penis hat. Kampfemanzen, ready for war.
>>Wie wäre es wenn Sie sich ihre Scheissformel in den Arsch schieben.<< Lachte sie. >>Du würdest nicht glauben wieoft ich das schon gedacht habe.<<
>>Wahrscheinlich jeden einzelnen Tag.<< Ich schluckte den Bissen Steaksandwich hinunter. Nicht der Brüller aber was will man für 25 Cent schon erwarten?
>>Mehrmals am Tag.<< Sie nippte an ihrer Cola, Eiswürfel klimperten am Glasrand. Sie sah auf meine, von mehr oder weniger gut gestochenen Tattoos und schlecht verheilten Narben überzogenen, Arme. Nikki griff über den Tisch und kratzte mit dem Fingernagel am durchschossenen Pikass auf meinem linken Unterarm. Das Pik war geformt wie ein Totenschädel mit bösem Blick. Sie kniff die Augen zusammen und untersuchte ihren Fingernagel nach Farbspuren die bleiben wenn die Tattoos nur mit dieser Henna-Plörre aufgepinselt sind. Keine Farbspuren, das Tattoo war echt.
>>Warum hast du dich so vollkritzeln lassen?<< Fragte sie.
Der Grund war einfach. Als ich anfing professionell für die Army Leute um zu bringen hatte ich mir fest vorgenommen mir nach jedem Abschuss ein Bild stechen zu lassen. Nur kamen die Jobs schneller als die Bilder brauchten um richtig abzuheilen. Nach dem neunten kam mir dann schließlich eine Idee. Ich ließ mir eine einfache Linie vom rechten Schulterblatt bis zum Handgelenk ziehen, wie eine Spirale einmal um den Arm. Einmal im Halbjahr ging ich zum Tätowierer und ließ die Anzahl der Kills als kleine Striche an die Linie setzen. Wenn es eines Tages fertig war sollte es wie Stacheldraht aussehen. 97 Striche reichten allerdings erst bis kurz vor den Ellenbogen. Fick dich John Wayne Gacy, du bepisster Stümper. Es sollte noch fast zwei Jahre dauern bis der letzte Strich gesetzt war. 341 an der Zahl.
>>Ich finde es cool.<< Log ich. Die Wahrheit konnte ich ihr unmöglich sagen.
>>Tut es weh?<<
>>Hast du schonmal in Brennnesseln gefasst?<< Fragte ich und biss in mein Steaksandwich.
>>Ja, hat gejuckt wie die Hölle.<<
>>So fühlt es sich an.<<
Nikki sah auf ihre Uhr und seufzte. Nicht mehr lange und wir mussten zurück in die Schule. Na ja, sie musste zurück, für mich war es nur eine Möglichkeit den Tag rum zu kriegen. Sie rührte traurig in ihrem halb zerlaufenen Erdbeereis.
>>Was haben die Anderen eigentlich für ein Problem mit dir. Hast du ´ne ansteckende Krankeit oder sowas?<<
Sie sah mich traurig an und zum ersten mal überhaupt hatte ich so ein komisches Gefühl. Ich wollte sie in den Arm nehmen. Was war das denn? Für gewöhnlich umarmte ich Leute nur um ihnen die Rippen zu brechen.
>>Mein Vater ist durch den Handel mit Baustoffen reich geworden. Beton, Holz, Stahl und sowas. Irgendwann hatte er einmal einen Großauftrag für einen Vergnügungspark an Land gezogen. Hunderttausende von Dollar. Leider hatten die Monteure die die Fahrgeschäfte aufbauten an allen Ecken und Enden gepfuscht, und zwar so übel das es bereits in den ersten Tagen zu schweren Unfällen mit vielen Toten kam. Die Monteursfirma hat alle Vorwürfe abgestritten und behauptet mein Vater hätte minderwertiges Material geliefert. Es kam zu einem Gerichtsprozess, mein Vater wurde freigesprochen aber trotzdem klebt das schlechte Image immernoch an ihm. Für die Anderen bin ich eben nur die Tochter eines verdammten Betrügers der über Leichen geht um Geld zu schäffeln. Deswegen meiden sie mich wie der Teufel das Weihwasser.<<
>>Wenn er aber freigesprochen wurde ist doch bewiesen das er unschuldig ist.<<
>>Das ist egal.<< Nikki leerte ihre Cola. >>Sowas klebt an einem wie Teer. Wir haben schon überlegt unseren Namen zu ändern, nur um den schlechten Ruf los zu werden.<<
>>Wie ist dein Nachname?<< Keine Ahnung warum ich ausgerechnet das fragte. War wohl der erste Gedanke.
>>Padit. Spricht sich Pa-Dit, und deiner?<<
>>Konnerly.<<
>>Oh.<< Nikki musterte mich. >>Klingt irisch, aber du siehst nicht aus wie ein Ire.<<
>>Kann sein. Ich hab nie gefragt wo der Name herkommt.<<
Die Uhr an ihrem Handgelenk piepte. Nikki rang sich ein lustloses Lächeln ab und schlürfte ihr Eis. Ich zahlte die Zeche von zwei Dollar, inklusive Trinkgeld. Wenn ein Mädchen schon nicht schreiend vor mir wegrannte konnte ich sie zumindest zu einem Eis einladen. Ist ja nicht so das ich mich damit ruiniert hätte.
>>Na dann,<< Seufzte sie und löffelte ihr Eis. >>auf ins letzte Gefecht.<<
>>Coon shootin´ boogie?<< Fragte ich.
Nikki zuckte mit den Schultern. >>Sagt mir nichts.<<
>>Let´s shoot that coon down one by one. Go to your closet and get your gun.<< Ich sagte einfach nur den Text in der richtigen Melodie auf, singen war nicht gerade mein größtes Talent. >>They run in our streets and they run in our town. It´s so much fun to mow them down.<<
>>Gerry?<< Fragte Nikki und nahm meine Hand. >>Falls du jemals an eine Karriere als Sänger gedacht hast, die Hoffnung kannst du getrost begraben.<<
>>Du tötest meine Träume Nikki, du tötest meine Träume.<<

29: Vorstellungskraft

Biologie und Geschichte verschlief ich mehr oder weniger mit dem Kopf in Nacken. Nur einmal wachte ich auf weil Nikki an meiner Schulter rüttelte, ich hatte geschnarcht. Ich schnarche ich nur wenn ich wirklich besoffen bin. Als nächstes stand Mathe auf dem Stundenplan. Es war sterbenslangweilig. Ich frage mich wie Nikki den Tag ohne Alkohol überstand. Des Rätsels Lösung fand sich in einem neutralen schwarzen Plastikhefter. Wenn der Lehrer oder die Lehrerin sich über Dinge die niemanden interessierten oder schon längst Vergangenheit waren, zeichnete sie. Im Moment zeichnete sie an der... Skyline kann man nicht sagen... Luftaufnahme einer mittelalterlichen Stadt mit Fachwerkhäusern und ungepflasterten Straßen auf denen schwerbeladene Pferdefuhrwerke rumpelten. Alles war sehr detailiert und sah aus als hätte man aus einem Hubschrauber heraus ein Foto geschossen. Ich war erstaunt mit wieviel Geduld sie die einzelnen Dachschindeln, Balken, Schornsteine und Händlerkarren auf das Papier brachte.
>>Das ist richtig gut.<<
>>Danke.<< Nikki lächelte. >>Ich hab Zuhause einen ganzen Schrank solcher Zeichnungen.<<
>>Würde ich mir gerne mal ansehen.<<
Sie hob den Blick als hätte ich etwas dummes gesagt. Dümmer als sonst. Schwer zu beurteilen wenn man keine Schulbildung hat.
>>Vielleicht zeig ich sie dir eines Tages. Wenn meine werten Erzeuger nicht in der Stadt sind. Sie sehen es nicht gern wenn ich Jungs mit nach Hause bringe. Sie denken wir machen dann irgendwelche Schweinereien.<<
>>Da brauchst du dir bei Gerry keine Sorgen machen.<< Otis, der hinter mir saß und mich mit seinen Blicken durchbohrte, schlug mir auf die Schulter. >>Der ist noch Jungfrau.<< Ich kniff die Augen zusammen. Er hatte es doch jetzt nicht wirklich gesagt. Oder? Er hatte es jetzt nicht wirklich gesagt. Otis hatte mir einen Schwinger verpasst der mich zum taumeln brachte, er setzte an um mich auf die Bretter zu schicken. >>Bei ´ner schönen Frau ist der wie ´n Rentner mit ´nem Ferrari. Im Groben und Ganzen weiss er was er damit machen soll, aber er bekommt es einfach nicht auf die Reihe.<< Schlagt die Glocke. Knock Out in der ersten Runde. Nikki drehte sich zu Otis um, setzte ein verführerisches Lächeln auf und schob ihre Brüste hervor. >>Aber du,<< Hauchte sie mit verruchter Schlafzimmerstimme. >>du wüsstest sicher wie man... den Knüppel in den richtigen Gang bekommt. Nicht wahr? Wie man den Motor so richtig auf Touren bringt.<<
Er lächelte sein Zu-dir-oder-zu-mir-Lächeln und spannte seinen Bizeps an. Dieser gutaussehende Womanizer hatte mich zu Boden geschlagen, jetzt wollte er auch noch nachtreten.
>>Ich bin der geborene Testfahrer. Eigendlich stehe ich ja auf Schwarze, aber hin und wieder wal was Weisses ist auch nicht verkehrt.<<
>>Halt dein Maul Otis.<< Knrurrte ich. >>Halt bloß dein Maul, du hinterfotziges Arschloch.<<
>>Ach Gerry.<< Wieder klatschte seine Hand auf meine Schulter, ganz so als wäre das alles nur Spaß. >>Mach dir nichts draus. Bei machen passiert es eben früher und manche sind nunmal Spätzünder. Für dich finde ich auch noch was passendes. Kumpel helfen Kumpel.<<
Es fühlte sich an als hätte er mir mit Anlauf in den Magen getreten. >>Allein bekommst du es ja nicht gebacken.<<
Ich lies den Kopf hängen.
Nikki strih eine ihrer roten Haarsträhnen hinter ihrem Ohr hervor und drehte sie zwischen Daumen und Zeigefinger. Sie biss sich auf die Unterlippe.
>>Otis.<< Sagte sie. >>Stell dir mal vor wie ich nackt in deinen Armen liege, verschwitzt und ausser Atem. Wir wälzen uns in meinem Bett, bereit für den nächsten Fick. Stell dir vor wie du deinen harten Schwanz in mein feuchtes Tal steckst, wie ich meine Finger in deine Schultern grabe. Stell dir vor ich reite dich und massiere mit einer Hand deine Eier. Kannst du es dir vorstellen?<<
>>Oh ja.<< Er leckte sich die Zähne während ich auf dem Boden des Rings in einer Pfütze aus Blut und Kotze lag. Bereit für den Leichensack und den Zettel am Zeh.
>>Gut.<< Hauchte Nikki. >>Dann behalt den Gedanken gut in Erinnerung. Dazu wird es nämlich nie kommen.<< Sie drehte sich wieder zu mir um. Otis machte ein Gesicht als hätte man ihm eine Propangasflasche trocken und ungefragt in den Arsch geschoben. Ich versuchte irgendwie müde zu lächeln, bekam es aber nicht hin. Es war mehr so ein, Jetzt-ist-die-Katze-aus-dem-Sack-Schulterzucken. Nikki zwinkerte mir zu. >>Im Übrigen versteh ich gar nicht was falsch daran ist Jungfrau zu sein. Ich selbst bin es auch noch.<<. Ich lag zwar am Boden aber zumindest brachte Nikki mir ein kaltes Handtuch um meine Blutungen zu stillen.
>>Entschuldigen Sie bitte.<< Die Lehrerin, eine dürre blonde Vogelscheuche, sah uns drei mit aufgerissenen Augen an. >>Wenn mein Unterricht Ihre Unterhaltungs stört denke ich, Sie langweilen sich. Langweile ich Sie etwa?<<
>>Irgendwie schon.<< Ranzte ich sie an. >>Den Scheiss braucht doch kein Mensch.<<
Sie bemühte sich um Fassung. Anscheinend hatte sie in den 200 Jahren, die sie nun schon unterrichtete, noch nie ein Widerwort gehört. Sie tippte mit dem Fiberglaszeigestock auf eine elend lange und genauso elend komplizierte Formel die die komplette Breite der Tafel einnahm.
>>Wie wäre es wenn Sie an die Tafel kommen und die Aufgabe lösen.<< Fragte die Vogelscheuche.
>>Wie wäre es wenn Sie sich Ihre Scheissformel in den Arsch schieben?<< Gab ich zurück.

28: Amateure

>>Sieht doch gar nicht mal so schlecht aus.<< Sagte ich als Nikki Otis und mich durch die hellen, breiten Flure des FCE führte. An den hohen Decken surrten Überwachungskameras nach links und rechts. Ich behielt diese Alternative im Auge falls ich nach einem Job ein Alibi brauchte. Was wollen Sie von mir Officer? Ich war im FCE, hier ist der Beweis.
Die Flure waren weiß gekalkt, mit großen Fenstern durch die natürliches Licht einfiel. An den Wänden hingen Plakate für die Wahl des Schulsprechers, die Erfolge des Footballteams, und der ganze andere Müll der für eine Schule wohl wichtig war.
>>Mal sehen wie du nach dem Mittagessen darüber denkst.<< Seufzte Nikki. Seit wir die Schule betreten hatten, hatte sie kein einziges mal gelächelt.
Der Klassenraum in dem der Religionsunterricht abgehalten wurde lag an der Giebelseite in der dritten Etage. Sozusagen im linken Bügel des Hufeisens.
Eine nette Erfahrung für jemanden der ein Klassenzimmer noch nie von innen gesehen hatte. Tische, Stühle, Tafel, Projektor an der Decke. Soweit nicht ungewöhnlich, wenn man den Anblick gewohnt war. Für mich vollkommen neu. An den Wänden hingen zehn dreieckige Stofffahnen auf denen in goldnener Schrift die zehn Gebote gestickt waren. Ich setzte mich willkürlich unter eine der Fahnen. >Du sollst nicht töten.< Karma mag ein Arschloch sein, aber Humor hat es auf jeden Fall. Zu meiner Überraschung setzte Nikki sich neben mich. Ich konnte an Otis´s Augen sehen wie sehr es ihn zermürbte. Sie hatte sich neben mich gesetzt, nicht neben ihn. Sein Verstand arbeitete in diesem Moment wohl bereits mit Hochdruck an dem Stolperstein der mir später noch das Genick brechen sollte. Wir fielen nicht auf. Niemand würdigte uns eines Blickes.
Als der letzte Schüler einen Platz gefunden hatte und das Gemurmel über Themen die normale Jugendliche interessierten endlich abebbte, betrat Misses Dellahundt das Klassenzimmer. Sie war jenseits der 50, und man sah ihr die vier Kinder an die sie in die Welt gesetzt hatte. Ihre Figur war vollkommen aus dem Leim gegangen, falls sie überhaupt jemals soetwas wie eine Figur gehabt hatte.
Es ist schon schwer genug sich in einer fremden Umgebung auf etwas zu konzentrieren, versuch das mal wenn du den Alkohol geradezu ausschwitzt.
Ich hatte keine Ahnung was mich überhaupt erwartete. Religion war für mich nichts anderes als der ewige Streit zwischen Gut und Böse. Himmel und Hölle. Erlösung und Verdammnis. Pils und Alkoholfrei.
Das Thema des Tages lautete >Das menschliche Böse<.
Misses Dellahundt hatte zwar ihre besten Zeiten schon hinter sich, aber man muss ihr zugestehen das ihr Unterricht wirklich interessant war. Sie beschränkte sich nicht auf diese abgestaubten Lehrbuchschiesse. Als erstes pappte sie eine Reihe von Fotos an die Tafel. Ältere ,weiße Männer mit Nummern am unteren Bildabschnitt. Misses Dellahundt tippte auf die Fotos und nannte die Namen der Männer. Jeffrey Dahmer. John Wayne Gacy, Theodore Bundy, Ed Gein, Albert Fish und Fritz Haarman. Serienkiller aus der Zeit vor Tag X. Kerle die ihre Opfer gefoltert, vergewaltigt, getötet und anschließend nochmal vegewaltigt hatten. Oder alles gleichzeitig. Misses Dellahundt sparte nicht mit Details. Sie erklärte wie Jeff Dahmer seinen Opfern erst (bei vollen Bewusstsein) Löcher in die Schädel gebohrt und anschließend Säure hineingefüllt hatte um sie zu willenlosen Sexzombies zu machen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, aber die Idee war nicht schlecht. Etwas das man ausprobieren konnte wenn die Army mal wieder einen Spezialauftrag für mich hatte der Folter beinhaltete. Auch das gab es von Zeit zu Zeit.
Komischerweise dachte ich als Dellahundt die Anzahl der Opfer der einzelnen Killer nannte nur >>Amateure.<< John Wayne Gacy alias Pogo der Clown, ein pädophiler Sexualmörder, hielt mit 33 bestätigten Opfern, den Highscore. Mein Bodycount lag bei 108 und ich war erst 16 Jahre alt. Allerdings nahm ich mir auch nicht annähernd soviel Zeit wie er.
Dann zeigte Misses Dellahundt ein paar unscharfe schwarz-weiß-Fotos aus den freigegebenen Polizeiakten. Gestapelte menschliche Schädel, Gesichtsmasken aus Menschenhaut, in Einmachgläsern aufbewahrte Geschlechtsorgane, Organe in Frischhaltebeuteln, abgesägte Köpfe in Kühlschränken zwischen Joghurt und Eiscreme, Leichenteile in Ölfässern.
>>Falls du irgendwann anfängst wie diese Freaks,<< Dachte ich. >>tu dir und der Welt einen Gefallen und jag dir eine Kugel ins Gehirn.<<
Einer zart besaiteten Schülerin zwei Reihen vor mir wurde Angesichts dieser Bilder und Erklärungen schlecht. Sie würgte, hielt die Hand vor den Mund und stürmte aus dem Klassenzimmer. Dünnflüssige Kotze kleckerte auf den gewachsten Boden. Eine ihrer Freundinnen rannte ihr nach. Wohl um die Haare ihrer Freundin zu halten. Mädchen gehen immer zu zweit aufs Klo.Ich staunte über Nikki. Sie saß ganz cool an meiner Seite, machte sich Notizen in ihrem Hefter und verzog keine Wimper wenn sie die Tatortfotos sah. Penisse in Bratpfannen. Herzen in Mülleimern, Wäscheleinen aus Därmen. Verwesende Leichen auf Wohnzimmersofas wie Familienmitglieder die sich einen Film ansehen. Ganze Berge von Fingernägeln und Zähnen.
>>Kranker Scheiss.<< Flüsterte sie mir zu. >>Echt abartig.<<
>>Wenn du wüsstest...<< Dachte ich.
>>Misses Dellahundt?<< Fragte eine Schülerin die hinter mir saß. >>Warum haben die das gemacht?<<
Die Lehrerin hob die schultern, senkte den Kopf und sah auf ihre Füße. Dann hob sie den Blick und setzte sich auf die Ecke ihres Schreibtisches.
>>Weisst du Shannon. Manche dieser Männer waren geisteskrank. Manche waren selbst Opfer ihrer Umstände, und mache wurden einfach böse geboren.<<
Ich fragte mich welche dieser Möglichkeiten wohl auf mich zutraf. War ich ein Opfer meine Umstände oder wurde ich bereits böse geboren? Wahrscheinlich Teils Teils. Auf jeden Fall stimmte etwas mit mir nicht, möglicherweise war ich auf dem besten Weg auch als Foto an Misses Dellahundts Tafel zu enden. Zwar gab es auch in unserer Zeit Serienkiller, allerdings wurden nur sehr wenige von ihnen gefasst weil sich keine Menschenseele um sie gekümmert hat wenn sie eine Stadt verließen und unterwegs taten was Serienkiller eben tun. Sie killen in Serie.
Doch Misses Dellahundt beschränkte sich nicht nur auf Dahmer, Gein und die anderen multiblen Perversen. Sie zeigte uns eine computererstellte Diashow die dem Thema entsprach. Exekutionen in Kriegsgebieten, ethnische Säuberungen in Afrika, Zugwaggons voller Leichen in einem KZ in Polen, sogar die Szene in der der Polizeichef von Saigon einem gefangenen Vietcong auf offener Straße in den Kopf schießt. Die Szene ist in jeder Doku über den Vietnamkrieg. Als der Vietcong zu Boden ging und das Blut aus seinem Kopf auf das Straßenpflaster spritzte, würgten ein paar Schüler als wollen sie gleich loskotzen. So sah es also aus dem Blickwinkel eines Betrachters aus, wenn ich jemandem in den Kopf schoss. Kein Gerede, PAMM, Waffe einstecken, weggehen als wäre nichts gewesen.
Und wieder, Nikki saß ungerührt da und sah sich die Bilder und Filmausschnitte an ohne mit der Wimper zu zucken.
Die Stunde endete, zu meiner Überraschung, bereits nach 45 Minuten. Ein paar der Schüler würden diese Nacht mit Sicherheit Alpträume bekommen. Die gutbehüteten, zerbrechlichen Seelen. Die Führungskräfte von Morgen. Um ihren Nachtschlaf betrogen von Misses Dellahundts Psychopathentheater.
Langsam nüchterte ich wieder aus.
>>War doch an und für sich ganz okay.<< Sagte ich als Nikki wieder meine Hand nahm und mich aus dem Klassenraum führte. Otis sah aus als wolle er ein Stück aus seinem Tisch beissen, er schawänzelte um Nikki wie ein Geier der auf seine Gelegenheit wartet sein Stück vom Happen ab zu bekommen.
>>Weil das Thema ganz interessant war.<< Gähnte Nikki und entblöste für einen kurzen Moment ihre strahlendweissen Zähne. >>Stell dir vor wie es ist drei Wochen lang Protokolle aus Hexenprozessen lesen zu müssen.<<
>>Ich kann gar nicht richtig...<< Setzte mein vernebelter Verstand an, zog aber die Notbremse bevor ich >lesen< sagen konnte. >>glauben wie viele Leute hier rumlaufen.<<
>>Etwas mehr als 1300.<< Nikki schüttelte den Kopf. >>Und davon sind 1299 absolute Arschlöcher.<<
>>Otis und mich mitgerechnet?<< Fragte ich künstlich beleidigt.
>>Das weiss ich noch nicht.<< Grinste Nikki.

27: Bierfrühstück

Am Tag meiner >Einschulung< war ich ungewöhnlich gut drauf.Otis und ich fuhren in meiner rollenden Müllkippe von Chevi Nova durch die Straßen des morgendlichen Columbus. Er fuhr, ich kippte mein drittes Blue Bizon an diesem Morgen. Aus dem CD-Player dröhnte Goldblade. Wir brüllten den Refrain mit.
Stand up for your rights.
Stand up for your rights.
Staaaaaaand up for your riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiights.
Riot! Riot! Riot!
Riot! Riot! Riot!
Weeeeeee are gooooooonna riiiiiiiiiiiiiiiiiiot tooooooooooooooniiiiiiiiiiiiiiiiiiight!

Dumm war nur das weder Otis noch ich wussten wann eine Schule anfing. Genau um halb sieben am Morgen standen wir auf dem leeren Parkplatz vor dem FCE. Das Falcon Education Center war ein hufeisenförmiger Bau aus verspiegeltem Glas und poliertem Stahl. Von der Straße bis zum Haupteingang führte ein gepflasterter Weg durch einen Gürtel frisch gemähten Rasens und aufwändig angelegter Blumenbeete, links und rechts der niedrigen Treppe plätscherten zwei Brunnen aus purem Marmor.
Ich trug meine besten Klamotten, schließlich war das FCE eine Eliteschule und in abgewetzten Sachen würde ich noch mehr auffallen als ohnehin schon. Also hatte ich an diesem Morgen mein bestes schwarzes Hemd an (ich versuchte gar nicht erst meine Tattoos zu verbergen), eine schwarze Jeans und dunkelgraue Turnschuhe. Otis hatte ein blau-weiss gestreiften Pullover und eine hellgraue Markenjeans an. Wir saßen in meinem Auto, hörten Hooligan-Saufmusik und leerten ein Sixpack Halbliterdosen.
>>Das Spiel geht so.<< Erklärte ich ihm. >>Wir sind von einem Sozialprojekt hergeschickt worden weil unsere Leben total im Arsch sind und wir aus vollkommen zerrütteten Familen kommen. Falls es hier Schuluniformen gibt hat unser Sozialarbeiter Mister John Cloud verschissen sie uns zu geben. Wir sind auf dieser Schule um unser Leben wieder auf die richtige Bahn zu lenken. Du weisst ja Bildung bildet. Wenn dich jemand fragt was du hier machst dann sagst du ihm einfach das du neu bist und vom Better Tomorrow Programm kommst. Die werden das nachprüfen also haben wir nicht ewig Zeit. Aber ein paar Stunden sind schon drin. Weil wir ja soziale Härtefälle sind und es nicht besser wissen können wir uns benehmen wie die Axt im Wald. Wenn dir jemand krumm kommt hau ihn um. Aber mach sie nicht entgültig platt, die Army reisst uns die Ärsche auf wenn es hier Tote gibt. Diese Schule stinkt nach Geld, wenn du was klauen kannst dann klau es. Wenn sie dich erwischen erzähl ihnen das du Kleptoman oder sowas bist. Lass dir was einfallen um Zeit zu schinden. Sobald sie dich oder mich von der Schule schmeißen oder wenn sie die Bullen rufen treffen wir uns im Empty Clip (einer bekannten Army-Bar und unser Stammlokal). Gewonnen hat der der am längsten durchhält ohne raus zu fliegen.<<
Otis schlug lachend auf das Lenkrad des Nova. >>Wie kommst du auf so ´nen Scheiss?<<
>>Keine Ahnung Mann.<< Ich warf meine Bierdose aus dem Fenster. >>Bin eben ein böses Genie. Du brauchst einen Namen den du angeben kannst. Der wird allerdings auf keiner Liste und in keinem Buch stehen, sie werden denken das jemand einen Fehler gemacht hat, vergessen uns ein zu tragen. Das bringt mindestens eine Stunde zusätzliche Zeit. Alles klar soweit?<<
>>Was wenn sie einen von uns drankriegen?<< Fragte Otis bei einem Schluck Rum aus der Flasche. >>Wenn sie einen von uns festsetzen?<<
>>Verpass ihm eine und nimm die Beine in die Hand. Denk dran, wir wissen es nicht besser.<<
Otis wischte sich eine Träne aus dem Auge. >>Du bist nicht ganz dicht Mann.<<
>>Ich bringe Leute um seit ich zwölf bin. Was willst du da erwarten?<<
Gegen sieben füllte sich der Parkplatz langsam mit Sportwagen und Edelcabrios. Alle fabrikneu und sündhaft teuer. Otis gingen beim Anblick der aufgetakelten Schultussis schier die Augen über. Keine Schuluniformen, das machte unser Spiel um einiges leichter.
>>Hast du die gesehen?<< Fragte er alle drei Minuten. >>Die ist geil<< Er stand eben auf diese Gören. >>Die schieß ich noch heute ab.<<
>>Lass dich nicht aufhalten.<< Gähnte ich und drückte den Verschluss des fünften Bier ein. Ich war schon reichlich abgefüllt und hatte eine Fahne bis nach Boston. Das versprach witzig zu werden.
Dann sah ich Nikki die Straße zum Eingang entlanggehen. Sie trug eine schlichte schwarze Bluse mit weißem Kragen, einen knielangen Rock und flache Sportschuhe. Ich klopfte Otis auf die Schulter und zeigte auf Nikki. >>Das ist die Kleine die ich gestern kennen gelernt hab.<<
. >>Die?<< Fragte er ungläubig. >>Die ist heiss. Was will dir mit einem wie dir?<<
>>Was soll ´n das heissen?<<
>>Nichts für ungut Mann. Aber bei mir wäre sie besser aufgehoben.<<
>>Wenn ich dich auch nur in ihtrer Nähe sehe, dann passiert ein apokalyptisches Unglück.<<
>>Hey komm schon Mann. Ein kleiner freundschaftlicher Wettstreit ist doch nicht verboten.<<
Ich sah ihn mit kalten Augen an. Wenn Otis erstmal Witterung aufgenommen hatte gab es nicht viel das ihn aufhalten konnte. Stahlbeton vielleicht.
>>Wenn du sie anmachst wachst duch morgen mit einem Schraubenzieher in der Pissröhre auf. Schnapp dir irgend ´ne Tussi aber lass deine Finger von der Kleinen.<<
>>Na gut...okay... << Murrte er. Wir stiegen aus, tranken unsere Biere leer und warfen die Dosen in ein offenes Mercedescabrio das irgendeinem Arschloch aus dem Footballteam gehörte.
Nikki hatte gerade die Tür des Haupteinganges aufgezogen als ich ihr auf die Schulter tippte. Sie erschrak fast zu tode, drehte sich um und sah mich an als wäre ich gerade aus ihrem Rucksack geklettert. Der Schreck wich einem Lächeln.
>>Was machst du denn hier?<< Fragte sie verwundert.
>>Würdest du mir glauben wenn ich dir sage das ich ab heute auf das FCE gehe?<<
>>Keine Sekunde.<< Nikki legte den Kopf schräg.
>>Wäre auch gelogen. Übrigens, das ist mein Kumpel Otis.<<
>>Hi Otis.<< Sie streckte ihm die Hand zum Gruß entgegen.
>>Hallo.<< Sagte er mit seiner klebrigsüßen Aufreisserstimme und nahm ihre Hand.
>>Ihr habt doch getrunken.<< Bemerkte Nikki schmunzelnd.
>>Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.<< Antwortete ich. >>Was steht als erstes auf dem Programm?<<
>>Die werden euch erwischen. Ihr werdet Ärger kriegen.<< Nikki biss sich auf die Unterlippe um nicht laut los zu lachen.
>>Was wollen sie denn machen?<< Fragte Otis. >>Uns von der Schule werfen?<<
Sie schüttelte den Kopf. >>Ihr seid doch verrückt.<< Nikki sah mir in die Augen. >>Ihr wollt das wirklich durchziehen?<<
>>Sonst wären wir nicht hier.<< Antwortete ich.
Sie nickte. >>Also gut, auf eure Verantwortung. Als erstes steht Religion auf dem Programm. Bei Misses Dellahundt.<< Nikki nahm meine Hand. Die Pumpe in meiner Brust arbeitete auf Hochtouren, nicht das ich Schiss vor den Bullen oder sonstwem hatte, aber es war das erste mal das ein Mädchen überhaupt meine Hand nahm.
Otis kotzte innerlich im Dreieck. Nikki hatte meine Hand genommen, nicht seine, und das wurmte ihn.Sehr sogar. Was ich nicht wusste, in diesem Moment fing er an den Ast ab zu sägen auf dem ich saß.

26: Der Köder

Für Francis war die Planung eines neuen Werkes genauso köstlich wie die Erschaffung selbst. Wie sehr er es auskostete die kleinen Stücke des Puzzles zu einem großen Ganzen zusammen zu setzen. Jedes Hinderniss eine Herausforderung für sich. Als erstes galt es heraus zu finden wer dieser marodierende Kleingeist war, der seine Arbeit im Farmhaus vor Boise zunichte gemacht hatte. Kein Polizist, soviel war dem Doktor klar. Polizisten trauten sich kaum aus ihren Schreifenwagen, schon gar nicht aus der Stadt. Und die Büttel der Strafverfolgung sprengten unter Garantie keine Türen in die Luft. Viel zu groß war ihre Furcht vor einer Zivilklage. Ach wie nützlich waren sie doch, diese emsigen kleinen Ameisen in Uniform, mit polierter Marke und Dienstwaffe. Gute Komplizen waren sie auf alle Fälle. Sonst hätte Francis seinem Tun nicht ungestört seit 20 Jahren nachgehen können. Aber wer war dieser kleine Kerl mit den tätowierten Armen der sich erdreistete dem Doktor ins Handwerk zu pfuschen? Möglichweise ein Kopfgeldjäger. Aber wer könnte ihn auf Francis angesetzt haben? Oder ein Verwandter eines seiner Rohstoffe? Oder ein Freund? Gab es in dieser Welt überhaupt genug Ehre, genug Anstand, genug Zusammenhalt das jemand sein Leben riskierte um ein Leben zu rächen, das in den Augen der ungebildeten dummen Massen als ausgelöscht galt?
Ausgelöscht, PAH! Allein das Wort schürte den Zorn des Doktors. Als ob er ein dahergelaufener Tagedieb war der ein Leben auslöschte wie andere die Flamme einer Kerze.
Doktor Quentin Francis befreite verdorbene Seelen aus nutzlosen, verschwendeten Körpern um sie zum Wohle der Menschheit, für die Erleuchtung ihrer geistigen Dunkelheit, zu verwandeln. Seine Werke waren Geschenke an Undankbare. Perlen vor die Säue. Jedoch war es nur eine Frage der Zeit bis auch dem letzten dieser Fehlgeleiteten zur Einsicht gelangte, was für ein Gottesgeschenk die Talente des Doktors waren.
Nein. Dieser impertinente Störenfried trug nicht den Stempel der Justiz. Er war nichts anderes als ein angeheuerter Söldner. Ein Handlanger für Leute die zu schwach oder zu feige waren ihre Kämpfe selbst aus zu tragen. Ein mieser kleiner Freischärler. Eine dreckige Hure die seine Arbeit mit einem Granatwerfer und einem Sturmgewehr vergewaltigte. Doch ohne Zweifel hatte dieser Mietsoldat Mut bewiesen. Aus mutigem Rohstoff wurden mutige Werke. Die beiden Sanitäter, die die zerschundene sterbliche Hülle dieses namenlosen Mädchens in einem Plastiksack aus dem Haus getragen hatten, lieferten den entscheidenden Hinweis.
>>Siehst du?<< Hatte der ältere Sanitäter seinen grünschnäbligen Faulpelz von Lehrling erklärt. >>Deswegen nennen sie... auch Mister Overkill.<<
Doktor Quentin Francis hatte unzählige Nächte wachgelegen, die Augen geschlossen, im Gedanken wieder in der staubigen verschimmelten Zwischenwand eines moderigen Abrisshauses mitten im Nirgendwo. Ihn schmerzte die Erinnerung an diesen Augenblick so sehr das er jedesmal wenn er sich wieder in diese Wand zurückversetzte, an sich halten musste um Sean nicht von neuem zu strafen. Dieser nutzlose, tollpatschige Trottel der die Konzentration seines Herren just in dem Moment zu Scherben zerschlug als der Sanitäter den Namen des Söldners aussprach.
Aus Tagen wurden Wochen und eines Nachts, Quentin befand sich im Traum wieder in der Zwischenwand, schaffte er es Sean aus zu blenden und den Namen des Freischärlers auf zu saugen wie ein Schwamm.
>>Deswegen nennen sie Konnerly Mister Overkill.<<
Konnerly. Der Name eines dummen, schießwütigen Hinterwäldlers der in seiner fleckigen Unterwäsche vor dem Idiotenapparat saß, im fahlen blauen Licht der Glotze warmes Bier aus Dosen soff, seinen minderbemittelten Verstand mit Talkshows vergiftete und auf die Ratten in seinem Wohnwagen schoss.
Wie tief war Justizia gesunken um sich Hilfe vom Bodensatz der Gesellschaft erbetteln zu müssen? Oh tempora, oh moris. Oh Zeiten, oh Sitten.
Nichts desto trotz war der Doktor nach Boise gefahren, die Ameisen hatten sich mit ihren BMD Aufnähern auf den Jacken als nützliche Allianzpartner erwiesen, hatte sich ein Telefonbuch besorgt und war die Anzeigen sämtlicher Privatdetekteien, Sicherheitsunternehmen, Militärdienstleister und Kopfgeldjäger durchgegangen. Gerade als er die Hoffnung hatte aufgeben wollen schlug er die Seiten auf in denen die unsortierten Kleinanzeigen aufgelistet waren. Und, sieh an, fand er das kleine rechteckige Fenster. Ein Kreuz aus vier verschiedenen weißen Gewehren auf schwarzem Grund. >Full Metal Solutions< stand in schrägen hellblauen Buchstaben in der oberen rechten Ecke.
>Gerry Konnerly. Freiberuflicher Söldner<

>>Söldner.<< Francis schüttelte verächtlich den Kopf. Ekel und Abscheu schienen ihn zu erwürgen wie eine unsichtbare Hand. Dieser Banause war nichts anderes als eine von Gier und Profitsucht getriebene Hure. Jemand der aus niederen Beweggründen tötete, womöglich sehr guten Rohstoff für Blutgeld vernichtete. Es war nu gerecht, ein Gefallen für die Welt, wenn Francis diesen Schandfleckin etwas Nützliches verwandelte. Ob man es ihm danken würde? Wohl nicht.
Doch der Doktor wusste das dieser kleine Ignorant gefährlich war. Söldner zu werden setzte Kaltblütigkeit vorraus. Und ein gewisses Maß an Können. Unfug! Wieviel Können, wieviel Erfahrung konnte dieser Jungspund schon haben? Wahrscheinlich war er erst seit einem Jahr oder weniger im Geschäft. Ein Amateur der es nie über die Kreisklasse schaffen würde.
Francis hatte einem hungrigen Straßenköter einen Knochen hingeworfen. Ein verlockendes Angebot von einer Firma die mindestens so abstoßend war wie dieser Mietoldat selbst. Der Doktor hatte vor Ekel geradezu gezittert als er das Angebot schrieb. Fast vier Stunden hatte es gedauert um die Zeilen zu Papier zu bekommen. Die Worte richtig zu formulieren um einen Anschein von Seriösität zu wahren und doch für einen blassen Geist verständlich.
Allerdings hatte dieser Söldner Waffen und wusste wie man mit ihnen umging. Francis musste ihn kalt erwischen. Mit heruntergelassenen Hosen, wenn man den Ausdruck verzeihen mag.
Francis drängte sich die Frage auf ob dieser Freischärler seine Mühen überhaupt wert war. Es konnte gut sein das er in diesem Farmhaus in Idaho einfach nur Glück gehabt hatte. Nun galt es heraus zu finden ob es sich lohnte Mühen, Zeit und Talent in diesen Tunichtgut zu investieren, oder ob es nicht besser war sich neuen, interessanteren Rohstoff zu besorgen.
>>Sean!<< Befahl der Doktor seinem Assistenten. >>Ich möchte das du etwas für mich tust.<<
>>Jawohl Herr Doktor.<< Sean konnte sein Glück kaum fassen. Endlich war sein Meister zu altem Tatendrang zurück gekehrt.
>>Aber besorg nicht wieder so ein fettes Schwein!<< Blaffte Romulus.

25: Einschulung

Nach einer grob geschätzten Stunde stieg Nikki an ihrer Endstation aus. Sie hatte mir von ihrem ungewollten Leben als Tochter reicher Eltern erzählt. Wie sehr sie alles anödete. Wie missverstanden sie sich fühlte. Wie sehr sie das alles hasste.
>>War nett dich kennengelernt zu haben Gerry.<< Sagte Nikki. Ich nickte stumm. Plötzlich kam mir eine Idee. Das Glück war eine Hure, und wenn es zur Abwechslung schon auf meiner Seite stand, dann wollte ich es ficken solange es ging.
>>Warte.<< Sagte ich und klopfte meine Taschen nach einem Stück Papier ab, fand aber keines. Also riss ich ein Werbeposter des städtischen Nahverkehrsunternehmens aus dem Aluminiumrahmen neben einem Fenster und schrieb meine Telefonnummer auf.
>>Falls du nochmal einen schlechten Tag hast.<< Sagte ich und versuchte zu lächeln.
Sie nahm das Poster, faltete es ein paar mal und steckte es in ihre Manteltasche. >>Vielleicht rufe ich dich an.<< Sagte sie, zwinkerte und verschwand durch die Türen des Waggons.
>>Würde mich freuen.<< Murmelte ich als sich die Türen schlossen und die S-Bahn anfuhr.
Eine Frau im gesetzten Alter, mit Pelzkragen und sabbernder Tea-Cup-Töle im Arm rümpfte die Nase und sah mich an als gehöre ich nicht in die Szene.
>>Hab ich Kacke am Kinn oder warum glotzen Sie mich so an?<< Fragte ich so laut das auch der letzte Fahrgast mich hören konnte.
Nach weiteren eineinhalb Stunden schloss ich die Tür meiner Wohnung auf und holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank.
Nach meinem zehnten Mord hielten es die OPCU-Offiziere für besser mich ausserhalb der Kaserne unterzubringen um zu verhindern das ich jemandem von meinen Sonderaufträgen erzählte. Also mieteten sie mich in einem teuren Appartment in einem Wolkenkratzer ein, voll möbliert, echter Luxus. Jeden Montag kam ein Offizier und gab mir eine Mappe in der Fotos und Adressen meiner Opfer waren, zusammen mit ihren Namen und der Anweisung wie ich sie aus der Welt schaffen sollte. Sie stellten mir Otis als Back Up und Fahrer an die Seite, einen großgewachsenen Schönling aus South Miami. Er war, wenn man von seinen charakterlichen Defiziten einmal absah, ein klasse Kerl und guter Kumpel. Einer der wenigen Menschen in meinem Leben die ich wirklich mochte. Leider hielt er sich jedoch für den wiedergeboren Heiland was das Abschleppen von Frauen anging. Dieser Kerl hatte zu diesem Zeitpunkt sechs Freundinnen gleichzeitig, die alle nichts voneinander wussten, und bestieg fast jeden Abend eine andere. Natürlich war das für Otis kein Grund nicht an den Wochenenden die Clubs und Diskos ab zu klappern um sich an irgendeinem halbbesoffenen, aufgetakelten Mädchen gesund zu stoßen. Unter anderen Umständen, in einem anderen Leben, wäre er ein erstklassiger Zuhälter geworden... oder Pornostar.
Otis saß vor dem Fernseher im Wohnzimmer und spielte eines meiner Videospiele.
>>Alles gelaufen?<< Fragte er ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen.
>>Ein Kinderspiel.<< Antwortete ich, sah dabei zu wie Otis seine aufgemotzte Karre im Fernseher durch eine Straßensperre der Bullen dirigierte, trank einen Schluck Bier und dachte an Nikki. Stellte mir vor wie sie wohl unter ihrem Mantel aussah. >>Hab ´n nettes Mädchen kennen gelernt.<<
Er sah mich kurz an und unterdrückte ein Lachen. Ich war klein, verdammt schüchtern und alles andere als gutaussehend. Im Leben sind die Gaben eben nicht gerecht verteilt.
>>Nett?<< Fragte er, ging in die Küche und mixte sich einen Skrewdriver, Wodka mit Orangensaft.
>>Und hübsch.<< Ich hängte meine Jacke an den Haken im Flur und setzte mich auf meinen Sessel im Wohnzimmer.
Otis´s Neugier war geweckt. >>Nach deinem Standard oder nach meinem?<<
Otis war wählerisch wenn es darum ging die Keule an zu setzen. Er stand auf dumme, naive Schlampen die bereits aus dem Slip trieften wenn er mit seiner Schwanzverlängerung von Auto vorfuhr. Allgemein war es für ihn am wichtigsten ein Auto zu fahren. Ohne Auto war man nichts. Er fuhr eine tiefergelegte schwarze Eurokarre, Innenausstattung aus weißem Leder, Endstufe, zusätzliche Bassboxen, getunter Motor und dem ganzen andern Tuningscheiss. Außerdem stand er auf hellhäutige Niggerweiber. Er machte sich einen Spaß daraus mich damit auf zu ziehen das ich noch nie Sex gehabt hatte. Manchmal, benutzte er diese Tatsache um sich selbst besser dar zu stellen wenn wir unterwegs waren. Dann war er der Macker vom Dienst und ich nur ein dummer Junge. Tatsächlich verlor ich meine Jungfräulichkeit erst mit 19, in einem drittklassigen Puff hinter der Grenze, an eine mittelmässige Hure.
>>Nach meinem Standard.<< Sagte ich und zündete mir eine Zigarette an.
>>Dir ist schon klar das ich dir kein Wort glaube oder?<< Otis nahm den Controler wieder in die Hand und fuhr das Rennen zu ende.
>>Äääääääh fick dich Otis.<<
>>Im Gegensatz zu dir brauche ich mich nicht selbst ficken.<< Die bereits erwähnten charakterlichen Defizite. >>Ich brauche nur eine Nummer anrufen um eine Nummer zu schieben.<<
>>Schön für dich.<< Ich kippte beleidigt den letzten Schluck Bier. >>Aber heul mir nicht die Ohren voll wenn du irgendwann anfängst Eiter zu pissen weil du dir bei einer deiner Matratzen ´nen Tripper geholt hast<<
>>Hast du sie noch alle?<< Er warf mir einen giftigen Blick zu. >>Meine Weiber sind sauber.<<
>>Sauber wie ´n Abwassertank.<< Gab ich zurück und holte mir noch ein Bier. >>Hast du morgen was zu tun?<<
>>Hab den Rest der Woche nichts auf der Uhr. Und du?<<
>>Für diese Woche nichts mehr. Lass uns morgen ein neues Spiel ausprobieren.<<
Otis und ich hatten uns für langweilige Tage bereits Spiele überlegt. Nuttenprellen, Visite, Der heilige Geist und Kilroy was here. Am nächsten Tag wollte ich etwas neues probieren.
>>Woran hast du gedacht?<< Fragte Otis mit breitem Grinsen.
>>Morgen, mein Freund, spielen wir Einschulung. Und zwar im FCE.<<

24: G-Spot Entertainment

>>Es gibt etwas zu tun.<< Meagen überflog den Auftrag der an diesem Morgen in der Post war. >>Wird dir gefallen.<<
>>Worum geht´s?<< Fragte Konnerly im Halbschlaf mit den Füßen auf seinem Schreibtisch.
>>Lies es selbst.<< Die Sekretärin stand auf und drückte Gerry den Brief in die Hand.
>>Soweit ich mich erinnere bezahle ich dich dafür meine Post nicht selbst lesen zu müssen.<< Murrte er, gähnte herzhaft und rieb seine müden Augen.

-Sehr geehrter Mister Konnerly,

ich habe durch Geschäftskontakte von Ihnen erfahren und würde Ihre Dienste gern in Anspruch nehmen. Weitere Details würden ich gern persönlich mit ihnen klären und bitten Sie aus diesem Grund für ein Gespräch am 26. 06. um 10:30 Uhr in die Lobby des Mirage Hotels in Saint Judas, Kanada.
Die Kosten für Ihre Anreise und Unterkunft werden von mir übernommen.
Ich bitten Sie um Diskretion und verbleibe mit freundlichem Gruß.

N. Mainard
G-Spot- Entertainment
Toronto-

>>G-Spot Enterntainment.<< Sinnierte Gerry. >>Klingt wie ´ne Pornofirma.<<
>>Das könnte daran liegen, das es eine Pornofirma IST.<< Meagen warf Konnerly eine Ausgabe des Cunts´N´Ammo Magazine in die Hände. >>Lies das Impressum.<<
>>Fotographie Bla Bla Bla, Layout Bla Bla Bla, Ausstatter Bla Bla Bla, Produzent und Herrausgeber G-Spot Entertainment. Inhaber N. Mainard. Na da schau einer an.<<
>>Du solltest auch mal die Artikel lesen und nicht nur auf die Bilder abwichsen.<< Meagen rümpfte die Nase.
>>Cunts`N´Ammo ist amerikanisches Kulturerbe. Diese Hefte haben mir schon über schwere Zeiten geholfen.<<
>>Verschon mich mit Details.<< Die Sekretärin verzog bei der Vorstellung angewidert das Gesicht. >>Du bist ein Schwein Gerry.<<
>>Das höre ich erstaunlich oft. Was für ein Datum haben wir heute?<<
Meagen sah auf den Kalender neben ihrem Schreibtisch, einem Werbegeschenk der Firma Smith & Wesson.
>>Mittwoch den 24ten Juni 2047.<<
>>Das heisst wenn nichts dazwischen kommt ist übermorgen der 26te.<<
>>Den ganzen Tag von 0 bis 24 Uhr. Und abends gibt es Lifemusik.<<
Gerry warf seiner Sekretärin einen müden Blick zu. >>Behalt dir dein vorwitziges Mundwerk ruhig bei. Damit wirst du große Erfolge auf dem Arbeitsamt haben.<<
>>Mein Freund hat nichts gegen mein vorwitziges... Mundwerk einzuwenden.<<
Konnerly zündete sich eine Zigarette an und öffnette seinen Waffenschrank. >>Liegt daran das du es bei ihm nicht benutzt um Widerworte zu geben.<<
Meagen kniff ihre Augen zu Schlitzen zusammen. >>Manchmal hasse ich dich wirklich abgrundtief Gerry.<< Zischte sie mit zusammengebissenen Zähnen.
>>Auch das höre ich erstaunlich oft.<<
Konnerly packte zwei Gewehre und eine Pump Action Schrotflinte auf seinen Schriebtisch, überprüfte die Magazine. 300 Schuss für das G3A4, 300 Schuss für das Ruger AC, 120 Schuss für die Winchester 1300. Das sollte für ein erstes Gespräch in einer Hotellobby ausreichen.
Er verpackte Waffen und Munition in eine große abgewetzte Sporttasche, zählte 120 Dollar vom Bündel neben der Munition und drückte Meagen die Scheine in die Hand als er das Büro verließ.
>>Nimm dir den Rest der Woche frei.<< Sagte er als er den Türknauf drehte.
>>Manchmal liebe ich dich.<< Flötete Meg.
>>Das höre ich erschreckend selten.<< Die Tür schlug klappernd hinter ihm zu.

 

Ich bin eine Hure. Bargeld gegen Dienstleistung. Ganz einfach. Keine Fragen, keine Verhandlungen, keine politischen Interessen, keine Gewissensbisse. Das Geld von Faschisten ist genauso gut wie das Geld von Humanisten. Ich tue was getan werden muss, wenn es getan werden muss.

Ich bin nicht billig, aber für 300 Dollar in der Woche bin ich dein bester Freund oder dein schlimmster Feind. Meine Loyalität gilt nur für die Vertragsdauer und es gibt keine nachträgliche Verlängerung. Ich bin gut in dem was ich tue. Meine Kunden können das bestätigen.

Egal ob Personenschutz, Verhörmethoden, Entführung, Counter Snipering, Sprengstoff, bewaffneter oder unbewaffneter Nahkampf oder Objektschutz. Es gibt nichts das ich nicht kann. Wenn etwas einen Motor hat kann ich es fahren. Wenn etwas einen Abzug hat, kann ich es abfeuern.

Wenn du einen Kampf zu kämpfen, einen Krieg zu führen oder jemanden tot sehen willst, lass es mich wissen. Stimmt die Bezahlung bin ich dein Mann. Ich habe keine Hemmungen jemanden zu töten, egal ob Männer, Frauen, Kinder, Alte, Schwache oder Kranke. Wenn ich es nicht erledige übernimmt jemand anderes diesen Job.

Um es gleich zu sagen. Ich habe schlimme Dinge getan. Dinge die sich andere Menschen kaum vorstellen können. Und es tut mir nicht leid. Ich liege nachts nicht wach und denke an die armen unschuldigen Opfer. Niemand ist unschuldig. Ich kenne keine Reue und kein Bedauern.

Wenn du diese Geschichte liest sollte dir eines von anfang an klar sein.

Hier gibt es keinen Ritter in glänzender Rüstung, der den Drachen erschlägt und die Prinzessn rettet. Kein Superheld wird auftauchen um dich aus dem brennenden Haus zu retten. Kein Special Agent wird kommen um in der letzten Sekunde die Bombe zu entschärfen.

Es gibt auf diesen Seiten keine auf 300 Seiten ausgelatschte Love-Story, keine schwuchteligen Vampire die sich vier Bände lang überlegen ob sie das Mädchen lieber ficken oder fressen.

Diese Geschichte ist keine Masturbationsvorlage für gelangweilte Hausfrauen oder naive Teeniegören.

Wenn du soetwas suchst, vergiss das du diese Zeilen je gelesen hast. Suche weiter und erfreue dich an der heilen, bunten, gerechten Welt in der du lebst und verschließe deine Augen vor dem was diese Welt wirklich ist.

Wenn du allerdings bereit bist weiter zu lesen, dann lass mich dir eines sagen.

Ich bin real. Und es gibt Leute dort draussen die weitaus schlimmer sind als ich.

Vergiss also nie, wenn du warm eingepackt in deinem Bett liegst und Seite für Seite weiterblätterst:

Es gibt mich wirklich und du bist nur 300 Dollar davon entfernt mich von meiner bösen Seite kennen zu lernen.


Sag hinterher nicht ich hätte dich nicht gewarnt.


Gerry >>Gecko<< Konnerly